Die Premier League startet am Wochenende in die neue Saison. Am Sonntag kommt es gleich zu einem Duell mit einer pikanten Note: Southampton muss nach Liverpool. Die “Saints” von der Südküste überraschten in der letzten Saison mit tollem Fußball und Rang 8. Drei ihrer Kicker fuhren gar für die Three Lions zur WM. Doch der Fluch der guten Tat holte den Underdog im Sommertransferfenster ein. Besonders gierig bei der “Heiligenverehrung” in der Premier League: Der Liverpool FC.

Wenn sich am Sonntag die Spieler Liverpools und Southamptons die Hand reichen, dann hätte nicht viel gefehlt und Liverpool hätte fast so viele letztjährige Stammspieler der Saints aufgeboten, wie Southampton selbst. Den Kern des letztjährigen Überraschungsteams bildeten neun Akteure: die Offensivkräfte Adam Lallana, Rickie Lambert und Jay Rodriguez, die Mittelfeldakteure Morgan Schneiderlin und Steven Davis sowie Dejan Lovren, Luke Shaw und José Fonte in der Viererkette vor Artur Boruc zwischen den Pfosten. Die genannten Feldspieler bestritten in der Saison 2013/14 allesamt mehr als 30 Spiele für ihren Klub, Boruc 29.

Shopping in Southampton
Von den neun genannten Dauerbrennern haben vier nach der tollen letzten Saison den Verein verlassen. Drei von ihnen tragen zukünftig das rote Trikot Liverpools: Lallana, Lambert und Lovren. Von den fünf verbliebenen Stammkräften der Saints erholt sich Rodriguez derzeit von einem Kreuzbandriss und Boruc dürfte seinen Stammplatz an Fraser Forster verloren haben, der mit der Empfehlung einer WM-Teilnahme nach Southampton kommt und als Englands Torwart Nummer zwei gilt. Bleiben für das Aufeinandertreffen am Sonntag also nur Davis, Fonte und der noch bei anderen Klubs gehandelte Schneiderlin. Sie werden mit Sicherheit auf Lovren treffen und auch Lambert darf sich Chancen auf einen (Teilzeit)Einsatz ausrechnen. Lallana muss hingegen verletzt passen. Die drei Neu-Liverpooler spülten immerhin rund 60 Millionen Euro Ablöse in Southamptons Kasse. Wie überhitzt der englische Transfermarkt derzeit ist, zeigt das Beispiel der beiden 19-jährigen Shaw (zu Manchester United) und Calum Chambers (zu Arsenal), für die Southampton nochmals fast 60 Millionen Euro einnahm. Zu allem Überfluss ging auch noch Maurizio Pochettino zu Tottenham Hotspur, der das Überraschungsteam von der Trainerbank aus zur erfolgreichen Saison orchestriert hatte. In Southampton gaben sich in diesem Transferfenster also die Berater die Klinke in die Hand und verfuhren getreu dem Motto: Wer hat noch nicht, wer will noch mal.

Gute Jugendarbeit
Der enorme Aderlass der Saints sorgt auf der Insel durchaus für Bedauern. Denn im Gegensatz zu den allermeisten anderen englischen Erstligisten setzen die Saints vergleichsweise stark auf englische Spieler, die oft genug aus dem eigenen Nachwuchs kommen. Die zuletzt transferierten Lallana, Shaw und Chambers zählen zu eben solchen Eigengewächsen. Auch Real Madrids Gareth Bale entstammt der Jugendakademie der Saints, ebenso wie die beiden Arsenal-Stürmer Theo Walcott und Alex Oxlade-Chamberlain. Vor zehn Jahren entwuchs der 37-malige englische Nationalspieler Wayne Bridge den Junioren Southamptons.

Hohe Erlöse – ungewisse Zukunft
Stürmer-Legende und TV-Ikone Gary Lineker twitterte nach dem jüngsten Verkauf von Youngster Chambers, dass es irrwitzig sei, was Southampton in diesem Transferfenster alles abhanden kommt. Durch die zahlreichen Abgänge hat Southampton europaweit bislang die meisten Transfererlöse erwirtschaftet. Das heißt, sie können zwar ordentlich investieren, das eingespielte Ensemble ist aber gesprengt. So schicken sie letztlich in dieser Saison eine vollkommen neue Mannschaft an den Start und es wäre verwunderlich,wenn in der hart umkämpften englischen Eliteklasse von Neuem ein achter Platz hinter der Phalanx der Schwergewichte herausspringen würde. Die meisten der bisher verpflichteten Neuzugänge kennen die Premier League ebensowenig wie der neue Coach Ronald Koeman. Zudem muss man sich vor Augen führen, dass der Klub erst in seine dritte Premier-League-Saison geht, nachdem er zwischenzeitlich bis in die Drittklassigkeit abgerutscht war. Der Verein war jedenfalls auf einem guten Weg richtig in der Premier League anzukommen, doch nun heißt es gewissermaßen zurück auf Los.

Lineker-Tweet_Southampton-sorry

Lineker-Tweet_Arsenal sign Chambers

Gary Lineker zeigt auf twitter mehrmals sein Mitgefühl bezüglich Southamptons Aderlass.

Parallelen zum SC Freiburg
Das Ganze erinnert ein wenig an den SC Freiburg, wenngleich beide mit ganz unterschiedlichen Summen jonglieren. Die Breisgauer etablieren ebenfalls beständig Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in ihrem Bundesligateam und ebenso regelmäßig müssen sie ihre besten Spieler ziehen lassen. In den vergangenen vier Spielzeiten folgte auf zwei Höhenflügen (2010/11 Rang 9 und 2012/13 Rang 5) ein qualitativer Aderlass (zunächst Daniel Williams, Ömer Toprak und Papiss Demba Cissé, 2013 dann Cédric Makiadi, Daniel Caligiuri, Johannes Flum, Jan Rosenthal und Max Kruse). Beide Male füllten sich die Kassen der Freiburger, aber nur auf Kosten eines Abstiegskampfs mit der neu formierten Elf in der jeweiligen Folgesaison.

21.09.2013, Anfield Road: Ecke Lallana, Tor Lovren, 1:0-Sieg Southampton
Ein Szenario, das Southampton ebenfalls blühen könnte. Ein Sieg zum Saisonauftakt an der Anfield Road scheint jedenfalls mehr als unrealistisch. Noch in der vergangenen Saison war dies anders. In der 53. Minute trat Lallana zum Eckball an, Lovren köpfte die Hereingabe zum 1:0-Endstand in die Maschen. Es blieb eine von nur zwei Heimniederlagen Liverpools in der abgelaufenen Saison. Man scheint sich bei den Roten jedenfalls gut an die Heiligen aus Southampton erinnert zu haben.

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