Christan Pander: Das beeindruckende Comeback der Brandfackel

Wohl kaum ein Bundesliga-Profi trägt eine ähnlich lange Krankenakte mit sich herum wie Christian Pander. Aufgrund seiner zahlreichen Verletzungen fügte der heute 28-jährige seinem Bundesligadebüt am 6. August 2004 bislang nur 93 weitere Bundesligaspiele hinzu. Selbst sein 21-jähriger Klubkamerad Konstantin Rausch hat bereits mehr Einsätze vorzuweisen. Doch es geht bergauf. Nachdem Pander im Sommer von Schalke 04 zu Hannover 96 wechselte, absolvierte er 25 Partien für die Niedersachsen.

Die Karriere des jungen Linksverteidigers begann im Sommer 2004 im Eilzugtempo. Pander fiel bei Schalke 04 vor allem durch seine gefährlichen Flankenläufe und Standardsituationen auf, die sein damaliger Trainer Ralf Rangnick mit Brandfackeln verglich, da sie ebenso präzise geschlagen waren, wie für den Gegner verheerend. Nach nur 14 Bundesligapartien erhielt der damals 21-jährige im Winter 2004 die Einladung zur Asienreise der Nationalmannschaft. Wie um sein zukünftiges Schicksal vorwegzunehmen, musste er allerdings aufgrund einer Muskelverletzung passen. Viel schlimmer sollte es ihn jedoch im April 2005 erwischen. Beim Auswärtsspiel in Stuttgart rissen Kreuz- und Innenband in seinem linken Knie. Aufgrund von Komplikationen musste er mehrere Operationen über sich ergehen lassen, bevor er Ende 2006 nach rund 19 Monaten endlich in die Bundesliga zurückkehrte.

Pander kämpft sich zurück und debütiert in der Nationalelf
Und Pander kämpfte sich eindrucksvoll zurück. In den 16 Spielen, die er in der Saison 2006/07 noch absolvierte, agierte er 15-mal von Beginn an. Dass Pander von seiner alten Klasse nichts eingebüßt hatte, bewies die erneute Einladung zur Nationalelf. Mit zweieinhalbjähriger Verspätung debütierte er am 22. August 2007 im DFB-Dress beim Klassiker in England. Seine überzeugende Leistung krönte er mit einem satten Distanzschuss zum 2:1-Siegtreffer. Dank dieses Auftritts hatte er sich einen Startplatz für das kommende EM-Qualifikationsspiel in Wales gesichert, das 2:0 gewonnen wurde. Sogar Real Madrid soll zu jener Zeit vorgefühlt haben, wie es um einen Wechsel des gebürtigen Münsteraners bestellt sei. Pander schien also endgültig durchzustarten, doch erneut stoppte ihn sein linkes Knie. Dieses Mal mit einem Innenbandanriss. Er kam zwar am Ende der Saison wieder auf die Beine und absolvierte noch acht Spiele, für die Euro 2008 war der Zug jedoch längst abgefahren.

Zum zweiten Mal verpasst Pander eine komplette Saison
Auch die Saison 2008/09 pflasterten Verletzungen (u.a. Wade, Knie), dennoch kam er wettbewerbsübergreifend auf 23 Einsätze für Schalke. In der Vorbereitung zur Saison 2009/10 spielte ihm das Schicksal erneut übel mit. Das Innenband in seinem linken Knie riss dieses Mal aus. Dies hatte zur Folge, dass er nach 2005/06 zum zweiten Mal eine komplette Saison verpasste. Immerhin machten ihm die Kniespezialisten Hoffnung durch die Entfernung einer Verknöcherung am Innenband der leidigen Kniemalaise ein Ende zu bereiten. Am 4. Dezember 2010 kehrte das Stehaufmännchen tatsächlich wieder auf den Platz zurück. Doch nach nur drei weiteren Spielen zog er sich eine Zehenverletzung zu, die einen Schlussstrich unter sein königsblaues Kapitel zog. In sieben Spielzeiten stand der Außenverteidiger für Schalke national wie international in gerade mal 103 Spielen auf dem Feld. Die meisten Einsätze hatte er unter Mirko Slomka absolviert. Slomka – mittlerweile in Hannover unter Vertrag – erinnerte sich an Panders Qualitäten und verpflichtete ihn im Sommer 2011, nachdem die medizinische Abteilung keine Einwände hatte.

Panders Neuanfang bei Hannover 96
Trotz aller Skepsis, ob Panders Knie nochmals dauerhaft belastbar sein würde, ist er bei den „Roten“ aus Hannover sofort angekommen und hat sich gar als einzig wirkliche Verstärkung entpuppt. Ohne einen grippalen Infekt, der ihn den Hinrundenabschluss in Kaiserslautern kostete, hätte er in jedem Bundesligaspiel für 96 auf dem Platz gestanden. Mit Europa League und DFB-Pokal kommt Pander auf 25 Einsätze im 96-er Trikot. Das bedeutet, nach sechs Monaten kann er in Hannover bereits auf ein Viertel aller Schalker Einsätze verweisen. Drei Tore und vier Vorlagen zeigen, dass Pander bei 96 auch das Offensivspiel belebt. Neben einigen Einsätzen als Linksverteidiger agierte er zumeist im linken Mittelfeld, wo er den bis dahin auftrumpfenden Konstantin Rausch ins zweite Glied verdrängte.

Überzeugende Auftritte für 96
Der „kicker“ führt ihn dennoch weiterhin als Abwehrspieler und bewertet seine Leistungen bis dato positiv. In der „kicker“-Notenskala rangierte er vor dem letzten Hinrundenspieltag gemeinsam mit Rafinha vom FC Bayern München auf Platz 14 von 78 Abwehrspezialisten. Besser als ihn sehen die Nürnberger Auguren nur sechs Landsmänner (Mats Hummels, Holger Badstuber, Philipp Lahm, Marcel Schmelzer, Serdar Tasci, Clemens Fritz) , so dass er nach seinen gezeigten Leistungen sogar ein Kandidat für die Nationalelf sein könnte. Wird so aus dem Comeback der Hinserie vielleicht das Backup für Philipp Lahm bei der Euro im kommenden Sommer?

Geht da noch mehr?
Mit Dennis Aogo vom Hamburger SV bewertet der „kicker“ einen direkten „Konkurrenten“ als drittschlechtesten Abwehrspieler in der aktuellen Rangliste. Für Pander sprächen seine vielseitige Verwendbarkeit auf der linken Seite, seine internationalen Einsätze mit Hannover und seine Zuverlässigkeit. Sobald er verletzungsfrei war, genoss er stets das Vertrauen seiner Klubtrainer, die ihn trotz langer Fehlzeiten immer wieder als Stammspieler etablierten. Dies spricht zudem für seinen starken Willen. Auch Nationaltrainer Löw nominierte ihn im September 2008 noch einmal für die Nationalelf, setzte ihn allerdings nicht ein. Angesichts seiner anschließenden Krankengeschichte verbat sich jede ernsthafte Beschäftigung mit dem DFB. Löw sagte damals jedoch: „Wenn er fit und gesund ist, ist er immer ein Kandidat für die Nationalmannschaft, nicht zuletzt wegen seiner sehr guten Standards.“
Neben seinen gefährlichen Offensivaktionen wäre ein weiterer Pluspunkt, dass er bei Hannover in das System des schnellen Umschaltspiels nach Ballgewinn eingebunden ist, ganz so wie es Jogi Löw schätzt. Pander hätte also keine Eingewöhnungsprobleme. Über ein Reservistendasein bei einem großen Turnier würde der leidgeprüfte Hip-Hop-Fan sicherlich am allerwenigsten mosern. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass die Nationalelf seit 2008 qualitativ mehrere Quantensprünge vollzogen hat. Zudem erscheint es unwahrscheinlich, dass Löw noch jemandem die Tür öffnet, der derart weit von der Nationalelf entfernt war, wie „Beinahe-Invalide“ Pander. Darüber hinaus herrscht in der blutjungen DFB-Elf ein Überangebot im Mittelfeld, so dass bestenfalls die Stelle als Lahm-Ersatz realistisch erscheint. Diejenigen, die sich neben dem gesetzten Philipp Lahm zuletzt daran versuchten (Marcel Schmelzer und Dennis Aogo), überzeugten jedenfalls nicht restlos.

Nichtsdestotrotz wäre es eine Sensation, wenn Pander tatsächlich wieder im Notizblock von Jogi Löw auftauchen sollte. Zu gönnen wäre ihm ein solches Comeback in jedem Fall. Er selbst würde wahrscheinlich schon mit einem „normalen“ weiteren Karriereverlauf zufrieden sein: ohne Verletzungen, ohne Reha und vermutlich auch ohne DFB. Wie auch immer, zur Erinnerung hier sein Hammertor gegen England:

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