Die Gruppenphase der Champions League bestimmt ab dieser Woche wieder den Terminkalender des internationalen Fußballs. Zum Auftakt treffen am Mittwoch zwei Vereine aufeinander, die angesichts der Zusammensetzung ihrer Kader zu den auffälligsten Klubs des diesjährigen Wettbewerbs zählen. Der eine Klub kommt mit Spielern aus drei Nationen aus, der andere gar nur mit Akteuren aus zwei. In Zeiten eines globalisierten Transfermarkts absolut außergewöhnlich.

Auf einen der beiden Klubs wird so mancher Fan von selbst kommen. Es ist der Athletic Club Bilbao, der traditionell nur auf Basken oder im Baskenland ausgebildete Spieler setzt. Beim zweiten Verein müsste man hingegen eher auf einen Zufallstipp vertrauen. Schließlich handelt sich um keinen ganz großen, aber doch einen arrivierten Champions-League-Klub: Shakhtar Donetsk aus der Ukraine. Trotz des Credos, dass weniger Nationalitäten im Kader mehr Erfolg bedeuten kann, unterscheidet sich die Personalpolitik der beiden Klubs fundamental.

Athletic Club Bilbao
Die Basken setzen traditionell auf ihresgleichen. Sie rekrutieren ihre Spieler aus dem Pool der 2,7 Millionen Basken. Mittlerweile können immerhin Spieler aus dem französischen Teil des Baskenlandes für Athletic auflaufen, oder solche, die ihre fußballerische Ausbildung im Baskenland erfuhren. Der aktuelle Kader legt ein beeindruckendes Zeugnis dieser Maxime ab. Mit dem Franzosen Aymeric Laporte steht lediglich ein Ausländer im Kader, der allerdings bereits im Juniorenalter zu Athletic kam. Neben ihm ist nur Stürmer Borja Viguera nicht im spanischen Baskenland geboren, doch auch er kam bereits als Jugendlicher ins Baskenland, wenngleich er seinen Feinschliff beim baskischen Kontrahenten aus San Sebastian erfuhr. Alle anderen Spieler im Kader erblickten innerhalb eines Radius von 216 Kilometer um Bilbao herum das Licht der Welt (s. Karte). Bei den allermeisten, nämlich 15 Spielern, liegt der Heimatort gar weniger als 100 Kilometer von Bilbao entfernt.
Trotz dieser Selbstbeschränkung stieg Bilbao noch nie aus der Primera División ab und qualifizierte sich nun nach anderthalb Jahrzehnten wieder für die Champions League. Da bleibt einem nur den Hut zu ziehen! Gerade in einer Zeit, in der jeder halbwegs ambitionierte Verein noch schnell einen Hochkaräter aus Südamerika verpflichten kann oder zumindest ein preiswertes Talent vom Balkan (s. Beitrag über die beliebtesten Legionäre in Europas Topligen: Klick). Doch dieses Manko macht zugleich die Stärke Bilbaos aus. Es ist für alle Spieler eine enorme Ehre für diesen Verein aufzulaufen. Nirgendwo dürfte es eine höhere Loyalität der Akteure gegenüber ihrem Verein geben.

Geballte Identifikation: Die Geburtsorte der Spieler vom Athletic Club Bilbao. (Anm.: roter Stern = Bilbao (Google Maps))

Geballte Identifikation: Die Geburtsorte der Spieler vom Athletic Club Bilbao. (Anm.: roter Stern = Bilbao (Google Maps))

FC Shakhtar Donetsk
Ganz anders agiert Shakhtar Donetsk, die neben einheimischen Kräften voll auf die brasilianische Karte setzen. Zehn Ukrainer, 13 Brasilianer und ein Kroate (Kapitän und Urgestein Darijo Srna) bilden das Aufgebot des ukrainischen Abonnementsmeister, der aufgrund des bewaffneten Konflikts in der Ostukraine derzeit fernab der Heimat antritt. Die Mannschaft residiert in Kiew, die Partien finden im westukrainischen Lwiw statt. Der Verein gewann 2009 den UEFA-Pokal gegen Werder Bremen, nachdem er im Verlauf der Saison aus der Champions League in die “2. europäische Liga” abgestiegen war. 2000 betraten die Ukrainer erstmals die Bühne der Champions League. In diesem Jahr feiern sie Jubiläum, sie stehen zum zehnten Mal in der Gruppenphase.
Im zurückliegenden Transferfenster beschränkte sich Shakhtar auf die Verpflichtung von Brasilianern und Ukrainern aus der ukrainischen Liga. Der militärische Konflikt dürfte daran nicht ganz schuldlos sein, denn wer wechselt schon gerne in ein derart unsicheres Krisengebiet. Dies mag mit dazu beigetragen haben, dass im aktuellen Kader nur Spieler aus den drei genannten Ländern stehen. In der letzten Saison zählten immerhin noch ein Tscheche und ein Argentinier zum Aufgebot. In der gesamten Mittelfeld- und Sturmabteilung der Ukrainer finden sich nur zwei Einheimische, ansonsten verantworten die Brasilianer das Offensivspiel.
Diese extreme Vorliebe für Brasilianer begann 2002, als der finanziell bestens aufgestellte Klub einen gewissen Brandao verpflichtete. Der Stürmer blieb sechseinhalb Jahre, in denen er seine Torgefährlichkeit beständig unter Beweis stellte, bevor ihn Olympique Marseille abwarb. Die guten Erfahrungen mit ihm mündeten spätestens ab 2005 in ein verstärktes Engagement auf dem brasilianischen Spielermarkt. Zum Vorteil des Vereins, denn seitdem mutierten die Ukrainer zum Stammgast in der Champions League. Dies wiederum macht den Klub für die zumeist jungen Brasilianer attraktiv. Obendrein zahlt er durchaus üppige Gehälter. Die breite brasilianische Kolonie im Kader tut ihr Übriges, um dem ein oder anderen Südamerikaner über den Kulturschock hinweg zu helfen. Darüber hinaus gilt der seit 2004 amtierende rumänische Coach Mircea Lucescu als ein Liebhaber des brasilianischen Fußballs.
So ganz nebenbei hat sich Donetsk einen Namen als Sprungbrett in die großen europäischen Ligen gemacht. Fernandinho spielt nach acht Jahren bei Shakhtar seit 2013 bei Manchester City. Willian spielte fünfeinhalb Jahre in Donetsk, bevor er über ein halbjähriges Intermezzo in Machatschkala ebenfalls 2013 beim Chelsea FC landete. Ein Wechsel nach Donetsk steht selbst einer Karriere in der Selecao nicht entgegen. Der 22-jährige Bernard wechselte 2013 in die Ostukraine und lief bei der zurückliegenden WM für Brasilien auf. Die Mehrzahl der Brasilianer holt Donetsk tatsächlich ohne Zwischenschritt aus Brasilien, wo sie bestens vernetzt sind. Lediglich fünf der 13 Brasilianer konnte bereits Europa-Erfahrung aufweisen, bevor sie bei Shakhtar anheuerten. Drei von ihnen kamen von ukrainischen Kontrahenten.

Oben Multi-Kulti, unten strikt baskisch. Die Statistik der Champions-League-Klubs 2014/15.

Oben Multikulti, unten strikt baskisch: Eine etwas andere Statistik der Champions-League-Klubs 2014/15.

Und dann ist da noch der …
… AS Rom. Er setzt den Kontrapunkt zu den beiden Basken und Ostukrainern. Die Italiener vertrauen in ihrem Kader auf Spieler aus 15 Nationen, von Litauen über die Türkei, Mali, Paraguay und Argentinien bis Serbien. Im Querschnitt aller Gruppenphasenteilnehmer entsprechen sie damit durchaus dem Trend. Monaco, Piräus und Chelsea sind ihnen mit Spielern aus 14 unterschiedlichen Ländern dicht auf den Fersen. 19 der 32 Teams greifen auf Profis aus mehr als zehn Nationen zurück. In dieser Hinsicht sind Donetsk und erst recht Bilbao Exoten. Am Mittwoch um 20:45 Uhr treffen beide im neuen Estadio San Mamés an der Atlantikküste aufeinander. Das Rückspiel steigt am 25. November.

 

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