WM-Spieltag 9: Trainer aus dem Ausland

Heute ist der Tag der Kolumbianer bei dieser Weltmeisterschaft. Bei drei der sechs Teams nimmt einer von ihnen auf dem Trainerstuhl Platz. Mit den drei Trainern werden bei dieser WM genau so viele Kolumbianer andere Nationalteams betreuen wie Deutsche. Die kolumbianische Nationalelf wiederum coacht in diesen Tagen ein Argentinier. 

Honduras (Luis Suarez), Costa Rica (Jorge Luis Pinto) und Ecuador (Reinaldo Rueda) vertrauen auf die Expertise kolumbianischer Trainer. Die erste Turnierwoche stand hingegen ganz im Zeichen der Argentinier an der Seitenlinie. José Pekerman gewann mit der kolumbianischen Auswahl gegen Griechenland und die Elfenbeinküste. Sein Landsmann Jorge Sampaoli fegte mit den Chilenen nach Australien auch Spanien aus dem Turnier und der Argentinier Alejandro Sabella siegte mit seinem Heimatland gegen Bosnien-Herzegowina.

Mittel- und Südamerikaner zeigen Vorliebe für Kolumbianer und Argentinier
Nicht nur beim aktuellen Turnier, auch bei den vier vorangegangenen Weltmeisterschaften lässt sich die Vorliebe der Süd- und Mittelamerikaner für ausländische Trainer belegen. Die großen Nationen Brasilien, Argentinien und auch Uruguay rekrutieren ihre Trainer zwar beständig aus dem eigenen Pool, die anderen greifen jedoch überwiegend auf ausländisches Know-how zurück. Argentinier und Kolumbianer sind dabei am meisten gefragt. Eine Tatsache, die neben dem vorauszusetzenden Sachverstand, sicher durch die gemeinsame Sprache befördert wird. Sprechen doch außer den Guyanas und Brasilien alle Nationen in dieser Weltregion spanisch. Seit 1998 schworen jedenfalls immer zwischen ein Drittel und der Hälfte aller WM-Teilnehmer südlich von Mexiko auf die Dienste eines Ausländers an der Seitenlinie.

Europäer bevorzugen einheimische Kräfte
Die europäischen WM-Starter vertrauen hingegen traditionell auf einheimische Kräfte. Lediglich drei der dreizehn europäischen Verbände greifen in diesen Wochen auf Ausländer zurück: Griechenland auf den Portugiesen Fernando Santos, die Schweiz auf Ottmar Hitzfeld und Russland auf den Italiener Fabio Capello. Diese drei Trainer bedeuten die höchste Ausländerquote bei europäischen Teams seit das Teilnehmerfeld 1998 auf 32 Mannschaften angewachsen ist. Eine sichere Bank für einen ausländischen Trainer war zwischen 2002 und 2010 die englische. Doch weder der Schwede Sven-Göran Eriksson (2002 und 2006) noch Capello (2010) hatten beim Coaching der Auswahl des ältesten Fußballverbandes der Welt das notwendige Glück.

Afrikaner setzen überwiegend auf europäische Teamchefs
Die afrikanischen Verbände setzen ebenfalls bevorzugt auf ausländische Teamchefs. Bei vier der letzten fünf WM-Endrunden trainierten mehrheitlich Ausländer die afrikanischen Teams. Einzig 2002 wurden drei (Tunesien, Südafrika, Nigeria) der fünf Mannschaften von heimischen Coaches betreut. Vor allem Franzosen sind auf afrikanischen Trainerbänken gefragt, gefolgt von Serben und Deutschen (Winnie Schäfer 2002 bei Kamerun, Otto Pfister 2006 bei Togo und Volker Finke 2014 bei Kamerun).

Japans italienischer Trainer Alberto Zaccheroni ist einer der 14 ausländischen Trainer bei dieser WM: Illustriert im grandiosen tschuttiheft.li

Japans italienischer Trainer Alberto Zaccheroni ist einer der 14 ausländischen Trainer bei dieser WM: Illustriert im grandiosen tschuttiheft.li-Sammelalbum

Asiaten mal so, mal so
Seit 1998 fahren die asiatischen WM-Teilnehmer immer wieder unterschiedliche Strategien. Zunächst trainierte kein einziger Ausländer die Teams. Mit der WM in Fernost änderte sich dies. Der Niederländer Guus Hiddink führte die Südkoreaner bei ihrer Heim-WM auf Platz 4, der Franzose Philippe Trousier erreichte mit den japanischen Co-Gastgebern immerhin die K.o.-Runde. Der Erfolg beflügelte offenbar die Bereitschaft auf ausländisches Know-how zu setzen, denn bei der WM in Deutschland trainierten plötzlich ausschließlich Ausländer die vier asiatischen WM-Teilnehmer Südkorea, Japan, Saudi-Arabien und den Iran. 2010 schlug das Pendel wieder um. Japaner und Südkoreaner schienen fürs Erste genug gelernt zu haben und setzten wie die Nordkoreaner auf Trainer aus dem eigenen Verband. In die laufende WM gingen mit dem Iran (Carlos Queiroz/Portugal) und Japan (Alberto Zaccheroni/Italien) zwei der vier asiatischen Teams mit ausländischen Top-Trainern an den Start.

Ausländerquote auf dem Trainerstuhl tendiert gegen 50 Prozent
Bei den Weltturnieren tendiert die Quote der Teams mit ausländischen Trainern gegen 50 Prozent. 2006 waren es 15 von 32 Teams, 2010 12 und nun 14. Blöd nur, dass diese Teams statistisch betrachtet keine Aussicht auf den ganz großen Wurf haben. Noch keiner der 19 Weltmeister wurde bislang von einem ausländischen Trainer betreut.

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