Matthias (Quelle: privat)

Rotebrauseblogger Matthias (Quelle: privat)

Matthias (41) ist Blogger und ich meine ein wirklich guter. Seit nunmehr fünf Jahren bespielt er das Internet mit seinen Ansichten und Fakten zu einem – nun ja – speziellen Verein: RB Leipzig! An keinem anderen Klub arbeitet sich die aktive Fanszene derart ab. Vor der anstehenden Partie der Lilien in Leipzig spreche ich mit Matthias über seinen Bezug zu RB, seine Erfahrungen mit Darmstadt und natürlich wer am Freitagabend gewinnt.

Matthias, wie wird man eigentlich Fan von RB?
Matthias:
Ich stamme ursprünglich aus Cottbus und habe als Kind und Jugendlicher natürlich Energie unterstützt. Aus verschiedenen Gründen und aufgrund meines Wegzugs hat es dann nicht mehr gepasst. Später hat es mich nach Leipzig verschlagen und ich bin ab und zu zum FC Sachsen gegangen. Nach der Insolvenz des Vereins fand ich RB interessant und spannend. Mit dem Aufstieg in die Regionalliga bin ich dann Schritt für Schritt reingewachsen und unterstütze den Verein seither.

Wie setzt sich die Fanszene in Leipzig zusammen?
Matthias:
Puh, das ist nicht ganz so pauschal zu beantworten. Es ist ein extrem buntes Gemisch. Sicher sind hier viele Zugezogene zu finden, die keine fußballerische Heimat hatten. Dann gibt es ehemalige Fans von Lok und dem FC Sachsen, aber natürlich nicht solche, die dort früher die Hardcore-Fans waren. Natürlich gibt es auch das klassische Erfolgspublikum. Generell ist die Szene gewachsen. Früher kamen 1.000 Leute in den Fanblock und 100 davon haben Stimmung gemacht. Jetzt ist er immer gut gefüllt, der Kern ist größer geworden.

Du warst am Montag in Kaiserslautern. Besuchst Du alle Auswärtsspiele?
Matthias:
Bis jetzt ist es mir in dieser Saison tatsächlich gelungen, alle Auswärtspartien mitzunehmen. Das Abendspiel in Lautern war wirklich beeindruckend. Bei dem Stadion scheinen die Tribünen in den Himmel zu wachsen.

Du betreibst Deinen Blog www.rotebrauseblogger.de äußerst ambitioniert. Wie ist die Resonanz?
Matthias: Ich denke, ich habe mich in Leipzig mit meinem Blog gut positioniert. Wer Informationen zu Fußball und Leipzig sucht, der stolpert über meine Seite. Inzwischen habe ich eine recht verlässliche und bunte Stammleserschaft im vierstelligen Bereich. Anfeindungen und Kritik wie sie RB entgegenschlagen, gab es mir gegenüber bislang so gut wie nicht.

Screenshot der Einstiegsseite www.rotebrauseblogger.de

Screenshot der Einstiegsseite des Blogs über RB Leipzig

Verfügst Du über Kontakte zum Verein?
Matthias:
Das werde ich oft gefragt. Ich nehme an den Pressekonferenzen teil und kann auf Anfrage auch ein-, zweimal im Jahr ein Interview mit einem Spieler führen, mehr aber auch nicht.

Du schreibst ausschließlich über RB, wie positionierst Du dich zum Verein?
Matthias:
(überlegt) Ich erlaube mir das zu sagen, was ich denke. Kritik äußere ich da, wo sie mir angebracht erscheint. Mein Anspruch ist es aber eine fundierte Kritik zu üben. Ich würde mich also als empathischen Kritiker bezeichnen.

Wie bewertest Du den Umgang des Vereins mit Fans wie Dir. Seid ihr schmückendes Beiwerk oder werdet ihr ernst genommen?
Matthias:
Kommt sicherlich darauf an, wen Du fragst. Die aktivere Fanszene würde sicherlich gern ein wenig ernster genommen werden. Sie steht mit dem Verein auch mal quer, wie bei einer vom Klub wegen Kokainanspielungen verbotenen Choreo beim letzten Heimspiel gegen euch. Schmückendes Beiwerk wäre etwas zu extrem gesagt, auch wenn man von Vereinsseite gute Bilder von vollen Fanblöcken gerne mitnimmt. Grundsätzlich gibt es für Fans über Fanklubs oder den Fanverband jederzeit die Möglichkeit in ureigenen Fanangelegenheiten Einspruch zu erheben, auf den Verein einzuwirken oder ihre Interessen einzubringen. Das reicht dem allergrößten Teil der Anhänger als Gestaltungs- und Mitsprachemöglichkeit. Das Fehlen von Mitgliedermitbestimmung wird insofern meist nicht als Makel wahrgenommen.

Schaltest Du bei der ganzen Kritik an RB nur noch auf Durchzug oder versuchst Du dich und den Verein immer wieder zu erklären?
Matthias:
Ich tue dies immer mal wieder, aber das Thema begleitet RB ja schon seit der Regionalliga. Da es mit der Zeit mühselig wird, reagiere ich nicht auf jeden Anwurf. Ich nehme die Debatten und Diskussionen in all ihren Facetten aber sehr wohl wahr, da ich für meinen Blog intensive Presse- und Onlinerecherche betreibe. Ich stelle dabei immer wieder fest, dass die Diskussion auf ganz unterschiedlichen Ebenen stattfindet. Man redet schnell aneinander vorbei und so ist es schwierig eine gemeinsame Diskussionsebene zu finden.

Wie schätzt Du die Haltung der Lilienfans ein?
Matthias:
Ich meine, dass Darmstadt noch mal speziell ist. Die Fans empfinde ich dabei nicht als extremer oder krasser als andere. Von außen habe ich den Eindruck, dass Fans, Verein und auch die Medienlandschaft vor Ort einen engen Schulterschluss in ihrer Haltung zu RB üben. Das mag vielleicht mit der Größe der Stadt zusammenhängen, denn die Wege sind sehr kurz, wie ich bei euch bemerkt habe.

Du warst also in der Stadt unterwegs?
Matthias: Ich war bereits bei unserem Drittligaspiel 2013 drei bis vier Stunden vor Anpfiff da und habe mir die Stadt ein wenig angeschaut. Sie hat mir ganz gut gefallen. Sie ist kompakt und hat ein paar nette Ecken. Das Stadion hat dann natürlich nochmal sein besonderes Flair.

Dennoch war Dein zweiter Besuch am Bölle nicht so erfreulich, wie Du damals geschrieben hattest.
Matthias: Die Zugangstore zu unserem Block waren verriegelt und die Wellenbrecher eingeschmiert. Das war mir persönlich dann schon eine Schublade zu tief. Im eigenen Stadion kann man sicherlich vieles machen, wie zum Beispiel eure Rote-Karte-Aktion beim selben Spiel. Ob ich diese Kreativität gut oder schlecht finde, spielt dann keine Rolle. Aber man sollte nicht auf das Niveau von Sachbeschädigungen oder direkten Aktionen gegen andere Besucher bzw. deren Eigentum herunterfallen.

Am Ende des damaligen Spiels nahm die Polizei sogar einen RB-Fan in Gewahrsam. Was war da los?
Matthias:
Ich habe das persönlich gar nicht mitbekommen. Es gab aber zwei kleine Gruppierungen, mit je fünf bis sechs Fans, die eine Zeit lang meinten, sie müssten sich zum Löffel machen. Im Moment würde ich sagen, dass sich das schon wieder verlaufen hat.

Du kanntest die Lilien schon von der vergangenen Saison. Hättest Du ihnen solche eine Zweitligasaison zugetraut?
Matthias:
Nie und nimmer. Ich hatte sie – wie wahrscheinlich viele sogenannte Experten – auf dem letzten Platz gesehen. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mit ihrer Idee des physischen Fußballs in der nochmal physischeren 2. Bundesliga Erfolg haben würden. Für Außenstehende sind die Spiele nicht gerade schön anzuschauen. Es ist eine Mannschaft, die andere Teams extrem nerven kann. Das hat man auch am Wochenende gegen Heidenheim gesehen, als Marcel Heller von seinem Gegenspieler ziemlich angeschnauzt wurde.

Was erwartest Du von dem anstehenden Duell?
Matthias:
Einen Abnutzungskampf! Es wird der gewinnen, der in den Zweikämpfen besser zurecht kommt. Ich erwarte, dass Darmstadt tief steht. Dabei muss Leipzig aufpassen keinen Konter oder Standard zu kassieren.

Wer gewinnt dieses Mal 1:0?
Matthias: Meine Tendenz ist pro Leipzig. Da müsste was gehen. Schwer wiegt natürlich die Sperre für Emil Forsberg. Er war in der Offensive zuletzt unser zentrales Element. Er hat das Mittelfeld mit dem Sturm verbunden.

Wird RB noch der Endspurt-Aufsteiger?
 Ich sag seit Wochen und Monaten, nö. Ich finde, dass es nicht passt mit so einer Saison aufzusteigen. Es gab den Trainerwechsel, wir waren in vielen Auswärtsspielen mau. Im Gegensatz zum letzten Jahr gibt es keine Aufstiegseuphorie, die im Laufe der Saison gewachsen wäre. Wenn RB allerdings gegen Darmstadt gewinnt, dann könnte sich das Ganze noch zu einem Lauf entwickeln.

Matthias, vielen Dank für das interessante Gespräch. Dir weiterhin alles Gute für Deinen Blog, wobei ich natürlich hoffe, dass sich RB mit seinem Lauf noch ein wenig Zeit lässt.

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Hanno Behrens (Quelle: kickschuh.wordpress.com)

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Matthias Hangst (Quelle: www.matthiashangst.com)

Matthias Hangst (Quelle: http://www.matthiashangst.com)

Er hat das aktuelle Sportfoto des Jahres geschossen. Er hat im Sommer in Brasilien sein sechstes großes Fußballturnier fotografiert. Er ist einer von nur acht festangestellten deutschen Sportfotografen bei Getty Images. Sein Rekord liegt bei rund 150 abgelichteten Fußballspielen und 80.000 zurückgelegten Kilometern im Jahr. Der Karlsruher Matthias Hangst (36) hat viel zu erzählen.

Matthias, wie viel Prozent Deiner Tätigkeit entfallen auf die Fußballfotografie?
Matthias: So um die 80 Prozent sind es bestimmt.

Wie lautet Deine klassische Aufgabe bei einem Fußballspiel?
Matthias:
Da gibt es mehrere. Zum einen natürlich das Spiel als klassischer Sportfotograf zu dokumentieren. Dann Emotionen einzufangen: Jubel, Tore, Enttäuschungen. Bei einer Partie Spielszenen vor bestimmten Werbebanden zu fotografieren gehört ebenfalls dazu. Und manchmal geht es schlicht darum, meine eigene Bildsprache zur Geltung zu bringen.

Muss man eigentlich ein Fan sein, um Sportfotograf zu werden?
Matthias:
Ich bin kein Fußballfan, obwohl ich mittlerweile mehr Spiele gesehen haben dürfte, als so mancher Berater. Wer seinen Job richtig gut machen will, der darf bei der Arbeit kein Fan sein. Ein Sportfotograf sollte aber eine Grundbegeisterung für den sportlichen Wettkampf mitbringen. Es macht den Job zudem unglaublich viel leichter, wenn man selbst Sport auf einem gewissen Niveau betrieben hat. Ich bin früher bei Deutschen Jugendmeisterschaften im Mittelstreckenlauf angetreten und habe bis zur Oberliga Handball gespielt. Diese Erfahrung hilft mir beim Fotografieren.

Du fotografierst international. Gibt es Städte oder Länder, in denen Du gerne arbeitest?
Matthias:
Ich finde den englischen Fußball und englische Stadien attraktiv und begeisternd. Es gibt dort viele Vereine, die noch über einen Tick mehr Fußballkultur verfügen, als beispielsweise in Deutschland. Den Rest des Beitrags lesen »

2014: Ein Jahr im Zeichen der Lilie!

Veröffentlicht: 21. Dezember 2014 in SV Darmstadt 98
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Lilienfahne_250pxWas der SV Darmstadt 98 im zurückliegenden Kalenderjahr abgeliefert hat, mutet reichlich surreal an. Eine “Mannschaft von Absteigern” (Aytac Sulu) biss sich im ersten Halbjahr in der Spitzengruppe der 3. Liga fest. Mutierte im wahnwitzigen Relegationsduell gegen Bielefeld zu “Bekloppten und Verrückten” (Marco Sailer), bevor sie getreu dem Motto “Mentalität schlägt Qualität” (Dirk Schuster) eine tadellose erste Halbserie in Liga 2 folgen ließ. Ein Hommage an einen Klub und sein fantastisches Jahr 2014: Den Rest des Beitrags lesen »