Auftakt in der Dritten

Kaum ist die Europameisterschaft vorbei, schon beginnt in der 3. Liga wieder der Ball zu rollen. Den Aufgalopp bestreiten am Freitagabend zwei namhafte Klubs, die Armina aus Bielefeld empfängt die Alemannia aus Aachen. Ebenso wie der Karlsruher SC und Hansa Rostock zählten beide vor noch nicht allzu langer Zeit zu den ambitionierteren Zweitligisten. Fortan beleben sie die niedrigste deutsche Profiliga. Ein Rundumschlag zum Auftakt in der Dritten:

Die Geographie:
Die 20 Vereine der 3. Liga verteilen sich auf elf Bundesländer. 13 der 21 Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sind vertreten. Der Norden kommt etwas blutleer daher. Außer Rostock findet sich kein Drittliga-Verein nördlich der Linie Berlin-Hannover-Osnabrück. Konsequenterweise stellen die Stadtstaaten und Schleswig-Holstein keinen Drittligisten, dazu fehlt Rheinland-Pfalz. Die ostdeutschen Bundesländer entsenden hingegen je einen Verein. Aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen kommen jeweils vier Teams.

Drittligisten (Tabelle: M.Kneifl)

Die Liste der ehrenwerten Drittligisten der Saison 2012/13

Die Arrivierten:
2008 startete die 3. Liga in ihrer heutigen Ausprägung als professioneller Unterbau zur 2. Bundesliga. Während die Bundesliga und die 2. Bundesliga unter der Ägide der Deutschen Fußball Liga (DFL) stehen, hat in der 3. Liga der DFB das Sagen. In die neue Saison gehen fünf Vereine der ersten Stunde. Rot-Weiß Erfurt führt vor den Kickers aus Offenbach die ewige Tabelle an. Die Spielvereinigung Unterhaching, der VfB Stuttgart II und Wacker Burghausen komplettieren die Riege der Dauerbrenner.

Die Neulinge:
Von oben bereichern der Karlsruher SC, Hansa Rostock und Alemannia Aachen die 3. Liga. Von unten stoßen die Stuttgarter Kickers, der Hallesche FC und die Zweitvertretung von Borussia Dortmund hinzu. Es verstärken also einige traditionsreiche Namen die dritthöchste Klasse, was sich sicher auch auf den Zuschauerschnitt niederschlagen wird. Mit dem VfR Aalen, dem SV Sandhausen, Jahn Regensburg, Werder Bremen II, Rot-Weiß Oberhausen und Carl Zeiss Jena verabschiedeten sich schließlich nicht gerade Klubs mit einer riesigen Fanbasis aus Liga 3. Einzig Jena befand sich in der vergangenen Saison beim Zuschauerschnitt unter den Top Ten der 20er Liga.
Sportlich wollen die Absteiger aus der 2. Liga natürlich umgehend wieder zurück nach oben. Dass dies kein Selbstläufer wird, zeigte die abgelaufene Spielzeit. Osnabrück dümpelte im grauen Mittelfeld und hatte nie wirklich Kontakt zu den Aufstiegsplätzen, Arminia Bielefeld fremdelte gehörig im neuen Umfeld und durfte am Ende froh sein nicht ernsthaft in Abstiegsgefahr geraten zu sein. Rot-Weiß Oberhausen zog hingegen das direkte Anschlussticket in die Regionalliga. Die 3. Liga scheint nicht zu den favorisierten Aufenthaltsorten des Klubs vom Niederrhein zu gehören. Schon 2005 und 2006 reihten sie zwei Abstiege in der 2. und 3.  Liga aneinander. Während sie 2007 und 2008 zweimal hintereinander aufstiegen.
Hansa Rostock und der KSC gaben bereits 2010/11 bzw. 2000/01 ein Gastspiel in der 3. Liga, schafften jedoch prompt den Wiederaufstieg. Der Hansakogge könnte es nun schwerer fallen, dies zu wiederholen. Finanziell befindet sie sich in äußerst rauem Gewässer, zudem muss der Verein im dritten Jahr in Folge mit einem kräftig durcheinandergewirbelten Kader arbeiten. Für die Verantwortlichen der Vereine zählen jedenfalls die Alemannia aus Aachen und KSC zu den Topfavoriten.
Die Neulinge aus der 4. Liga wollen hingegen erstmal in der neuen Liga ankommen und am liebsten nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Die Nachwuchsvertretung des BVB sollte über ausreichend Potential verfügen, um dies in die Realität umzusetzen. Für Halle und die Kickers aus Stuttgart gilt es die Aufstiegseuphorie mitzunehmen und von Anfang an kräftig Punkte zu sammeln. Die Aufsteiger des Vorjahres – SV Darmstadt 98, Chemnitzer FC und Preußen Münster – fungieren als Vorbilder, sie schafften geschlossen den Klassenerhalt.

Der Krösus:
Der ist gar nicht so einfach auszumachen, befindet sich aber wohl in Karlsruhe. Erfahrungsgemäß lässt sich beim Etat kein Verein allzu gerne in die Karten schauen. liga3-online.de hat dennoch einige Quellen zusammengetragen und dabei festgestellt, dass der KSC mit 4 Millionen Euro das größte Budget für seine Lizenzspieler beisammen hat. Dahinter folgt erstaunlicherweise der Aufsteiger aus Halle mit 3,6 Millionen Euro, vor Saarbrücken, Heidenheim, Osnabrück und Wiesbaden mit 3,5 bis 3,4 Millionen Euro. Auch bei transfermarkt.de führt der KSC die Liga an. Hier wird allerdings der Marktwert des Kaders beziffert, der demnach bei rund sieben Millionen Euro liegt. Dahinter verfügen Rostock und Heidenheim über Teams, die über 6 Millionen Euro wert sind.

Die Kirchenmaus:
Diesen Titel trägt die Spielvereinigung aus Unterhaching. Laut liga3-online.de bringt der ehemalige Bundesligist noch nicht einmal eine Million Euro auf, um seinen Kader zu finanzieren. 800.000 Euro fließen bei dem Klub ohne Trikotsponsor in das Lizenzspielerteam, was wohl auch Heiko Herrlich deutlich zu wenig Substanz war, um weiterhin auf dem Trainerstuhl der Münchner zu bleiben. Knapp die doppelte Summe investieren die Stuttgarter Kickers in ihren Kader, womit sie auf dem vorletzten Platz rangieren. Mit Wacker Burghausen und Hansa Rostock folgen zwei Teams, die 2 Millionen Euro in ihre Lizenzspieler stecken. Das zeigt die Misere des Zweitligaabsteigers von der Ostsee, während man beim Klub von der österreichischen Grenze mittlerweile gewohnt ist, mit einem schmalen Geldbeutel auszukommen. Auch auf transfermarkt.de finden sich Unterhaching (17. von 20) und die Kickers aus Stuttgart (20.) am Tabellenende wieder. Zwischen ihnen platzieren sich nur noch Babelsberg und Halle, deren Kader rund 3 Millionen wert sind.

Die Derbys:
Das Salz in der Suppe jeder Liga. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien hier einige prägnante Beispiele genannt:

  • Stuttgarter Kickers gegen den VfB II:

Lange ist es her, dass sich die Stuttgarter Kickers mit dem großen Stadtrivalen in der Bundesliga messen durften. Nach einem zwischenzeitlichen Absturz in die viertklassige Regionalliga mischen die Blauen vom Degerloch nun wieder im Profifußball mit. Dort treffen sie auf die „Zweite“ des VfB, die seit einigen Jahren ausgerechnet im Wohnzimmer der Kickers auf der Waldau spielen. Nun wollen die Hausherren die Verhältnisse wieder zurecht rücken und zumindest gegen das Nachwuchsteam der Roten die Oberhand behalten.

  • Darmstadt 98 gegen die Offenbacher Kickers:

Wenn schon der natürliche oder zumindest gefühlte Rivale Eintracht Frankfurt ein bis zwei Klassen zu hoch spielt, dann arbeitet man sich eben am naheliegendsten Kontrahenten ab. Die Fans der Lilien und des OFC eint eine herzliche Abneigung, die schon des häufigeren zu handfesten Auseinandersetzungen führte. Das Derby elektrisiert nach wie vor die Anhänger und sorgt für gut gefüllte Ränge. Zwischen den Spielern herrscht weniger Antipathie. Vor dieser Saison wechselte Kickers-Kapitän Elton da Costa zurück zu den 98ern, bei denen er schon von 2000 bis 2003 spielte.

  • Preußen Münster gegen den VfL Osnabrück

Die letztjährige Rückkehr der Preußen auf die Deutschlandkarte des Profifußballs wurde von einem gehörigen Knalleffekt begleitet. Im September gastierten die Münsteraner in Osnabrück und die beiden Fangruppen schienen wenig davon zu halten, dass in beiden Städten 1648 der Westfälische Friede unterzeichnet wurde. Schwere Krawalle überschatteten das Derby. Diese gipfelten in einer Knallkörperexplosion, die von Münsteraner Fans herbeigeführt wurde, und zahlreiche Verletzte hinterließ. Klar, dass auch dieses Jahr wieder ein massives Polizeiaufgebot die beiden Derbys begleiten wird.

Die Spieler:
Vor allem die Absteiger aus Karlsruhe und Aachen sorgen dafür, dass einige größere Namen den Weg in die 3. Liga gefunden haben. Am Aachener Tivoli spielen mit Albert Streit, Sascha Rösler und Marcel Heller mehrere Spieler mit Bundesliga-Erfahrung. Die Neu-Karlsruher Rouwen Hennings und Karim Benyamina zählten in der 2. Bundesliga zu den auffälligeren Offensivakteuren. Michael Thurk stieß bereits während der vergangenen Saison vom Bundesligisten Augsburg zum 1.FC Heidenheim.
Alle diese Spieler kamen ablösefrei zu ihren Vereinen, ein durchaus üblicher Prozess in der 3. Liga. In der aktuellen Transferperiode wurde bislang für gerade einmal zwei Spieler Geld in die Hand genommen. Preußen Münster überwies 50.000 Euro für Matthew Taylor nach Paderborn, wo der US-Amerikaner vier Tore bei 23 (Kurz)einsätzen in der 2. Liga erzielte. Dortmund zahlte gar 150.000 Euro für das Abwehrtalent Thomas Meißner. Der 21-jährige Innenverteidiger gehörte zu den Stammkräften der Zweiten des FSV Mainz 05.
In der 3. Liga tummeln sich sogar einige Europameister, wenn auch „nur“ aus den zuletzt so erfolgreichen Juniorennationalmannschaften des DFB. Aus der U17-Europameistermannschaft von 2009 spielt Manuel Janzer beim VfB II, aus dem U19-Europameisterteam spielt Danny Latza bei Darmstadt 98. Gut möglich, dass er zum Saisonauftakt gegen Unterhaching auf einen seiner Europameisterkollegen trifft. Savio Nsereko trainiert seit geraumer Zeit bei der Spielvereinigung mit und könnte tatsächlich kurzfristig verpflichtet werden. Mit Dennis Grote agiert sogar einer der U21-Europameister von 2009 bei Preußen Münster.
Und die nächsten Himmelstürmer stehen schon in den Startlöchern. Die Zweitvertretungen von Dortmund und Stuttgart setzen mit Marvin Duksch, Sven Mende, Rani Khedira, Robin Yalcin und Odisseas Vlachodimos auf Spieler der 2011er U17, die Vizeeuropameister und WM-Dritter wurden.
Der teuerste Spieler der 3. Liga steht übrigens in Karlsruhe unter Vertrag. Vielleicht muss man auch sagen noch unter Vertrag. Hakan Calhanoglu wird von Werder Bremen umworben. Transfermarkt.de beziffert den Marktwert des 18-jährigen türkischen Juniorennationalspielers auf eine Million Euro. Den Dauerbrenner der 3. Liga stellt übrigens Kickers Offenbach. Torwart Robert Wulnikowski kann auf 147 Einsätze in der Dritten zurückblicken.

Die Zweiten:
Mit dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund mischen gerade einmal zwei Zweitvertretungen von Bundesligisten in der 3. Liga mit. Damit hat sich die Befürchtung vieler Fans nicht bewahrheitet, dass sich schnell viele Nachwuchsteams in der dritthöchsten Klasse wiederfinden würden. Einzig die Dortmunder haben seit 2008 den Sprung aus der 4. Liga nach oben geschafft, während sich die „Gründungsmitglieder“ Bayern München II und Werder Bremen II mittlerweile aus der 3. Liga verabschiedet haben.

Die Stadien in Rostock (l.) und Saarbrücken (Bilder: M.Kneifl)

Von Rostock (l.) bis Saarbrücken (r.) rollt ab dem Wochenende in der 3. Liga wieder der Ball

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