Marvin und Mario – wieder vereint in Florenz

Heute Abend war es endlich so weit. Mario Gomez gab sein lang erwartetes Stelldichein für den AC Florenz in der italienischen Serie A. Mit Catania Calcio fand sich am ersten Spieltag ein Gegner ein, der bestenfalls gehobenes Mittelmaß darstellt. Eigentlich ein dankbarer Auftaktgegner für Super-Mario. Und Gomez ließ sich nicht lange bitten. Nach einer Viertelstunde fand er die erste Erwähnung im Spielberichtsbogen … als Gelb-Sünder. 75 Minuten, einen Pfostentreffer und mehrere Abseitssituationen später hieß es auch ohne Gomez-Tor 2:1 für Firenze. Die Fußballwelt wird also noch ein Weilchen auf das Premierentor des Schwaben warten müssen. Was allerdings bei dem ganzen Mario-Hype von den deutschen Medien nur als Randnotiz wahrgenommen wird, beim AC Florenz spielt noch ein weiterer gebürtiger Schwabe: Marvin Compper. Und was noch viel weniger bekannt sein dürfte, die beiden tragen bereits zum vierten Mal das gleiche Trikot. 

Compper kam bereits im Januar 2013 zum AC Florenz, konnte sich dort jedoch noch nicht als Stammspieler etablieren. Der einmalige deutsche Nationalspieler, der in der Bundesliga 168-mal für Borussia Mönchengladbach und die TSG 1899 Hoffenheim auflief, spielte in der vergangenen Rückrunde lediglich sieben Mal. Immerhin gehörte er fest zum Spieltagskader des toskanischen Vereins, schmorte jedoch häufig nur auf der Reservebank. Beim heutigen Saisonauftakt stand er hingegen gemeinsam mit Mario Gomez in der Startelf und half in der Verteidigung den Sieg zu sichern. Ob er seinen Platz im Team wird behaupten können? Es wird schwer. Umso mehr, wenn – wie heute gegen Catania – lediglich eine Dreierkette aufgeboten wird, im Kader jedoch acht nominelle Verteidiger stehen. Vielleicht kann er sich aber im Windschatten seines alten Mitspielers etablieren.

Gemeinsame Wurzeln
Auch wenn die Namen der beiden nicht gerade nach Kehrwoche klingen, beide sind im Schwäbischen geboren und aufgewachsen. Marvin Compper, Sohn einer deutschen Mutter und eines französischen Vaters, stammt aus Tübingen. Mario Gomez, Sohn einer Deutschen und eines Spaniers, kommt aus Unlingen. Beide Städte liegen gerade einmal 69 Kilometer voneinander entfernt. Diese geographische Nähe findet ihre Entsprechung in den Geburtsdaten der beiden. Der Abwehrspieler kam am 14. Juni 1985 zur Welt, der Stürmer am 10. Juli 1985.

Gemeinsame VfB-Zeiten
Das erste Mal kreuzten sich die Wege der heute 28-jährigen im Sommer 2001 beim VfB Stuttgart. Gomez wechselte vom SSV Ulm 1846 in die U17 des VfB, in der Compper bereits seit einem Jahr spielte. Am Ende ihrer gemeinsamen Premierensaison bestritten sie prompt das Finale zur Deutschen Meisterschaft, verloren jedoch gegen ihre Altersgenossen aus Schalke mit 3:1 nach Verlängerung. Beide hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon einen Namen gemacht. Gomez galt im Verein hinter vorgehaltener Hand als der Nachwuchsstürmer mit den größten Perspektiven und Compper hatte sich bereits in die Notizbücher anderer Erstligaklubs gespielt. Nachdem beide im Sommer 2002 den nächsten Schritt in die U19 der Schwaben vollzogen, trennten sich ihre Wege ein halbes Jahr später fürs Erste. Compper wechselte an den Niederrhein zu Borussia Mönchengladbach, wo er allerdings einen etwas längeren Anlauf zum Bundesligaspieler benötigte als Gomez beim VfB.

Gemeinsame DFB-Zeiten
Trotz der getrennten Vereinszugehörigkeiten, in den folgenden Jahren standen die beiden immer wieder gemeinsam auf dem Feld. Möglich machte es der DFB. Im Frühjahr 2005 kamen beide gemeinsam in Testspielen der U20-Nationalelf gegen China und Chile zum Zug. Und auch 2006 sollten sie für die gleiche Juniorennationalmannschaft gegen Österreich und die Schweiz auflaufen. Danach nahm beider Karrieren weiter an Fahrt auf. Gomez‘ Aufstieg kulminierte 2007 in der Deutschen Meisterschaft mit dem VfB. Compper etablierte sich bei Gladbach allmählich im Erstligakader. Im Spätsommer 2008 enterte Compper dann – mittlerweile in den Kraichgau gewechselt – mit 1899 Hoffenheim die Bundesliga, als ob es kein Morgen gäbe. Der erfrischende Offensivfußball des jungen Teams spülte den Abwehrspieler urplötzlich in die A-Nationalelf, in der er im November 2008 gegen England debütierte. Bei der Nationalhymne stand er – wie nicht anders zu erwarten – Arm in Arm neben seinem altbekannten Mitstreiter aus Stuttgarter Tagen.

Doch der Höhenflug Hoffenheims und Comppers war nicht von Dauer, so dass es bei dem einen Einsatz unter Jogi Löw blieb. Während sich Compper als solider Bundesligaspieler entpuppte, heimste Gomez ab 2009 mit den Bayern diverse Titel ein und wurde auch in der Nationalelf zur festen Größe. Nun vereinte das Schicksal die beiden Profis in Florenz wieder. Vielleicht ja für etwas länger als anderthalb Jahre. Das wäre dann Rekord in der gemeinsamen Vita.

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