Hello again – die Lieblinge der Trainer

Der Aufgalopp zur 51. Bundesliga-Saison steht am Wochenende ins Haus. 18 Teams gehen ins Rennen um die Meisterschaft und die lukrativen Europapokalplätze oder wollen einfach nur nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Dafür haben sie wieder kräftig in ihre Kader investiert. So manch Trainer erinnerte sich dabei offensichtlich an einen Kicker, den er bereits einmal anderswo trainiert hatte und lotste ihn zu seinem aktuellen Verein. Eigentlich ein logischer Schritt, weiß der Trainer doch nur zu gut, wen – oder besser was – er bekommt. Und auch der Spieler darf sich berechtigte Hoffnungen machen, in der neuen Runde eine gute Rolle im neuen Team zu spielen. Ein Überblick über die Lieblinge der Trainer:

Lucien Favre und der Brasilianer Raffael, das scheint einfach zu passen. Mit seinem Wechsel zu Mönchengladbach trainiert der Stürmer bereits zum dritten Mal unter Favre. Der Coach holte ihn anno 2005 zum FC Zürich und verhalf ihm dort zum Profidebüt in der Schweizer Super League. Als Favre 2007 weiter zur Hertha zog, holte er seinen Angreifer bei der ersten sich bietenden Möglichkeit im Februar 2008 nach. Nach vier Jahren getrennten Wegen sind sie nun wieder in Mönchengladbach vereint.

Luhukays Klassentreffen 
Noch doller als das Gespann Favre-Raffael ist allerdings die Kooperation zwischen Jos Luhukay und Marcel Ndjeng. Als Luhukay im vergangenen Sommer den FC Augsburg verließ, um die Hertha wieder ins Oberhaus zu führen, nahm er wie selbstverständlich den Mittelfeldspieler mit. Nach Paderborn, Mönchengladbach und Augsburg stellt die Hertha die vierte gemeinsame Station der beiden dar. So verwundert es kaum, dass Ndjeng von seinen insgesamt 190 Partien in Bundesliga, 2. Liga und DFB-Pokal lediglich 20 unter anderen Trainern absolvierte.
Doch das ist noch längst nicht das Ende der Fahnenstange. Luhukay entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als wahrer König, wenn es darum geht ehemalige Spieler zu verpflichten. Vor dieser Saison holte er ausschließlich Spieler an die Spree, die er bereits anderswo trainiert hatte. Sebastian Langkamp, machte er in Augsburg zum Bundesligastammspieler, bevor dieser in der abgelaufenen Saison bei den Schwaben nicht mehr so häufig zum Einsatz kam. Auch Hajime Hosogai entwickelte sich unter Luhukay in der Augsburger Bundesliga-Premierensaison zum Dauerbrenner. Mit Johannes van den Bergh und Alexander Baumjohann zählt er ab diesem Sommer auf zwei weitere Spieler, die er bereits als junge Kicker in Gladbach einsetzte. Und dann ist da noch Peer Kluge, den er bereits vor Jahresfrist von einem Transfer zur Hertha überzeugen konnte. Beide kannten sich ebenfalls aus gemeinsamen Fohlenzeiten. So mutet der aktuelle Kader der Berliner schon fast wie ein Klassentreffen der Luhukay-Schüler an.

Guardiolas und Klopps Musterschüler
Auch die Trainer der deutschen Platzhirsche Bayern München und Borussia Dortmund haben je einen altbekannten Musterschüler in ihrem Kader. Bekanntermaßen wollte Pep Guardiola den vielseitigen Thiago Alcantara, den er schon bei Barca als Teenager an den Weltklassekader herangeführt hatte, „oder nix“. Als Jürgen Klopp 2008 von Mainz nach Dortmund ging, nahm er den damals 19-jährigen Neven Subotic mit und etablierte ihn dort als Innenverteidiger. So kommt es, dass der serbische Nationalspieler seine 228 Liga- und (Europa)Pokalspiele ausschließlich unter Klopp absolviert hat. Mit Mohamed Zidan stieß seinerzeit übrigens ein weiterer Spieler aus gemeinsamen Mainzer Tagen zur Borussia, wenngleich dieser zuvor beim HSV gelandet war. Zwei Jahre später erinnerte sich Klopp eines weiteren Mainzer Weggefährten und sorgte er mit der Verpflichtung von Antonio da Silva für den nächsten ehemaligen Schützling im BVB-Kader.

Makiadi, Klose, Zoua und ein Sonderfall
Doch zurück zur aktuellen Kampagne: Robin Dutt wollte sein Abenteuer Bremen ganz offensichtlich nicht ohne Cédric Makiadi antreten. Nach dem Bundesligaaufstieg des SC hatte er den Kongolesen 2009 überredet nach Freiburg zu kommen und baute ihn dort zum unumstrittenen Stammspieler auf. Wenig verwunderlich, dass ihn Dutt nach seiner Vertragsunterschrift bei Werder zu seinem absoluten Wunschspieler erklärte und ihn auch bekam. Ähnlich liegt der Fall bei Timm Klose und Dieter Hecking. Letzterer holte das Schweizer Abwehrtalent vor zwei Jahren zum 1. FC Nürnberg. Nach durchwachsenem ersten Jahr stabilisierte sich der Defensivspezialist in der abgelaufenen Saison und folgte seinem Förderer mit halbjähriger Verspätung in die VW-Stadt. Auch HSV-Trainer Thorsten Fink erinnerte sich angesichts knapper hanseatischer Kassen an einen hierzulande unbekannten und preisgünstigen Spieler. Als Trainer des FC Basel warf er 2009 den damals 18-jährigen Kameruner Jacques Zoua ins kalte Wasser der Schweizer Super League. Seitdem absolvierte der Mittelstürmer 86 Ligapartien, erzielte dabei allerdings lediglich 14 Tore. Bleibt abzuwarten, wie sich der Angreifer in der Bundesliga behaupten kann. Im DFB-Pokal trug er sich jedenfalls schon in die Torschützenliste des HSV ein. Auch Bruno Labbadia leistete sich zur neuen Saison mit Daniel Schwaab einen Wunschspieler. Schon zum zweiten Mal konnte er den gebürtigen Breisgauer von einem Wechsel überzeugen. Ende 2008 einigten sich die beiden auf einen Transfer zur nachfolgenden Saison zum damaligen Labbadia-Klub Bayer Leverkusen. Als Schwaab dann im Sommer 2009 tatsächlich kam, war Labbadia allerdings zum HSV weitergezogen. Mit vierjähriger Verspätung kommt es nun also mit dieser Saison doch noch zur Zusammenarbeit der beiden.

Coaches aus dem eigenen Stall
Anders gelagert ist der Fall bei den Trainernovizen der Bundesliga. Sie stammen überwiegend aus den Nachwuchsabteilungen ihrer Klubs und nutzen deshalb ihre Kenntnisse um die vielversprechendsten Talente aus dem eigenen Verein. Exzessiv macht dies der Freiburger Christian Streich, der im aktuellen Bundesligakader auf sechs Akteure zurückgreift, die er bereits in der U19 gecoacht hat. Auch Hoffenheim-Rückkehrer Markus Gisdol, der Mainzer Thomas Tuchel oder Michael Wiesinger vom Club ergänzten ihre Teams mit Spielern die sie bereits in der U19 oder der Zweitvertretung trainierten.

Trainers Liebling: Auflistung der Spieler und Trainer, die bereits vor dieser Saison in einer anderen Mannschaft zusammengearbeitet haben (Tabelle: M.Kneifl)

Die Lieblinge der Trainer: Auflistung der Spieler und Trainer, die bereits vor dieser Saison in einer anderen Mannschaft zusammengearbeitet haben (Zum Vergrößern auf die Grafik klicken)

Und dann war da noch …
… die Fortsetzung einer Arbeitsbeziehung zwischen einem deutschen Trainer und einem ehemaligen Bundesligaschützling in der Schweizer Super League. Michael Skibbe – mittlerweile Trainer bei den Grashoppers aus Zürich – verpflichtete unlängst den Brasilianer Caio! Der Mittelfeldspieler gilt als größtes Missverständnis der jüngeren Frankfurter Vereinsgeschichte, zählte in den knapp zwei Spielzeiten unter Skibbe aber immerhin als erweiterter Stammspieler (48 Bundesligaspiele, 23 von Beginn an). Die vergangenen zwölf Monate verbrachte er in der brasilianischen ersten und zuletzt der zweiten Liga. Dabei kam er jedoch auf magere neun Einsätze, keiner davon über die vollen 90 Minuten. Wohl dem, dessen Ex-Coach sich an einen erinnert.

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