One to watch: Kevin Kampl

Die österreichische Bundesliga wird vom deutschen Fußballfan in der Regel links liegen gelassen. Die Vereine der Alpenliga machen international schlichtweg zu selten auf sich aufmerksam. Zudem mögen Dorfvereine wie Grödig, Ried oder Mödling in der ersten österreichischen Liga Fußballromantikern Tränen in die Augen treiben. Viele werden es wohl eher als Ausweis einer gewissen Provinzialität des österreichischen Fußballs verstehen. Selbst österreichische Fußballer geraten erst dann in den Fokus deutscher Fans, wenn sie in der deutschen Bundesliga aufkreuzen. Doch ein Blick in die Alpenliga kann sich durchaus lohnen. Derzeit treten etwa bei Red Bull Salzburg zwei junge Spieler äußerst nachhaltig in Erscheinung. Bei beiden ist das Potential vorhanden, um die österreichische Eliteklasse als Sprungbrett für eine größere internationale Karriere zu nutzen: Zum einen Sadio Mané aus dem Senegal sowie allen voran Kevin Kampl, ein in Solingen geborener slowenischer Nationalspieler.

Kevin Kampls Statistik liest sich in der aktuellen Saison beeindruckend: zwölf Bundesliga-Spiele – 13 Scorerpunkte; zwei Partien in der Champions-League-Qualifikation – zwei Scorerpunkte; fünf Spiele in der Europa League – vier Scorerpunkte. Der 23-jährige offensive Mittelfeldspieler kommt bislang also pro Spiel auf ein Tor oder eine Torvorlage. Bereits in der abgelaufenen Saison wusste er zu überzeugen, als er für Red Bull Salzburg 13 Scorerpunkte in 23 Ligaspielen sammelte. Am Anfang der letzten Saison hatte er noch für den VfR Aalen vier Spiele in Deutschlands 2. Bundesliga bzw. im DFB-Pokal absolviert. Dabei erzielte er zwei Tore und bereitete drei weitere vor. Diese vier Spiele trugen letztlich dazu bei, dass Kampl wahrscheinlich der einzige Spieler ist, der seine Ablösesumme innerhalb von nur acht Wochen um 1.200 Prozent in die Höhe schrauben konnte. Hatte Aalen den jungen Rheinländer gerade erst im Sommer 2012 für 250.000 Euro aus Osnabrück verpflichtet, so veräußerten sie ihn bereits am 31. August 2012 wieder für satte 3 Millionen Euro an Red Bull Salzburg.

Leverkusen – Osnabrück – Aalen – Salzburg – ?
Wie die eingangs aufgeführten Zahlen belegen, hat sich Kampl umgehend zu einem Leistungsträger der Salzburger entwickelt. Von den Spielern der Bundesliga wurde er am Ende seiner Premierensaison prompt unter die Top3-Kicker des Jahres gewählt. Und auch in dieser Saison gilt er auf transfermarkt.at hinter seinem enorm treffsicheren spanischen Mannschaftskollegen und Routinier Jonatan Soriano als notenbester Spieler der österreichischen Liga. Für Kampl scheint es also beständig bergauf zu gehen.
Die Grundlagen dafür erhielt er bei Bayer Leverkusen. Beim Werksklub durchlief der 1990 in Solingen als Sohn jugoslawischer Eltern geborene Slowene sämtliche Jugendabteilungen. Nach einer halbjährigen Ausleihe zur SpVgg Greuther Fürth – bei denen er nach einer langwierigen Verletzung keinen Tritt fassen konnte – verhalf ihm im Februar 2011 Jupp Heynckes zu seinem Debüt in der Profielf. Im Europapokalspiel gegen Metalist Kharkiv kam er in der letzten halben Stunde für Simon Rolfes auf den Platz und agierte dort neben Michael Ballack und Arturo Vidal.
Da es zu keinem weiteren Einsatz im Profiteam kam, beschloss er im Sommer 2011 Leverkusen zu verlassen und in der 3. Liga beim VfL Osnabrück sein Glück zu versuchen. Und dieser Umweg entpuppte sich als goldrichtig. Bei den Niedersachsen fiel er sofort durch seine flinke und ballgewandte Spielweise auf. Trotz einer für den ambitionierten Klub nicht zufriedenstellenden Spielzeit, gehörte der Mittelfeldaktuer zweifelsohne zu den absolut positiven Erscheinungen. Diesen Eindruck bestätigte der „kicker“, indem er Kampl am Ende der Drittligasaison das Prädikat „herausragend“ verlieh, mit dem neben ihm lediglich ein weiterer offensiver Mittelfeldspieler versehen wurde. Zweitligaaufsteiger VfR Aalen kannte die Qualitäten Kampls aus den direkten Vergleichen und ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, das Offensivtalent zu verpflichten. Wie oben erwähnt, landete er nur vier Spiele später bei Red Bull Salzburg.

Viele Stärken und eine Schwäche
In Salzburg sollte er das fortsetzen, was ihn in Osnabrück und Aalen ausgezeichnet hatte – sein dynamisches Spiel. Ähnlich wie Mesut Özil versteht es der Slowene mit dem Ball am Fuß Fahrt aufzunehmen und dabei extrem ballsicher zu agieren. Zu seinen Stärken zählt neben dem Dribbling sein gutes Auge für die Mitspieler. Für gegnerische Teams stellt er einen ständigen Unruheherd dar, ohne dabei die Rückwärtsbewegung zu vernachlässigen. Dabei kommt ihm sicherlich zugute, dass er noch in der Zweitvertretung der Leverkusener auf der Doppelsechs agierte, also wesentlich defensiver. Noch ausbaufähig ist hingegen seine eigene Treffsicherheit. 


Ein Hoch auf blondierte Haare:
Dank seiner Frisur ist Kampl in dem Zusammenschnitt aus der aktuellen Saison nicht zu übersehen.

Belebendes Element in der slowenischen Nationalelf
Auch in der Nationalmannschaft läuft es für den Spieler mit dem Faible für auffällige Frisuren wie geschnitten Brot. Obwohl auch der DFB versucht haben soll, Kampl für seine Juniorennationalelf zu gewinnen, entschied sich der Solinger für das Land aufzulaufen, aus dem seine Eltern stammten: Slowenien. Im November 2009 debütierte er mit 19 Jahren in der U21, 16 weitere Einsätze sollten folgen. Mitunter führte er das Nachwuchsteam der Slowenen als Kapitän aufs Feld. Aufgrund seiner Leistungen in Aalen und Salzburg erschien es nur logisch ihn zur A-Nationalelf hochzuziehen. Umso mehr, als die Slowenen denkbar schlecht in die Qualifikation zur WM 2014 gestartet waren. Vier der ersten fünf Spiele gingen verloren. Kampl gehörte dabei zwei Mal zum Kader, kam aber nur zu Kurzeinsätzen. Mit drei kümmerlichen Punkten zur Halbzeit der zehn Gruppenspiele, erschien die WM-Qualifikation für das kleine Land utopisch. Doch dann kam das Spiel in Island und der neue Nationalcoach Srecko Katanec bot Kampl erstmals in der A-Nationalelf von Beginn an auf. Das Spiel geriet turbulent. Einer schnellen Führung, die Kampl maßgeblich einleitete, folgten in rascher Folge zwei Gegentreffer. Die Slowenen schienen also wieder auf die Verliererstraße zu geraten. Doch nur fünf Minuten nach dem Rückstand sprintete Kampl in die Gasse, wurde von seinem Gegenspieler jedoch im Strafraum regelwidrig zu Fall gebracht, bevor er den Ball vor dem Keeper hätte aufnehmen können. Den fälligen Elfer verwandelte Sloweniens Valter Birsa und am Ende stand ein 4:2-Sieg für Kampls Team. Der nächste Gegner hieß Albanien und hier erledigte Kampl den Job höchstpersönlich, indem er den 1:0-Sieg durch einen herrlichen Distanzschuss sicherstellte. Zwei weitere Erfolge gegen Zypern und Norwegen folgten, wodurch die Slowenen vor dem abschließenden Qualifikationsspiel in der Schweiz doch tatsächlich an der Schwelle zur Teilnahme an den Play-offs standen. Kampl wusste in beiden Partien erneut zu überzeugen. Umso mehr, als er je einmal den Dosenöffnerpass spielte, der die Torvorbereiter bestens in Szene setzte. Das entscheidende Spiel in der Schweiz ging letztlich mit 0:1 verloren, die Aufholjagd blieb ohne Happy End.


Eine Kampl-Studie aus der Nationalelf:
In seinem siebten Länderspiel deutet Kampl in der WM-Quali gegen Zypern an, dass er kein Mitläufer ist.  

Wechsel in europäische Topliga drängt sich auf
Mit den Slowenen muss Kampl also noch ein wenig auf die große Fußballbühne warten. Persönlich könnte er es deutlich schneller schaffen. Zuletzt wurde er schon mit Fenerbahce Istanbul in Verbindung gebracht, einem Klub, der sich in den direkten Play-off-Duellen zur Champions League mit dem offensiven Wirbelwind auseinandersetzen durfte. Mit Red Bull Salzburg ist er nach drei Siegen in drei Spielen auf dem besten Weg die K.o.-Runde der Europa League zu erreichen. Sollten die Österreicher dort noch eine Weile mitmischen, dürfte ein Kampl in Normalform Begehrlichkeiten bei europäischen Topklubs wecken. Die Salzburger machten deshalb im September 2013 noch schnell eine Vertragsverlängerung fix, laut der Kampl bis 2018 an den Verein gebunden ist. Angeblich ist keine Ausstiegsklausel für eine feste Ablösesumme vereinbart worden. Die Verantwortlichen des Red-Bull-Klubs könnten dem Vernehmen nach aber bei einem zweistelligen Millionenangebot durchaus ins Grübeln geraten. Eine solche Summe wäre für österreichische Verhältnisse ein Quantensprung. Kampl dürfte das herzlich egal sein. Wenn er weiterhin solch starke Leistungen zeigt, dann ist ihm Österreichs Beletage bald zu klein. Denn wie hatte Ralph Hasenhüttl, Kampls Aalener Kurzzeitcoach, nach dem Verlust des Offensivtalents gegenüber den Salzburger Nachrichten gesagt: „Er ist für höhere Aufgaben geeignet. Für viel höhere. Ich meine, dass er bei Clubs spielen kann, die in der Champions League für Aufsehen sorgen.“

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