Irland vs. Kroatien: Irish blood, English heart

Bei der EURO in Polen und der Ukraine treten 36 Nationalspieler an, die nicht in den Ländern geboren wurden, für die sie auflaufen. Am stärksten „bediente“ sich die Auswahl der Republik Irland bei im Ausland geborenen Spielern. Angesichts der engen historischen Verbindungen zum britischen Nachbarn verwundert es wenig, dass die insgesamt acht „Gastspieler“ samt und sonders in Großbritannien und Nordirland auf die Welt kamen.

Ein Drittel des irischen EURO-Kaders setzt sich aus Spielern zusammen, die in England, Schottland oder Nordirland geboren wurden. Sechs der acht „Briten“ feierten ihr Debut für das irische Team unter Giovanni Trapattoni, der damit die gute irische Tradition fortsetzte, sich beim großen Nachbarn auf die Suche nach Profifußballern mit irischen Wurzeln zu machen. Bei den in England geborenen Sean St. Ledger, Keiren Westwood, Paul Green und Simon Cox machte der irische Fußballverband Großmütter und/oder -väter ausfindig. Jonathan Walters hat sogar eine irische Mutter vorzuweisen. Der in Glasgow geborene Aiden McGeady zählte schon vor der Trapattoni-Ära zum irischen Team und konnte ebenfalls aufgrund seiner irischen Großeltern für die Jungs von der Grünen Insel auflaufen.

Nordirisch-Irischer Grenzverkehr
Dass mit Darron Gibson und James McClean zwei im nordirischen Derry geborene Spieler für den südlichen Inselteil auflaufen, haben sie einer ganz bestimmten Regelung zu verdanken. Gibson entschloss sich 2007 für die Auswahl der Republik antreten zu wollen, was jedoch hitzige – auch politische – Diskussionen auslöste. Der Fall landete vor dem Court of Arbitration for Sports (CAS), der es dem nordirischen Verband jedoch untersagte einen Verbandswechsel zu verweigern. Grundlage der Entscheidung war unter anderem das Good Friday Agreement aus dem Jahre 1998, das zwischen der britischen und irischen Regierung geschlossen wurde und es den Nordiren freistellte zwischen der britischen oder irischen Staatsbürgerschaft zu wählen. Die FIFA schloss sich der CAS-Rechtsprechung an und erlaubte es fortan nordirischen Spielern für die Republik aufzulaufen, solange sie kein Pflichtspiel für die A-Nationalelf Nordirlands absolviert hatten. Aufgrund dieser Regelung wechselte im Februar 2012 mit James McClean der Shootingstar des AFC Sunderland die Seiten und steht nun im EURO-Kader der Republik, obwohl er zuvor noch für die nordirische U21-Auswahl gespielt hatte.

Schwache nationale Liga befördert Suche in England
Natürlich profitiert die irische Auswahl sehr von den in den englischen Profiligen gestählten Nationalspielern. Die eigene nationale Liga, die bestenfalls semiprofessionelle Züge trägt, stellt kein Spielerreservoir zur Verfügung, das internationalen Maßstäben genügt. Kein einziger Spieler im Irland-Kader verdient sein Geld im eigenen Land. Schon bei ihrer ersten und bis heute einzigen EM-Teilnahme im Jahre 1988 profitierten die Männer von der Grünen Insel von der „Verpflichtung“ zahlreicher in England geborener Profis mit irischen Vorfahren. Dass diese englische „B-Auswahl“ dann bei der Endrunde ausgerechnet die richtige englische Nationalelf besiegte, zählt noch heute zu den schönsten Treppenwitzen der Fußballgeschichte.

Die englische Musikerikone Morrissey ist selbst Sohn irischer Eltern. 2004 hat er ein Lied veröffentlicht, das vortrefflich auf einen Teil des irischen Kaders passt: „Irish blood, English heart“.

Tipp: Mehr zu Verbandswechseln ist einem älteren Beitrag zu entnehmen: Nationalspieler gesucht … im Ausland

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3 Gedanken zu “Irland vs. Kroatien: Irish blood, English heart

  1. Pingback: Kroatien - Irland / 9.07.12 20:45 - Seite 2

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