WM-Spieltag 1: Südamerikanische Zaungäste

Stellt euch vor, euer Nachbar gibt eine Riesenparty und alles was Rang und Namen hat kommt vorbei. Die Fete ist das Stadtgespräch und wird zum rauschenden Fest. Allerdings … ihr seid gar nicht mit von der Partie und dürft nur zugucken. So ähnlich müssen sich Bolivianer, Peruaner, Paraguayer und Venezolaner fühlen. Sie sind die einzigen Mitglieder des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL, die es nicht zur großen WM-Sause vor der eigenen Haustür geschafft haben.

Dabei war die Gelegenheit sich als südamerikanisches Land zur WM zu spielen nie so aussichtsreich wie in der zurückliegenden Qualifikation. Schließlich nahm Brasilien als Gastgeber gar nicht an der kontinentalen Vorausscheidung teil. Damit war ein bislang fix vergebenes WM-Ticket plötzlich frei. Die verbleibenden neun Teams rangelten um vier Startplätze. Und sogar der Fünfte sollte die Gelegenheit erhalten, sich gegen einen asiatischen Vertreter in einem Play-off für die Endrunde zu qualifizieren.

Venezuelas große Hoffnungen platzten
Insbesondere Venezuela, der ehemalige Prügelknabe des südamerikanischen Verbandes, machte sich große Hoffnungen erstmals bei einer WM teilzunehmen (s. gesonderten Beitrag –> Klick). Bis ins Jahr 2000 konnten die Venezolaner in 52 Qualifikationsspielen zu Weltmeisterschaften nur magere zwei Siege erzielen. Danach brachen sie auf, den Anschluss zu packen. Seit der Qualifikation für die WM in Deutschland errangen sie in 18 bzw. zuletzt 16 Ausscheidungspartien immer mehr als 20 Punkte. Doch auch dieses Mal blieben sie auf der Strecke und müssen trotz eines historischen 1:0-Erfolges gegen Argentinien zu Hause bleiben. Vermutlich wird der Mönchengladbacher Juan Arango (34), der als „Golden Boy“ des venezolanischen Fußballs gilt, seiner erfolgreichen Karriere keine WM-Teilnahme hinzufügen können.

Peru und Bolivien gucken in die Röhre
Mit Peru und Bolivien blicken zwei weitere Nachbarländer Brasiliens nur von außen auf das Endturnier. Peru fuhr bisher zu vier, Bolivien zu drei Endrunden, was beide zu den schwächeren Fußballnationen des Kontinents macht. Umso mehr als beide sich für die WM-Premiere 1930 gar nicht qualifizieren mussten, sich also lediglich zwei bzw. drei Mal zu einer Endrunde spielen konnten. Dabei verfügt gerade Peru mit Claudio Pizarro, Paolo Guerrero,  Jefferson Farfán und Carlos Zambrano über aktuelle oder ehemalige Bundesliga-Legionäre der besseren Art.

Erstaunlich schwaches Paraguay
Bleibt noch Paraguay, das als fünftbestes südamerikanisches Land in der ewigen WM-Tabelle und Viertelfinalist der vergangenen Endrunde etwas überraschend auf der Strecke blieb. Mit lediglich 12 Punkten zierten die Weiß-Roten um Roque Santa Cruz sogar nur das Tabellenende der Südamerika-Qualifikation.

WM-Bilanzen der CONMEBOL-Verbände (1930-2010)

Zum Vergrößern die Tabelle anklicken (Tabelle: kickschuh-blog)

Sechs Südamerikaner wollen den „Heimvorteil“ nutzen
Neben den im Vorfeld erwarteten Argentinien, Uruguay und Chile fahren also Ecuador zum dritten und Kolumbien zum fünften Mal nach Brasilien. Uruguay tat sich in der Qualifikation fast schon traditionell schwer. Zum vierten Mal in Folge mussten sie in die interkontinentalen Play-offs, zum dritten Mal gingen sie als Sieger hervor. Allen sechs Südamerikanern wird zugetraut, den kontinentalen „Heimvorteil“ für sich zu nutzen und entsprechend weit zu kommen. Immerhin errangen Argentinien, Uruguay und Chile ihre größten Erfolge allesamt auf (süd)amerikanischem Boden. Entsprechend freut sich Ecuador auf seine erste WM auf dem heimischen Kontinent.

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