Der nächste Deutsche bei Arsenal – Gedion Zelalem

Der heutige 26. Januar 2013 ist für Gedion Zelalem ein ganz besonderer Tag: Der junge Deutsche mit äthiopischen Wurzeln wird 16 Jahre alt. Das mag noch nicht sonderlich spektakulär klingen, damit hat er aber zugleich sein Eintrittsticket in die große Fußballwelt gelöst! Denn ab sofort läuft er für den Nachwuchs von Arsenal London auf. Neben Lukas Podolski (27), Per Mertesacker (29), Thomas Eisfeld (20), Serge Gnabry (17) und Leander Siemann (17) spielt nun also der sechste Deutsche beim Londoner Renommierklub. Und der junge Mittelfeldspieler gilt nicht nur als außerordentlich talentiert, er verfügt auch noch über eine außergewöhnliche Biografie.

Der Teenager lebt bereits seit vergangenem Sommer in London, darf aber erst jetzt in den Spielbetrieb der Arsenal Academy eingreifen. Hintergrund ist eine FIFA-Vorgabe, die internationale Transfers von unter 16-jährigen nicht (mehr) gestattet. Der Umzug erfolgte allerdings nicht von Deutschland aus, sondern aus den USA! Zelalem hatte seit 2006 mit seiner Familie in der Nähe von Washington gelebt.

Von der High-School zu Arsenal
Zelalem spielte vor der Übersiedlung in die USA als Kind für die Berliner Hertha und zuletzt für ein High-School-Team vor den Toren der amerikanischen Hauptstadt. Bereits der Trainer seines vorherigen US-Teams erkannte das offenkundig große Potential des schlacksigen Jungen. Als gebürtiger Engländer knüpfte er den Kontakt zum für Nordamerika zuständigen Scout von Arsenal London. Ein zehntägiges Probetraining im Sommer 2011 genügte, um die Gunners-Verantwortlichen zu überzeugen. Sie boten dem Talent einen Platz in ihrer Jugendakademie an. Schon ein Jahr später, im Sommer 2012, gab es für den aufstrebenden Youngster dann kein Halten mehr und er vollzog gemeinsam mit seiner Familie den frühzeitigen Umzug in die englische Hauptstadt. Seither trainierte er mit seinen zukünftigen Mannschaftskollegen, die er ab heute auch in Liga- und Pokalspielen verstärken darf. Zu seinen Mitspielern zählt mit Leander Siemann ein weiterer Deutscher, der im Sommer 2011 von Hertha BSC zu den Gunners stieß. Auch Serge Gnabry wäre genau genommen noch für Arsenals U18 spielberechtigt. Der 17-jährige Stuttgarter wurde allerdings rasch nach oben gezogen und kam in dieser Saison ausschließlich im Profiteam und in der U21-Elf zum Zug. Zelalems Erfahrungen in den ersten Monaten erschöpften sich keineswegs im Trainingsbetrieb der Jugendakademie. Er fungierte zusätzlich als Sparringspartner für das in London gastierende brasilianische Olympiateam um Superstar Neymar und auch bei Arsenals Profis durfte er bereits vorspielen.

Deutsches und US-amerikanisches Nationalteam buhlen um ihn
Anhand der überwiegend in Übersee stattgefundenen Entwicklung überrascht es, dass Zelalem heute für das deutsche Juniorennationalteam antritt. Für die Auswahl eines Landes also, in dem er zwar geboren ist, das er aber mit neun Jahren verließ. Nicht ganz „schuldlos“ an der Entwicklung dürfte sein Vater Woldyes gewesen sein. Dieser ließ im August 2011 gegenüber der „Washington Post“ verlauten, dass er es gerne sähe, wenn sein Sohn für Deutschland antreten würde. Auf diese Weise könne er selbst dem Land danken, das ihm 1990 Asyl gewährt hatte. Im selben Beitrag klingt an, dass der Vater sogar schon darauf hingewirkt habe, den DFB auf seinen Sohn aufmerksam zu machen.
Der Junior selbst scheint sich derweil seiner Sache noch nicht ganz so sicher zu sein. Dies ließ er per Tweet auf Twitter durchschimmern, denn auch der US-Verband buhlt um seine Dienste. Zwar hat er die angeblich beantragte US-Staatsbürgerschaft noch nicht erhalten, er nahm aber bereits an Lehrgängen des US-Nachwuchses teil. Dabei traf er auf einen gleichaltrigen Torhüter, dessen Nachname in Deutschland wohlbekannt ist: Jonathan Klinsmann, Spross des ehemaligen deutschen und heutigen US-Nationaltrainers. Schon alleine anhand dieser Tatsache steht zu erwarten, dass der US-Verband sein Interesse an Zelalem aufrecht erhalten wird.

Überzeugende Darbeitungen beim DFB
Wie auch immer, im August 2011 geisterten erste Gerüchte durch das Internet, dass sich der DFB mit ihm befassen würde. Und tatsächlich nahm Zelalems Karriere im DFB-Trikot im vergangenen Jahr an Fahrt auf. Im April 2012 nahm er an einem U16-Sichtungsturnier in Duisburg teil, bei dem die Landesverbände gegeneinander antraten. Da er keinem Landesverband zugeordnet werden konnte, spielte er mit der U15-Auswahl vor und wusste sogleich zu überzeugen. Der damalige U16-Nationaltrainer Steffen Freund wählte laut Verbandshomepage Gedion in seine Top-Elf des Sichtungsturniers, als einziger Akteur des jüngeren 1997er-Jahrgangs. Nur zwei Monate später debütierte er zunächst in der deutschen U15-Auswahl, erklomm im September und November die nächste Altersstufe und absolvierte seine ersten beiden Länderspiele für die deutsche U16-Auswahl. Dabei agierte er auf der Özil-Position hinter einer Sturmspitze und legte beide Tore beim 2:0-Sieg gegen die Ukraine auf. Als finaler Passgeber war er bereits im High-School-Fußball positiv in Erscheinung getreten.

A bright-shining future?
Seine Stärken liegen Medienberichten zufolge in seiner flinken Auffassungsgabe, seinem Spielverständnis, seiner herausragenden Technik und seiner Schnelligkeit. Sein Passspiel gilt als außerordentlich präzise, so dass er gerne auch weiter hinten im Mittelfeld agiert und von dort das Spiel seiner Elf aufzieht. Das Studium mehrerer Internetseiten mit Arsenal-Bezug lässt darauf schließen, dass er in seinen ersten Monaten beim Premier-League-Klub bereits mächtig Eindruck hinterlassen hat. Er gilt als sicherer Stammspieler der U18 und die Fußballfan-Webseite „football-talk.co.uk“ zählte Zelalem im Dezember 2012 sogar zu einem der drei vielversprechendsten Talente, über die Arsenal derzeit verfüge. Klar ist, dass er in der von Physis geprägten Fußballschule Englands auch körperlich das nötige Rüstzeug für eine mögliche Profikarriere erhält. Die nächsten Jahre werden dann zeigen, ob die verheißungsvollen Anlagen des außergewöhnlichen Talents ausreichen, um auch im Erwachsenenbereich für Furore zu sorgen. Denn wie sagt der Engländer so schön? Gedion Zelalem … one to watch!

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