Am Samstag kommt es im Böllenfalltorstadion des SV Darmstadt 98 zum Showdown. Die Lilien empfangen am letzten Spieltag der 3. Liga die Stuttgarter Kickers. Der Sieger bleibt in jedem Fall drin, wobei die Ausgangslage der Kickers mit 39 Punkten auf Platz 16 besser ist als die der 98er mit 37 Punkten auf dem ersten Abstiegsplatz 18. Wer wird sich also retten? Eine Frage, die mich und meinen alten Studienkumpel Wolfi entzweit. Er ein Anhänger der Blauen aus Stuttgart, ich ein Fan der Blauen aus Darmstadt. Er sah in der letzten Woche auf der Waldau Daniel Engelbrecht in Schlussminute allein auf den Chemnitzer Torwart zulaufen und scheitern. Ich sah vor zwei Wochen am Bölle Hakan Calhanoglus Freistoß in der 89. Minute im Lilientor einschlagen. Ebenso symptomatische wie deprimierende Szenen der abgelaufenen Saison.
Während des Studiums kickten wir gemeinsam mit unseren Jungs auf einem Bolzplatz einen Steinwurf vom Bölle entfernt und zockten bis tief in die Nacht FIFA 98. Heute kommentieren wir leidenschaftlich den Kampf unserer Teams ums nackte Überleben in Liga 3. Keiner von uns will seinen Verein wieder in den regionalen Niederungen der 4. Spielklasse wissen … an tristen Sonntagnachmittagen gegen Hoffenheim II. Beide befürchten wir, dass es dann für lange Zeit aus ist mit einem Platz auf der Fußballkarte Deutschlands, der doch erst 2011 bzw. 2012 ergattert wurde. Wer darf also am 17. Mai um 15:20 Uhr am Bölle die Faust in die Luft recken? Wir sehen beide unsere Vereine vorne!

Fünf Argumente, die für die Lilien sprechen:

1. Der Coach:
Mit Dirk Schuster verordnete der dritte Lilientrainer der Saison dem Team ein stabileres Spielsystem. Er führte seine Mannschaft nach einer völlig verkorksten Hinrunde vom letzten Platz an die Schwelle zum Klassenerhalt. 21 Punkt aus 16 Partien sind ein mehr als ordentlicher Schnitt. Er und sein Team vermitteln den Eindruck eine Einheit zu bilden, das Vertrauen ineinander ist da. Zudem kennt er den Gegner aus dem Effeff. Er trainierte ihn ja immerhin bis vergangenen November. In dieser Hinsicht müssen die Kickers, deren Kader er wesentlich zusammengestellt hat, sogar als sein Team gelten. Er weiß besser als ein normaler Spielbeobachter, wie die gegnerische Elf tickt. Welcher Spieler reagiert in Drucksituationen labil oder passiv? Wer verliert schon mal die Konzentration? Wo ist der wunde Punkt? Ein unschätzbarer Vorteil!

2. Der Heimvorteil:
Die Lilien zuhause als eine Macht zu beschreiben wäre vielleicht etwas dick aufgetragen. Sie fühlen sich hier aber naturgemäß viel wohler und wissen die Fans im Rücken. Umso mehr nach dem immens wichtigen Sieg vom vergangenen Wochenende, als in Erfurt bereits das Aus drohte. Die Fans werden also bedingungslos und stimmgewaltig hinter ihrer Elf stehen, so wie sie es bereits gegen Karlsruhe getan haben. Dass es damals nach dem frustrierenden Last-Minute-K.o. keine Pfiffe von den Rängen gab, zeigt, dass das Verhältnis zwischen Team und Fans intakt ist.

3. Die zuletzt gezeigten Leistungen:
Die Lilien schienen schon oft weg vom Fenster zu sein. Zur Winterpause, Anfang März, letztes Wochenende. Doch sie kamen immer wieder zurück. In den letzten drei Wochen punkteten sie sogar auswärts dreifach, was nahezu so selten vorkam wie ein 29. Februar. Der Sieg in Offenbach wurde ebenso willensstark und hochverdient eingefahren, wie der Erfolg in Erfurt. Der dazwischen liegende Pokalerfolg gegen den OFC unterstrich diesen Trend. Die unglückliche Niederlage gegen Ligaprimus Karlsruhe zeigte, dass die Lilien mithalten können. Nun haben es die Lilien gegen die Kickers selbst in der Hand, während sie vergangenes Wochenende nicht nur gewinnen, sondern auch noch auf die Patzer der Konkurrenz hoffen mussten. Mehr Druck als vor sieben Tagen geht also nicht. Und dem haben sie beeindruckend Stand gehalten.

4. Die Defensive:
Hinten steht bei den Lilien die Null. Blieb der Klub in den ersten 21 Saisonspielen gerade einmal in zwei Partien ohne Gegentor, so kamen 2013 sage und schreibe neun hinzu. In den meisten Vergleichen kamen die gegnerischen Teams also überhaupt nicht zum Torerfolg. So lange die im Winter neu formierte Defensive um Abwehrchef Aytac Sulu nichts zulässt, genügt am Samstag ein Törchen, um sich aller Sorgen zu entledigen.

5. Zwei wiedererstarkte Stürmer:
Und das traut man Preston Zimmerman oder Marcus Steegmann mittlerweile wieder zu. Erst recht gegen einen Gegner, der in 15 von 18 Auswärtsspielen immer mindestens ein Gegentor zugelassen hat. Zugegeben, über neun lange Monate hinweg war das Offensivspiel der 98er an Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Stürmertore galten als ein vom Aussterben bedrohtes Phänomen. Doch dann fanden Zimmerman und Steegmann Ende April ihr Zielwasser wieder. Der US-Amerikaner erzielte seither in drei Spielen drei Tore (einmal fehlte er gesperrt). Steegmann traf in fünf Spielen fünf Mal, wobei insbesondere sein Dreierpack vom vergangenen Wochenende Gold wert war. Jetzt heißt es also am Samstag nachlegen, bei höchstwahrscheinlich 90 (plus x) strapaziösen Minuten.

Das Stadion am Böllenfalltor und das Stadion auf der Waldau (Quelle: M.Kneifl / W.-D.Retzbach)

Wo wird in der kommenden Saison noch Drittligafußball zu sehen sein: Am Darmstädter Böllenfalltor (l.) oder auf der Stuttgarter Waldau (r.)?

Fünf Argumente, die für die Kickers sprechen:

1. Die Ausgangslage:
Das gewichtigste Argument für den Klassenerhalt der Kickers: Die Schwaben benötigen für die Rettung maximal einen Punkt bei den Hessen. Der Gastgeber muss gewinnen und hat nur einen Matchball, die Gäste haben zwei Matchbälle: Remis oder Sieg. Dass die Kickers auswärts antreten müssen, spielt keine gewichtige Rolle. In der Fremde haben die Blauen nur drei Punkte weniger als im eigenen Stadion geholt, und das bei einem Auswärtsspiel weniger und der potentiell schwierigeren Punktejagd auf fremden Plätzen. Dass die Kickers in der Auswärtstabelle auf Rang 12 stehen, ist für einen Abstiegskandidaten eine beachtliche Leistung. Sicher, das Stadion am Böllenfalltor wird gut mit Lilienfans gefüllt sein. Aber die Kickers haben in dieser Saison in Bielefeld oder Heidenheim trotz knapper Niederlagen spielerisch mehr als nur gut mitgehalten, und das bei einer ähnlich aufgeheizten Stimmung (Heidenheim! Derby!), wie sie nun in Darmstadt zu erwarten ist.  Und mit Druck können die Kickers gut umgehen: Wer drei Spieltage vor Schluss als Abstiegskandidat bei einem Aufstiegskandidaten (Münster) gewinnt, der hat auch vor dem Spiel in Darmstadt keine Angst.

2. Der Torjäger:
Gestatten: Marco Grüttner, 18 Saisontore. Wer einen solch treffsicheren und stets kämpfenden Stürmer in seinen Reihen hat, kann auch in einem entscheidenden Spiel wie in Darmstadt mindestens einen Treffer von ihm erwarten, nein: verlangen. Denn die Kickers werden umso mehr Räume bekommen, je länger Darmstadt nicht führen wird und je extremer sich die Gastgeber in der Defensive öffnen werden müssen. Außerdem will sich Grüttner mit einem Erfolgserlebnis von den Kickers verabschieden: Der 27-Jährige wechselt zur neuen Saison zur zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart. Und die Torjägerkrone hat Grüttner noch nicht aus den Augen verloren: Ihm fehlen zwei Treffer zur Spitze. Grüttner wird gegen die Lilien also alles daran setzen, nochmal zu treffen. Und nochmal. Und nochmal.

3. Der Kickers-Trainer:
Er trainierte Spieler aus mehr als 35 Nationen, er war Jugendcoach, Co- und Cheftrainer, er arbeitete in mehr als sieben verschiedenen Ländern und kann sich in acht Sprachen ausdrücken. Er war für die ghanaische Nationalmannschaft tätig, er assistierte Giovanni Trapattoni bei Bayern München, er hospitierte bei Guus Hiddink, Rafael Benitez oder Claudio Ranieri, er arbeitete für Fabio Capello oder Arrigo Sacci, er scoutete für den AC Mailand und den SSC Neapel. Jetzt ist Massimo Morales bei den Stuttgarter Kickers gelandet. „Ich glaube, dass ich Erfahrungen gesammelt habe, wie sie die wenigsten Trainer in ihrer dann zum Teil doch recht kurzen Laufbahn machen konnten“, sagt der Trainer. „In diesem Beruf ist, so denke ich, Erfahrung das Allerwichtigste. Ich glaube, dass ich dadurch schon früh einen Reifegrad als Trainer erreicht habe, um jeder Aufgabe auf hohem Niveau gewachsen zu sein.“ Also auch einem Endspiel in Darmstadt. Massimo kriegt das schon hin. Das Lilien-Spiel wird nicht die erste Reifeprüfung sein, die er besteht. Das gibt ihm die nötige Gelassenheit und Gewissheit des eigenen Könnens – eine Mentalität, die auf seine Spieler abfärbt.

4. Der Lilien-Trainer:
Na klar, mein Kumpel hat sicher Recht, wenn er behauptet, die aktuelle Besetzung des Darmstädter Trainerpostens ist ein Endspiel-Vorteil für die Lilien. Immerhin war deren Coach Dirk Schuster bis vor einem halben Jahr noch unterm Degerlocher Fernsehturm angestellt. Er behauptet, Schuster kennt die Kickers-Spieler gut und weiß, wie sie in welcher Situation reagieren. Stimmt. Einerseits. Andererseits kann dieses Argument aber auch umgedreht werden: Schuster wird allein durch seine Anwesenheit den Stuttgarter Spielern den Extra-Schub Motivation geben, der die Kickers noch angriffslustiger und bissiger machen wird als ohnehin schon. „Unserem ehemaligen Trainer zeigen wir, dass er jetzt das schlechtere Team trainiert“ – mit dieser Einstellung werden die Stuttgarter in das Endspiel gehen. Oder um es mit den Worten von Kickers-Verteidiger Patrick Auracher zu sagen: „Unser Ziel ist, Darmstadt in die 4. Liga zu schießen.“ Mitsamt dem ehemaligem Trainer.

5. Die Moral:
Der Worte sind genug gewechselt, fehlt als Argument nur noch die Moral der Gäste. Viel zu oft haben sie gegen oft starke Gegner genauso stark mitgehalten, dann aber doch verloren (Heidenheim, Bielefeld, Rostock). Davon haben die Blauen sich nicht entmutigen lassen, ebenso wenig von Durchhängern und schlechten Leistungen, die zweifelsohne auch dem farblosen Trainer Gerd Dais anzulasten sind. Vor und nach dessen Demission verloren die Kickers innerhalb von vier Tagen zwei vermeintlich entscheidende Heimspiele gegen damals direkte Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg jeweils mit 0:1, die meisten gaben danach keinen Pfifferling mehr auf die Kickers. Das war Anfang April. Nun, elf Punkte aus fünf Spielen später, haben wir Mitte Mai, und die Stuttgarter haben von vier gefährdeten Teams die besten Chancen, nicht abzusteigen. Diese Mannschaft gibt nicht auf und kämpft, bis mit dem letzten Pfiff der Saison der Klassenerhalt gesichert ist.

Der FC Bayern dominiert in diesen Tagen die Schlagzeilen mit Vehemenz. Der soeben glorreich absolvierte Champions-League-Knaller gegen den FC Barcelona wird noch für entsprechend überschwängliche Lobeshymnen sorgen. Doch die “Affäre” Hoeneß wird er nicht von den Titelseiten verdrängen können. Und zur ganz persönlichen Interpretation des Financial Fairplay durch den Vereinspräsidenten der Bayern kommt ja noch der Sensationstransfer von Mario Götze. Das belegt, beim FC Bayern herrscht nach wie vor die ganz große Gier. 

Uli Hoeneß war noch nie wirklich beliebt. Als Manager des FC Bayern war er ebenso streitbar wie erfolgreich und er legte mehr als einmal den Finger in die Wunde anderer. Siehe die Kokain-Affäre von Christoph Daum, siehe den Umgang mit der Korruptionaffäre beim Fußball-Weltverband FIFA. Dennoch hatte er in den letzten Jahren zunehmend eine gewisse Wertschätzung für sein “Lebenswerk FC Bayern” erfahren. Auch dass er ein moralisches und soziales Gewissen in sich trägt, wurde positiv zur Kenntnis genommen. Siehe die zahlreichen “Retterspiele” für finanziell angeschlagene Fußballklubs, siehe das Spenden seiner Gagen für wohltätige Zwecke, siehe die Unterstützung von Spielern, die durch Verfehlungen (Franck Ribéry) oder Schicksalsschläge (Lars Lunde) aus dem Tritt geraten waren.

In den vergangenen Jahren gerierte er sich immer wieder als ehrenwerter Kämpfer des Guten gegen das Böse. So wurde er nicht müde darauf hinzuweisen, dass der FC Bayern rechtmäßig wirtschafte und sich Spieler nur mit auf dem Festgeldkonto vorhandenem Geld leisten könne. Die Konkurrenz aus Spanien, Italien und England konnte hingegen Schulden über Schulden anhäufen und sich so die begehrtesten Spieler leisten. Dass der FC Bayern so lange keine Chance sah, im Rennen um den Champions-League-Pokal zu konkurrieren, schien den ehrgeizigen Manager und heutigen Präsidenten der Münchner schier zu zerfressen.

Financial Fairplay?
Noch vor einer Woche hatte er medienwirksam UEFA-Präsident Michel Platini aufgefordert das Financial Fairplay umzusetzen und “zwei Große aus der Champions League” rauszuschmeißen, die zum Teil “eine dreiviertel Milliarde Schulden” hätten. So berechtigt die Kritik ist, so entlarvend wirkt heute sein eigenes Gebaren. Mag er sich beruflich im Nachteil fühlen, privat parkte er dem Vernehmen nach mehrere Millionen Euro im schweizerischen Bankenparadies und “versäumte” es die fällige Kapitalertragssteuer an den deutschen Fiskus abzuführen. Auf diese Weise hat er jeglichen Anspruch als moralische Instanz aufzutreten verwirkt und macht sich immens angreifbar. Entsprechend treffend formulierte die “Süddeutsche” gestern “Vorbild a.D.”.

Spanische Verhältnisse?
Noch irritierender erscheinen am heutigen Tag seine Gedanken von vergangener Woche. Da äußerte sich Hoeneß gegenüber dem “kicker” zur Dominanz der Dortmunder und Bayern in der Bundesliga. Er befürchte “spanische Verhältnisse” mit lediglich zwei Spitzenteams, die die Meisterschaft unter sich ausmachen würden. Der Rest sei abgehängt. Er schlussfolgerte: “Das kann uns nicht recht sein.” Dabei kündigte er an, zusammen mit “Dauerrivale” Borussia Dortmund Lösungsvorschläge zu erarbeiten, wie es nicht so weit kommen könne. Mit der bekannt gegebenen Verpflichtung von Mario Götze muss diese Äußerung wie blanker Hohn klingen. Man muss vielmehr Jürgen Klopp recht geben, der schottische Verhältnisse befürchtet. Dort kommt mittlerweile nur noch Celtic Glasgow für den Meistertitel infrage. Vermutlich wird er bereits gewusst haben, dass Topspieler Götze nach München wechselt als er sagte: “Schön, dass man uns mit ins Boot nimmt. Spätestens am Anfang der nächsten Saison, wenn der Kader von Bayern München bekanntgegeben wird, wird man feststellen, dass der Vergleich nicht passt.” Und er passt wirklich nicht. Seit 1997 hat Bayern zehn Meistertitel gewonnen. Außer in den vergangenen beiden Jahren, als die Dortmunder die Bayern mit erfrischendem Fußball überrumpeln konnten, hat Bayern in mindestens jedem zweiten Jahr den Titel errungen.

Bayerische Fakten!
Und heuer? Die Bayern jagen in der Bundesliga einen Rekord nach dem anderen. Sie haben ein Team, das ungeheuer fokussiert auftritt und spielerisch unglaublich dominiert. Der Kader passt zusammen wie der berühmte Arsch auf den Eimer. In der gesamten Saison haben sie von nunmehr 46 Partien erst drei (BATE Borisov, Bayer Leverkusen, Arsenal London) verloren. 18 Spiele gewannen sie mit drei oder mehr Treffern Differenz. Torbilanz: 132:25! Heute Abend eliminierten sie den FC Barcelona mit 4:0! Den FC Barcelona! DAS bestimmende und stilprägende Team der vergangenen Jahre. Was soll da bitte schön noch kommen? Ganz einfach: Pep Guardiola und Mario Götze! Der meist gewollte Trainer der Welt und der begehrteste Spieler der Bundesliga. Das ist nicht nur eine Kampfansage an die europäische Konkurrenz. Es ist allen voran ein deprimierender Tag für die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga und erst recht für Borussia Dortmund. Während es sich Bayern seit Jahren leisten kann, die Topstars der Bundesliga an Land zu ziehen (Gomez, Neuer und jetzt Götze), verliert Dortmund in schöner Regelmäßigkeit herausragende Spieler (Sahin 2011, Kagawa 2012, Götze 2013 Lewandowski 201?). Dass es in dieser Richtung weitergehen würde, konnte jeder am Wochenende hören, als Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer in einem Interview sagte, solange er Manager bei den Bayern sei, wolle er immer erfolgreich sein. Deshalb könne Hoeneß seine Lösungsvorschläge zum gesunden Wettbewerb in der Liga gerne umsetzen, aber nicht solange er seinen Poste inne habe.

So machen die Ereignisse dieser Woche vor allem eins klar: Die Bayern sind und bleiben gierig. Hoeneß ohnehin, der dem Klub dieses Denken eingeimpft hat wie kein Zweiter und der mit Sammer einen Bruder im Geiste auf den Managersessel gehievt hat. “Mia san mia” eben. Oder vielmehr “Mia san Gier”.

Der kommende Doppelspieltag läutet die zweite Hälfte der WM-Qualifikation in Europa ein. Eine Mannschaft, die sich anschickt die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen ist die belgische. Punktgleich mit Kroatien führen die “Roten Teufel” die Gruppe A an. Der Abstand zum Drittplatzierten Serbien beträgt bereits passable sechs Punkte. Am Freitag und Dienstag müssen die Belgier gegen die Auswahl Mazedoniens ran. Zwei Siege und eines der verheißungsvollsten europäischen Nationalteams käme der WM-Endrunde in Brasilien einen großen Schritt näher. Der ersten für den Beneluxstaat seit 2002.

Atlético Madrid, Manchester City, Zenit St. Petersburg, Chelsea FC, Ajax Amsterdam, Tottenham Hotspur, Bayern München, Arsenal FC, Everton FC. Die Vereine der belgischen Nationalspieler lesen sich wie das Who is Who des europäischen Klubfußballs. Und die allermeisten Kicker spielen in ihren Teams tatsächlich eine bedeutsame Rolle. Nicht die schlechteste Voraussetzung, um sich endlich einmal wieder für eine WM zu qualifizieren. Da das Gros der belgischen Auswahlspieler zwischen 19 und 25 Jahren jung ist, darf sich Belgien auf Jahre hinaus über eine schlagkräftige Nationalelf freuen. Mit dem Trainer der Auswahl, der Schalker Legende Marc Wilmots, scheint der richtige Coach am Ruder zu sein, um seinen Hochbegabten das richtige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, stand er doch schon als Spieler für Geradlinigkeit und Leidenschaft, Disziplin und Willen.

Belgische Talente wagen früh den Schritt ins Ausland
Ein Blick auf den belgischen Kader bringt einen unweigerlich zu der Erkenntnis, dass der Fußballgott in den vergangenen Jahren Belgien bei der Verteilung außergewöhnlicher Talente überaus großzügig bedacht hat. Doch auch der Verband hat einiges investiert, um endlich wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Die verbesserte Jugendförderung zahlt sich langsam aus. Darüber hinaus wagten viele der aktuellen Nationalspieler bereits als Jugendliche den Schritt ins benachbarte Ausland. Jan Vertonghen (25) und Thomas Vermaelen (27) wechselten als 18-jährige in die Kaderschmiede von Ajax Amsterdam. Toby Alderweireld (24) ging diesen Weg bereits als 15-jähriger. Eden Hazard (22) und Kevin Mirallas (25) wechselten im Alter von 14 bzw. 16 Jahren zum französischen Erstligisten OSC Lille. Selbst, wenn sie dem Juniorenalter bereits entwachsen waren, landeten viele Nationalspieler mit 19 oder 20 in großen Ligen. Marouane Fellaini (25) ging 2008 mit 20 zu Everton und wuchs dort rasch zur Identifikationsfigur der Fans heran. Christian Benteke (22) landete im vergangenen Sommer mit 21 bei Aston Villa und gilt ein Dreivierteljahr später aufgrund seiner zuverlässigen Trefferquote bereits als Lebensversicherung des abstiegsgefährdeten Klubs. Vor allem der Chelsea FC scheint ein Faible für junge belgische Talente zu haben. Hazard wechselte im vergangenen Sommer mit 21 Jahren als bereits gestandener Profi zum Londoner Verein. Romelo Lukaku (19) kam 2011 mit 18 zu Chelsea, ist derzeit allerdings an Ligakonkurrent West Bromwich Albion ausgeliehen. Kevin de Bruyne (21) besitzt seit er 20 ist ein Arbeitspapier bei den Londonern, spielt derzeit aber leihweise bei Werder Bremen. Ebenfalls anderswo sammelt Belgiens Nationaltorhüter Thibaut Courtois Spielpraxis. Der gerade einmal 20-jährige Ausnahmekeeper wurde von Chelsea direkt nach seiner Verpflichtung vor zwei Jahren bei Atlético Madrid “geparkt”, mit denen er prompt die Europa League gewann.

Exportschlager in der Premier League
Auch andere englische Klubs haben offenkundig Gefallen an Gastarbeitern aus Belgien gefunden. Eingangs erwähnte Vertonghen und Vermaelen hat es mittlerweile von Ajax zu Tottenham, bzw. Arsenal verschlagen. Vicent Kompany führte Manchester City im vergangenen Sommer als 25-jähriger Kapitän zur ersten Meisterschaft nach 45 Jahren. Mirallas hat sich Fellaini bei Everton angeschlossen und Moussa Dembélé (25) agiert neben Vertonghen beim aufstrebendem Tottenham. Fakt ist, Belgien verfügt mittlerweile über ein starkes 12-köpfiges Kontingent in der Premier League. Abgesehen von traditionell zahlreich vertretenen Schotten, Iren und Walisern entsenden lediglich Frankreich, Spanien, Brasilien und die Niederlande mehr Spieler in die Premier League. Insbesondere Hazard, Benteke, Fellaini und Lukaku machten in dieser Saison nachhaltig auf sich aufmerksam. Die vier Nationalspieler waren bis dato an 70 Toren beteiligt.

Stammkräfte in der bisherigen Quali
Axel Witsel (24) spielt zwar bei keinem englischen Topklub, er ließ im vergangenen Sommer dennoch europaweit aufhorchen. Auf den letzten Drücker löste ihn Zenit St. Petersburg für kolportierte 40 Millionen Euro bei Benfica Lissabon aus. Der 24-jährige Mittelfeldakteur gehört zu den absoluten Fixpunkten im belgischen Spiel und fehlte in den bisherigen vier Qualispielen keine Minute. Weitere Stammspieler waren in der Qualifikation der derzeit verletzte Kompany, Vertonghen und Vermaelen in der Abwehr sowie Courtois im Tor. Dieser kompakte Defensivverbund, der noch von Dembélé und eben Witsel im Mittelfeld unterstützt wird, ließ in vier Qualispielen erst ein Gegentor zu. Vorne zählen Hazard, Benteke und der Topvorbereiter der niederländischen Eredivisie Dries Mertens (25, PSV Eindhoven) zu den bevorzugten Spielern von Wilmots. Zuletzt stürmte auch Nacer Chadli (23, Twente Enschede) gegen Serbien und Schottland über die volle Distanz. Mit Spielern wie Fellaini oder Lukaku in der Hinterhand, die bisher nicht wie erwartet zum Zuge kamen, verfügt Belgien inzwischen über zahlreiche Optionen, die den meisten europäischen Kontrahenten Rätsel aufgeben können. Zudem ist der Kader in jedem Mannschaftsteil gleichmäßig stark besetzt. Kein Wunder, dass bei so viel Potential die alten Haudegen und Bundesliga-Profis Daniel van Buyten (Bayern Müchen) und Timmy Simmons (1. FC Nürnberg) nur noch auf der Bank sitzen.

Spielphilosophie und -system
Bei so viel Qualität im Kader erscheint es logisch, dass Nationalcoach Wilmots eine eigene Spielphilosophie verfolgt. Gegenüber fifa.com sprach er im vergangenen Herbst davon, dass “wir unser Spiel durchsetzen” wollen. Seine Spieler sollen keine Angst haben und sich “nicht kleiner als unser Gegner fühlen”. Er spricht davon ein gutes Spiel aufzuziehen, in Bewegung zu sein, Torchancen zu kreieren, ohne dabei naiv zu sein. Diese Marschroute und seine Art kamen beim Team offensichtlich derart gut an, dass sich die Mannschaft im Juni 2012 wünschte, er solle nach einer kurzen Interimsphase vollständig die Verantwortung für die Nationalelf tragen. Dass er – nach eigenem Bekunden – im attraktiven 4-3-3 spielen lässt, macht er am Spielermaterial fest, das ihm zur Verfügung steht. Er wolle seine Spieler in kein Korsett zwängen, sondern sie dort einsetzen, wo sie sich am wohlsten fühlen und dieselben taktischen Vorgaben erfüllen, wie in ihrem Klub. Die bisherigen Qualispiele zeigen, dass er auswärts vom 4-3-3 abrückt und vielmehr eine zentrale Sturmspitze aufbietet, hinter der ein Fünfermittelfeld mit drei eher offensiv ausgerichteten Spielern und zwei Sechsern agiert.

A Bresil? – Na Brazilië?
Was der jungen belgischen Auswahl noch abgeht, ist die Erfahrung und vielleicht auch die Fokussiertheit und Gier. Zumindest die letzten beiden Eigenschaften dürfte Wilmots seinen Jungs zur Genüge einimpfen. Sollte das belgische Team nicht nur gegen Mazedonien sondern auch im Frühjahr gegen Serbien und Schottland fokussiert und gierig bleiben, dann sind sie auf ihrem Weg nach Brasilien höchstwahrscheinlich nicht aufzuhalten.

Eine Ahnung vom bisherigen Auftreten der jungen belgischen Elf geben die Highlights aus den Spielen gegen Serbien …

… und Schottland

Wenn heute Abend der FC Bayern die Borussia aus Dortmund zum Pokalkracher empfängt, wird Emre Can aller Voraussicht nach auf der Tribüne Platz nehmen. Der 19-jährige Jungprofi verfügt über grandiose Anlagen, allerdings ist im Starensemble der Bayern (noch) kein Durchkommen für den Mittelfeldakteur, der die deutsche U17-Auswahl 2011 bei der WM in Mexiko als Kapitän ins Halbfinale führte. Der bisherige Leistungsnachweis seiner ersten Profisaison – zwei Einsätze im DFB-Pokal – belegt den steinigen Weg vom Bayern-Talent zum vollwertigen Profi.

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Im vergangenen Sommer erschütterte ein Erdbeben den schottischen Fußball. Rekordmeister Glasgow Rangers hatte finanziell so lange über seine Verhältnisse gelebt, dass er die bittere Strafversetzung in die Viertklassigkeit antreten musste. Das seit 1986 andauernde Duell mit dem Stadtrivalen Celtic um den schottischen Meistertitel war damit schlagartig beendet. Mittlerweile sind in der Scottish Premier League 26 Spieltage im Jahr 1 nach den Rangers gespielt. Wie stellt sich die Situation dar?

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Seit kurzem bereichert der Frankfurter Christian Hahn (37) mit seiner Homepage platzbesichtigung.de das weltweite Netz. Seine über 300 Panoramabilder aus 15 Ländern zeigen Hochglanzarenen neben Waldsportplätzen, heruntergekommene Stadien neben schon fast spießigen Sportanlagen. Sein Stilmittel ist es, die Panorama-Bilder deutlich erkennbar aus einzelnen Aufnahmen zusammenzufügen. Was steckt hinter dem Bildprojekt des Eintracht-Fans?

Christian, wie kommt man darauf Fußballplätze beziehungsweise -stadien in Gouda, Istanbul, Fränkisch Crumbach, Berlin, Békéscsaba oder Manchester zu fotografieren?
Christian:
Den Anstoß hierzu gab 2002 ein Stadionbesuch im Old Trafford. Ich studierte in Manchester und ich empfand das Stadion als unglaublich groß. Da ich auch meiner Freundin einen Eindruck von der schieren Dimension vermitteln wollte, habe ich es mit meiner Pocketkamera in mehreren Bildern aufnehmen müssen. Danach habe ich sie aneinandergefügt und seitdem hat mich die Faszination nicht mehr losgelassen.

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Der Auftakt zur “Platzbesichtigung”: Das Old Trafford im Jahre 2002

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Die aktuelle Tabelle der 3. Liga liest sich für alle Fans, die es mit dem altehrwürdigen SV Darmstadt 98 halten, ernüchternd. Die Lilien rangieren mit kümmerlichen 16 Punkten aus 21 Partien ganz am Ende. Damit stellt der SV 98 derzeit das schlechteste Profiteam der Republik. Der Rückstand auf das rettende Ufer beträgt vor der zweiten Saisonhälfte sechs Punkte, immerhin haben die Lilien aber noch zwei Nachholspiele in der Hinterhand. Ab morgen rollt für die 98er wieder der Ball, der Gegner ist Wacker Burghausen. Was bisher war, und was besser werden muss, zeigt eine kleine Zahlenkunde zur Lilien-Saison:

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