In den nächsten Tagen darf die „kleine Nationalelf“ wieder ran und es steht viel auf dem Spiel. Im Play-off gegen die Ukraine muss die deutsche U21 den Einzug zur Europameisterschaft sichern. Dort geht es dann um die Qualifikation für Olympia 2016 in Brasilien. Es wäre die erste Teilnahme seit Jürgen Klinsmann 1988 in Seoul wirbelte.

1988 hieß Südkorea die internationale Sportfamilie willkomen und auch die Nachwuchskicker des DFB waren am Start. Nach dem Halbfinal-Aus gegen Brasilien, das mit Claudio Taffarel, Jorginho, Bebeto und Romario antrat, sicherten sich Jürgen Klinsmann, Frank Mill & Co. gegen Italien im Spiel um Platz 3 die Bronzemedaille. Seither verpasste die U21 in schöner Regelmäßigkeit die Medaillenjagd unter den olympischen Ringen. Entweder qualifizierte sie sich in den betreffenden Jahren erst gar nicht für die zur Qualifikation maßgebliche Europameisterschaft (wie zuletzt 2007 und 2011), oder sie scheiterte dort schon frühzeitig (s. Tabelle). Dem DFB schien dies lange Zeit nicht sonderlich viel auszumachen, schließlich war und ist die A-Nationalmannschaft das Aushängeschild des Verbandes. Die Bundesligavereine konnten damit sogar ganz gut leben, da sie so in der Frühphase einer Saison keine Spieler für das Olympiaturnier abstellen mussten.

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28-jährige Durststrecke soll zu Ende gehen
Mittlerweile geht der DFB das Projekt Olympia ambitionierter an. Mit dem vor einem Jahrzehnt vom Kopf auf die Füße gestellten Nachwuchskonzept ist der Verband bestens gefahren. Ein EM-Titel bei der U17 (2009), zwei bei der U19 (2008, 2014) sowie ein Erfolg bei der U21 (2009) belegen die gestiegene Qualität der deutschen Nachwuchskicker. Der Weltmeistertitel des A-Nationalteams in diesem Sommer darf als logische Konsequenz betrachtet werden. Nun fehlt also nur noch die Olympia-Teilnahme, um das gehobene Niveau zu untermauern. 28 Jahre Olympia-Abstinenz sind nun wahrlich kein Ruhmesblatt. Umso mehr, als sich in diesem Zeitraum Italien (5-mal), Spanien (3-mal), Portugal und Serbien (je 2-mal) mehrmals sportlich für Olympia qualifizierten. Sogar Schottland hatte sich 1992 und 1996 für die Spiele qualifiziert, nahm mangels eines eigenen Olympiateams aber nicht teil. Und auch Weißrussland, die Slowakei und Ungarn brachten je einmal ihren ältesten Juniorenjahrgang zum größten Sportereignis der Welt (s. Tabelle unten). Konsequenterweise hatte U21-Coach Horst Hrubesch bereits zum Auftakt der Qualifikation im vergangenen Jahr das Ziel Olympiateilnahme ausgegeben.

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Dreisprung zu den Olympischen Spielen
Die erste Etappe haben die deutschen Junioren mit Bravour genommen. Ohne Niederlage bewältigten sie die Gruppenphase als Sieger vor Rumänien und Montenegro. Doch diese Bilanz allein berechtigt noch nicht zur Teilnahme an der nächstjährigen Endrunde in Tschechien, da die UEFA auf ein Teilnehmerfeld von lediglich acht Nationen setzt. Neben Gastgeber Tschechien bleibt damit nur noch Platz für sieben Teams aus zehn Qualifikationsgruppen. Folglich spielen die zehn Gruppensieger und die vier besten Gruppenzweiten in sieben Play-offs die EM-Fahrer aus. Das deutsche Team bekommt es in den nächsten Tagen mit der Ukraine zu tun, die immerhin die stärker eingeschätzten Schweizer hinter sich ließ. Bei der U21-Europameisterschaft 2015 qualifizieren sich dann die drei besten Teams für die Spiele in Brasilien. Die Junioren müssen somit einen Dreisprung zu den Olympischen Spielen bewältigen.

Play-off-Kontrahent Ukraine mit zwei Legionären 
Die deutschen Junioren gehen als Favorit in das Duell mit den Osteuropäern. Bernd Leno, Marc-André ter Stegen, Kevin Volland, Max Meyer, Moritz Leitner, Robin Knoche, Johannes Geis und Jonas Hofmann haben allesamt zwischen 40 und 100 Bundesligaspielen bestritten und durften zum Teil schon bei Jogi Löw vorspielen. Verzichten muss Hrubesch auf die verletzten Emre Can und Leon Goretzka sowie die zur A-Elf aufgestiegenen Antonio Rüdiger, Erik Durm, Matthias Ginter und Shkodran Mustafi. Selbst Julian Draxler und Mario Götze könnten noch U21 spielen, zählen aber schon länger zum A-Team. Dahingegen tritt die Ukraine mit einem Kader an, der hierzulande wenig bekannt ist. Doch das muss nichts heißen. Die meisten Spieler verdienen ihr Geld in der Ukraine, zwei wagten in diesem Sommer den Schritt ins Ausland. Linksverteidiger Yevhen Nepliakh heuerte in Griechenlands Eliteklasse an und erweist sich für den Moment als Stammkraft bei Platanias Chania. Bayer Leverkusen sicherte sich die Dienste von Mittelfeldspieler Vladlen Yurchenko, der noch dem jüngeren U21-Jahrgang angehört und in der bisherigen EM-Kampagne keine tragende Rolle gespielt hat. In der Bundesliga durfte er immerhin bereits 45 Minuten gegen Augsburg ran (kicker-Note: 4).

Brisante weitere Play-off-Duelle 
Letztlich hat es der DFB mit einem machbaren Los zu tun. Andere Teams erwischte es da deutlich härter. Serbien trifft auf Spanien (mit Isco, Gerard Deulofeo, Iker Muniain, Alvaro Morata und Munir El-Haddadi), die Niederlande (mit Jetro Willems und Adam Maher) auf die in der Qualifikation ausschließlich siegreichen Portugiesen. Somit werden auf jeden Fall zwei der vier traditionell starken Nachwuchsteams auf der Strecke bleiben. England (mit 37,5-Millionen-Verteidiger Luke Shaw) gegen Kroatien verspricht ebenfalls ein interessantes Duell zu werden. Italiens Nachwuchs (mit Shooting-Star Domenico Berardi) muss man immer auf dem Zettel haben. Er sollte sich gegen die Slowakei durchsetzen können, selbst wenn die Slowaken die Niederländer in ihrer Gruppe auf Rang 2 verdrängten. Schweden und Island (mit Coach Eyjólfur Sverrisson) dürften sich auf Augenhöhe begegnen. Frankreich (mit Geoffrey Kondogbia, Aymeric Laporte und Kurt Zouma) ist gegen Schweden favorisiert.

Exkurs: Erweiterung der EM-Teilnehmerzahl anzuraten
Abschließend noch ein paar Bemerkungen zur Organisation der U21-Europameisterschaft. Die Limitation auf acht Endrundenteilnehmer mutet reichlich überholt an und selbst die Ausweitung auf zwölf Teams ab 2017 nimmt sich im Vergleich zur Europameisterschaft der A-Teams mit 24 Mannschaften gering aus. Eine Ausweitung auf 16 Teams wäre dahingegen ein konsequenter Schritt:

  1. Bezüglich der Qualität:
    Viele Spieler sind schon etablierte Erstligaprofis, einige kommende internationale Stars.
  2. Bezüglich der fehlenden Wettbewerbskonkurrenz:
    In den Jahren der EM-Endrunde finden keine Welt- und Europameisterschaften der A-Nationalteams statt. Die Fußballfans können sich in der Sommerpause also ganz auf dieses Turnier konzentrieren.
  3. Bezüglich des Turniermodus:
    Bei zwölf Teams könnte es entweder zu vier Dreiergruppen oder drei Vierergruppen kommen. Dreiergruppen bieten sich nicht an, da einige Teams nach nur zwei Spielen wieder nach Hause reisen müssten. Vierergruppen haben den unschönen Nebeneffekt, dass sich nicht alle Drittplatzierten für ein Viertelfinale qualifizieren, beziehungsweise – falls gar kein Viertelfinale vorgesehen ist – nicht alle Zweitplatzierten für das Halbfinale.

Womöglich ist die moderate Erhöhung auf zwölf Teams ein Zugeständnis an kleinere Verbände, die nicht davon abgeschreckt werden sollen, sich als Gastgeber (zuletzt Schweden, Dänemark, Israel) zu bewerben. Sie würden womöglich mit 16 Nationalteams und einer dementsprechend längeren Endrunde mit noch mehr Stadien schnell an ihre Grenzen stoßen.

Der Darmstädter Gegenentwurf

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Veröffentlicht: 1. August 2014 in SV Darmstadt 98
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U19-EM: Die nächste Generation

Veröffentlicht: 19. Juli 2014 in Länderspiele
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