Auftakt zur U21-EM: Auf den Spuren von 2009

Heute Abend startet die U21-Auswahl des DFB gegen die Niederlande in die EM-Endrunde. Die deutschen Junioren waren ebenso überzeugend wie torhungrig und ohne Niederlage durch die Quali marschiert, bevor sie in den Play-offs den starken Schweizer Nachwuchs in Schach hielten. Die Erwartungshaltung in Deutschland ist groß. Doch können die Kicker der Jahrgänge 1990 bis 1994 in die Fußstapfen der Özils, Khediras und Neuers treten, die 2009 erstmals den kontinentalen Nachwuchstitel nach Deutschland holten?

Stellt man dem damaligen den heutigen Kader gegenüber, so offenbart sich tatsächlich ein absolut vergleichbares Niveau. 13 Spieler der 2009er Mannschaft konnten bei Turnierbeginn bereits auf 30 oder mehr Bundesligaeinsätze verweisen. Im aktuellen U21-Kader bringen es gar 15 Spieler auf mindestens 30 Bundesligapartien. In beiden EM-Kadern standen je sieben Spieler, die bereits Champions-League-Luft schnuppern durften, wenngleich für die aktuellen U21-Kicker Patrick Herrmann und Tony Jantschke aus Mönchengladbach bereits nach den Play-offs Schluss war. Waren 2009 noch sechs Zweitligaspieler im Kader, so sind es heute lediglich vier. Zwei der heutigen Akteure, Lewis Holtby (Tottenham Hotspur) und Shkodran Mustafi (Sampdoria Genua), spielen bereits im Ausland, was vor vier Jahren noch kein Spieler von sich behaupten konnte. Einzig in puncto A-Länderspielerfahrung hat der damals so erfolgreiche Nachwuchs die Nase vorne. Mit Manuel Neuer, Andreas Beck, Mesut Özil, Gonzalo Castro und Marko Marin kamen bereits fünf Junioren bei Jogi Löw zum Einsatz. Im aktuellen Kader nur Holtby.

Die Fehlenden
Die Grundvoraussetzungen für ein gutes Turnier sind also in jedem Fall gegeben. Zudem kennt sich das Gros des Teams durch die gemeinsam bestrittene Qualifikation und Play-offs sehr gut. Gleichwohl fehlen einige Korsettstangen der Mannschaft. Coach Rainer Adrion entschloss sich freiwillig etablierte Kräfte wie Moritz Leitner (Borussia Dortmund), Maximilian Beister (Hamburger SV) oder Nürnbergs Alexander Esswein zu Hause zu lassen. Die Stammspieler Jan Kirchhoff (Mainz 05) und Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt) mussten verletzungsbedingt passen. Kicker vom Kaliber eines Ilkay Gündogan, Mario Götze (beide Borussia Dortmund), André Schürrle (Bayer Leverkusen), Julian Draxler (Schalke 04) oder gar Toni Kroos (Bayern München) haben schon längst den Sprung ins A-Team vollzogen und kamen deshalb nicht mehr ernsthaft für eine Endrundenteilnahme bei ihren Altersgenossen infrage. 

Bekannte Namen in den Kadern Russlands und der Niederlande
Ganz anders sieht dies der heutige Kontrahent, die Niederlande. Dort spülte Louis van Gaals Vorliebe für talentierte Spieler eine ganze Phalanx von jungen Akteuren in die A-Nationalmannschaft. Seine Jugendkultur sorgte dafür, dass in Israel nunmehr zwölf Nachwuchsspieler mit der Empfehlung von insgesamt über 60 A-Länderspielen anreisen. Es könnte durchaus sein, dass sich der DFB-Nachwuchs heute plötzlich großen Teilen der Viererkette der A-Elf gegenübersieht. Die für die U21-EM nominierten Verteidiger Stefan de Vrij, Daley Blind und Bruno Martins Indi standen 2013 bei allen A-Länderspielen der Niederlande über 90 Minuten auf dem Platz. Rechtsverteidiger Ricardo van Rhijn komplettierte im Testspiel gegen Italien in den letzten fünf Minuten seine drei jungen U21-Kollegen in der Elftal. Hinzu kommt Mittelfeldakteur Kevin Strootman der seit 2011 immer mehr zum Stammspieler der Nationalelf avancierte und bereits 18 A-Länderspiele vorweisen kann. Auf noch mehr Einsätze bringt es Alan Dzagoev in der russischen Nationalelf, nämlich 27. Bei der EURO 2012 war er einer der auffälligsten Akteure und erzielte in den drei Vorrundenspielen der Sbornaja drei Tore. Für die russische A-Elf wird er auch noch im WM-Qualispiel gegen Portugal agieren, weshalb er erst im zweiten und dritten EM-Vorrundenspiel zum Zuge kommen soll. Sein Einsatz würde das überwiegend aus Spielern der heimischen Premier Liga bestehende Team immens stärken. Seine Dynamik und Wucht können jedes Team vor immense Probleme stellen und seinen Mitspieler Räume eröffnen (hier ein letztjähriger Hintergrundbericht zu Dzagoev: Link). Dass sich seine Mannschaftskameraden allerdings auch ohne ihn in der Quali und den Play-offs gegen den traditionell starken Nachwuchs aus Portugal und Tschechien durchsetzen konnten, spricht für die Stärke des Kaders.

Spanien gewohnt gut aufgestellt
Über den letzten Vorrunden-Kontrahenten der deutschen Elf braucht man eigentlich kaum Worte verlieren. Die spanische U21 zählt traditionell zu den heißesten Anwärtern auf den Titel. Mit David de Gea steht der Stammtorhüter von Manchester United zwischen den Pfosten. Marc Bartra, Cristian Tello und insbesondere Thiago Alcantara scharren beim FC Barcelona hinter den arrivierten Stars mit den Hufen. Alcantara war 2011 von der italienischen Fachzeitung „Tuttosport“ bei der Kür zum viel versprechendsten europäischen Jungprofi hinter Marco Götze und noch vor dem Belgier Eden Hazard (Chelsea FC) auf Platz zwei gewählt worden. Mit Isco (FC Malaga) zieht im Mittelfeld der Shooting Star der letztjährigen Champions League die Fäden, während im Sturm mit Rodrigo (Benfica Lissabon) und Iker Muniain (Athletic Bilbao) trotz ihres jungen Alters schon sehr erfahrene Stürmer agieren. Beide stürmten mit ihren Klubs in diesem bzw. im letzten Jahr ins Finale der Europa League und zählten dabei zu den unumstrittenen Stammspielern. 

Defensive Knackpunkt der deutschen Elf
Verglichen mit den direkten Kontrahenten hinkt die deutsche Nachwuchself also in puncto internationale Erfahrung ein wenig hinterher. Dennoch müssen auch die anderen Teams sich erst einmal zu der homogenen Einheit zusammenfinden, die die deutsche Auswahl während der Quali ausgezeichnet hat. Spielerisch und taktisch brauchen sich die Holtbys, Rudys, Rodes und Herrmanns jedenfalls nicht zu verstecken. Auf der Torhüterposition verfügt der DFB mit Bernd Leno (Bayer Leverkusen) und Oliver Baumann (SC Freiburg) über Akteure, die zu ähnlich starken Leistungen wie Manuel Neuer anno 2009 fähig sein sollten. Im Sturm zeigten auf U21-Level Peniel Mlapa, Sebastian Polter und Kevin Volland, dass sie treffsicher agieren können. Aus der zweiten Reihe verströmt zudem Holtby immense Torgefahr. Insofern ist die aktuelle Elf sogar besser aufgestellt als ihre Vorvorgänger 2009, die in vorderster Front mit Ashkan Dejagah und Marko Marin eigentlich gar keine gelernten Stoßstürmer einsetzen mussten und bei denen Sandro Wagner erst im Finale zu einer relevanten Größe wurde. Die große Unbekannte scheint nach den Verletzungen der ausgefallenen Stammkräfte Jung und Kirchhoff die Defensive zu sein. 2009 hielten Benedikt Höwedes und Jerome Boateng den Laden eindrucksvoll dicht. Ähnliches müssen die zwar talentierten aber überwiegend unerfahrenen Innenverteidigerkandidaten Matthias Ginter (SC Freiburg), Shkodran Mustafi, Antonio Rüdiger (VfB Stuttgart), Lasse Sobiech (SpVgg. Greuther Fürth) oder Stefan Thesker (1899 Hoffenheim) aber schon leisten, um eine ernsthafte Chance auf den Titel zu haben.


Das Eintrittsticket zur EM: Der 3:1-Sieg im Play-off-Rückspiel in der Schweiz

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