WM-Spieltag 5: Back to the roots

Heute starten zwei deutsche U21-Europameister von 2009 in die Weltmeisterschaft. Damit sind aber keine Spieler von Jogi Löw gemeint, denn seinem WM-Kader gehören insgesamt sechs Spieler aus der damals siegreichen Mannschaft an. Die Rede ist von Ashkan Dejagah, der mittlerweile für den Iran spielt, und Fabian Johnson, den Jürgen Klinsmann für die US-Auswahl gewinnen konnte. Die beiden gehören zu den insgesamt neun WM-Fahrern, die ehedem für Juniorennationalmannschaften des DFB an den Start gingen, mittlerweile aber für andere Nationalteams auflaufen.

Das Gros der neun ehemaligen DFB-Juniorennationalspieler trägt heute das Jersey der US-Boys. John Anthony Brooks (Hertha BSC), Fabian Johnson (1899 Hoffenheim) und Julian Green (Bayern München) ließen sich von US-Coach Jürgen Klinsmann zu einem Verbandswechsel bewegen. Jermaine Jones (Besiktas Istanbul) optierte bereits unter Klinsmanns Vorgänger Bob Bradley für die USA. Die Suche nach Verstärkungen in Europa hat für die US-Amerikaner mittlerweile Methode. Auch die beiden WM-Fahrer Mikkel Diskerud (Rosenborg Trondheim) und Aron Jóhannsson (AZ Alkmaar) spielten im Juniorenalter noch für andere Auswahlen: Diskerud für die norwegische, Jóhannsson für die isländische. Der US-Verband profitiert dabei von der Regelung, Spieler in der eigenen Nationalmannschaft einsetzen zu dürfen, so lange sie kein Pflichtspiel für die A-Nationalelf eines anderen Landes bestritten haben. Die Riege der ehemaligen DFB-Youngster, die bei der aktuellen WM für andere Verbände antreten, komplettieren der bereits erwähnte Ashkan Dejagah sowie Kevin-Prince Boateng (Ghana), Eric Maxim Choupo-Moting (Kamerun), Ermin Bicakcic und Sead Kolasinac (beide Bosnien-Herzegowina). Der gestrige Eigentorschütze Bosniens zählte noch vor einem Jahr zum EM-Kader der deutschen U21.

Datenbasis: www.transfermarkt.de, Tabelle: Kickschuh-Blog

Datenbasis: http://www.transfermarkt.de, Tabelle: Kickschuh-Blog

FIFA erleichtert Verbandswechsel
Sämtliche Spieler, die dem DFB den Rücken gekehrt haben, haben eine Beziehung zu ihrer neuen sportlichen Heimat. Sie verfügen über zumindest einen Elternteil aus dem Land oder sind dort geboren wie Dejagah und Bicakcic. Insofern liegt ein Wechsel – quasi zurück zu den Wurzeln – auf der Hand. Umso mehr, wenn die Aussichten in der DFB-Auswahl Fuß zu fassen unklar sind und vom aufnehmenden Verband eine klare Perspektive aufgezeigt wird. Die FIFA lockerte die Regularien zum Verbandswechsel sukzessive. Sicher nicht ganz ohne Eigennutz, wird der Wettbewerb damit doch im Sinne der vermeintlich schwächeren Verbände gestärkt. Sie profitieren von gut ausgebildeten Spielern aus zumeist starken Ligen. Die wechselnden Spieler nutzen die Chance, sich international zu profilieren. Die potentiell abgebenden Verbände aus zumeist Einwandererländern, wie der schweizerische oder der DFB, waren von der Entwicklung naturgemäß weniger begeistert. Sie investieren in die Spieler und verlieren sie dann unvermittelt. Mittlerweile kehrten vier der U21-Europameister von 2009 (Dejagah, Johnson, Änis Ben-Hatira – Tunesien, Sebastian Boenisch – Polen) dem DFB den Rücken.

Weitere WM-Fahrer aus Deutschland
Bosnier, wie US-Amerikaner vertrauen bei der laufenden WM noch auf weitere in Deutschland geborene oder aufgewachsene Spieler, wenngleich diese nie für den DFB gespielt haben. Für Bosnien sind dies Jasmin Fejzic (VfR Aalen), Zvjezdan Misimovic (Guizhou Renhe), Muhamed Besic (Ferencvaros Budapest) und Sejad Salihovic (1899 Hoffenheim), für die USA Timothy Chandler (1. FC Nürnberg). Joel Matip (Schalke 04, Kamerun), José Holebas (Olympiakos, Griechenland), Kostas Mitroglou (Fulham FC, Griechenland) und Daniel Davari (Eintracht Braunschweig, Iran) vervollständigen die Riege der in Deutschland groß gewordenen WM-Spieler.

Frankreich toppt die deutsche Quote noch
Eine noch stärkere Quote an abgewanderten Juniorennationalspielern weist Frankreich auf. Sie gehen heute ausnahmslos für afrikanische WM-Teilnehmer an den Start. Vor allem Algerien – das 2009 den Antrag gestellt hatte, einen Verbandswechsel von Spielern zu ermöglichen, die bereits älter als 21 Jahre sind – profitiert mit acht ehemaligen Juniorenauswahlspielern der Équipe Tricolore von der französischen Fußballschule. Noch einmal genauso viele Akteure des aktuellen algerischen WM-Kaders wuchsen in Frankreich auf. Für Kamerun, die Elfenbeinküste und Ghana gehen sieben weitere Spieler bei dieser WM an den Start, die in Frankreich geboren wurden oder als Kinder ins Land kamen.

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