Dass Tschechien bei dieser EURO eine Wundertüte sein würde, schwante mir schon im Mai beim Öffnen einer Panini-Sammeltüte. Da schmunzelte mich doch Theodor Gebre Selassie an, der mir vollkommen unbekannt war. Ich hatte bis dahin angenommen, dieser Name sei für Langstreckenläufer reserviert, doch nun erfuhr ich, dass es sogar einen dunkelhäutigen tschechischen Fußballer gab, der es ganz offensichtlich drauf haben musste.

Das hieß nun also, ich musste mich erst einmal ein wenig mit dem jungen Mann befassen. Gebre Selassie reiste demnach mit der Empfehlung des tschechischen Meistertitels zur Europameisterschaft. Als Rechtsverteidiger von Slovan Liberec war er in der vergangenen Spielzeit an elf Treffern (fünf Tore, sechs Vorlagen) beteiligt, was zeigt, dass er sich nicht nur auf seine Defensivaufgaben konzentriert, sondern auch offensive Qualitäten mitbringt. Wie um es der ganzen Welt zu beweisen, lieferte er beim zweiten EM-Spiel die mustergültige Vorlage zum zwischenzeitlichen 2:0 durch Vaclav Pilar. Zuvor hatte er seinen griechischen Gegenspieler überlaufen. Da waren sie also doch, die läuferischen Fähigkeiten, wie es sich für einen Mann mit einem solch schillernden Namen gehört.

Vater Äthiopier, Mutter Tschechin
Für den Namen ist natürlich sein Vater verantwortlich. Der stammt aus Äthiopien und kam als angehender Arzt in die damals noch kommunistische Tschechoslowakei. Durchaus kein seltener Umstand, hing das ostafrikanische Land doch den gleichen Idealen nach, wie die Führung in Prag. Nachdem sich sein Vater in eine tschechische Lehrerin verliebt hatte, kam der heutige Nationalspieler an Heiligabend 1986 im mährischen Trebic auf die Welt. Aufgrund seiner Hautfarbe fiel Gebre Selassie natürlich auf und hatte dem Vernehmen nach im tschechischen Fußball nicht immer Grund zur Freude. Die rassistischen Anfeindungen hätten jedoch im Laufe der Jahre abgenommen.

Schwerer Stand in Tschechien
Dennoch entfachte sein erstes Länderspiel im Juni 2011 nochmals eine gesellschaftliche Debatte, was davon zu halten sei, dass ein dunkelhäutiger Spieler die Farben Tschechiens vertrete. Leicht entnervt gab Gebre Selassie zu Protokoll, dass es schon merkwürdig sei, dass das mächtigste Land der Erde von einem schwarzen Präsidenten geführt werde, es aber Diskussionen gebe, wenn er für die tschechische Nationalmannschaft antrete. Und das, obwohl er in Tschechien geboren sei und in seinem ganzen Leben erst einmal Äthiopien besucht habe.

Über Polen nach Bremen?
Mittlerweile hat sich Gebre Selassie im Nationalteam etabliert. Im ersten EM-Spiel gegen Russland holte ihn jedoch seine Vergangenheit ein, als ihn russische Fans beleidigten. Er ertrug dies ohne erkennbare Regungen, sagte aber nach dem Spiel, dass er nicht als der Spieler in Erinnerung bleiben wolle, der ausgebuht worden sei. Er wolle vielmehr durch seine Leistungen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. War er schon gegen Russland einer der Lichtblicke im tschechischen Spiel, so steigerte er sich nochmals gegen Griechenland. Bestätigt er heute Abend diese Eindrücke gegen Polen, dann dürfte das Interesse ausländischer Klubs weiter steigen. Laut “kicker” hat Werder Bremen schon ein Auge auf ihn geworfen.

Panini-Sammelbild von Theodor Gebre Selassie (Foto: M.Kneifl)

Der erste Kontakt: Panini-Sammelbild von Gebre Selassie

Europa wird bunter
War es vor 15 Jahren noch üblich, dass hauptsächlich die Niederlande, England und Frankreich sowie vereinzelt die skandinavischen Länder dunkelhäutige Spieler aufboten, so hat sich dies mittlerweile geändert. Mit Tschechien haben zehn Teilnehmerländer bei dieser Euro mindestens einen solchen Spieler in ihrer Auswahl. Selbst Italien, Deutschland und eben Tschechien verfügen mittlerweile über dunkelhäutige Nationalspieler, die in diesen Ländern geboren sind. Andere Länder, wie Kroatien, verstärken ihren Kader mit einem Brasilianer und sorgen auf diese Weise für “Farbtupfer” in ihrem Aufgebot. Gleiches hatten bereits die Türkei (Mehmet Aurelio) und Spanien (Marcos Senna) bei der letzten EURO praktiziert.

… (noch) nicht in Osteuropa
Vor allem in osteuropäischen Mannschaften wie Russland, der Ukraine und Polen fehlen Nationalspieler afrikanischer Abstammung. Sie dürften dort wohl auch nicht überall willkommen sein, wie das Verhalten der Fans gegenüber dunkelhäutigen Spielern bei der EURO andeutet. Mit dem gebürtigen Nigerianer Emmanuel Olisadebe verfügte Polen immerhin Anfang des vergangenen Jahrzehnts über einen solchen Spieler. Russland hätte mit Peter Odemwingie womöglich sogar einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs rekrutieren können. Der im usbekischen Taschkent geborene Sohn eines Nigerianers und einer Russin, der mittlerweile für West Bromwich Albion spielt, optierte jedoch schon vor Jahren für das Land seines Vaters.

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Kommentare
  1. Thomas Ehlers sagt:

    “Farbig” und erst recht “Farbtupfer” ist superrassistisch. Informier dich mal.

  2. marwin sagt:

    Nett geschrieben und man merkt dir dein Wohlwollen an, aber genau durch deine Unsicherheit klingen einige Stellen einfach doof. Wie oben schon kommentiert. Auch die Bildunterschrift “Der erste Kontakt…” – mit dem Außerirdischen? – muss auch nicht sein.
    Auch die beiden Sätze mit der Formulierung, dass Dt, Italien und Tschechien über dunkelhäutige ‘verfügen’ und Kroation sich mit einem ‘Brasilianer’ verstärken.
    Man der Artikel beginnt so nett und informativ. Schreib doch lieber, dass es über die Jahre auch schon anderen Spielern in diversen Nationalteams so erging wie Gebre Selassie. So in der Art.

    gruß

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