WM-Spieltag 10: Statisches Teilnehmerfeld

Das Teilnehmerfeld der laufenden Weltmeisterschaft liest sich nahezu wie das der letzten Endrunde. Insbesondere in Afrika, Asien sowie Nord- und Mittelamerika gab es kaum Bewegung unter den WM-Fahrern. Mit Bosnien präsentiert sich überhaupt nur ein einziger WM-Neuling. Eine Momentaufnahme, die gewissermaßen das Dilemma des Weltfußballs aufzeigt.

Die fast schon wohltätige Botschaft (neudeutsch: Claim) der FIFA lautet „For the Game. For the World.“ Doch ausgerechnet an ihrem wertvollsten Produkt, der alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft, partizipiert das Gros der Fans überhaupt nicht. Deren Nationalteams haben schlichtweg den Anschluss an die erweiterte Weltspitze verloren oder überhaupt noch nie geschafft. Mehrere Weltregionen sind fußballerisch sprichwörtlich abgehängt. Teams aus Süd- und Südostasien sowie aus der Sahelzone und Ost- sowie Südostafrika sucht man in den WM-Chroniken vergebens. Dass sich dies in absehbarer Zeit ändern könnte, ist nicht zu erwarten (s. gesonderten Beitrag: Link).

WM-Teilnehmer: Geringste Fluktuation seit 48 Jahren
Für die letzte und die aktuelle Weltmeisterschaft qualifizierte sich nur je ein Neuling. Zunächst die Slowakei, dann Bosnien-Herzegowina (s. gesonderten Beitrag: Link). Das bedeutet in beiden Fällen die Einstellung des Minusrekordes von 1950. Beim diesjährigen Turnier hat die FIFA zudem eine überschaubare Fluktuation unter den Teilnehmern zu verzeichnen. 24 Mannschaften der laufenden Fußball-WM waren bereits 2010 am Start. Das heißt, dass sich lediglich 25 Prozent aller Teilnehmer von der Zuschauerrolle in den erlauchten Kreis der WM-Teilnehmer spielen konnten. Das ist mit Abstand die geringste Fluktuation seit der WM 1966 in England. Besonders statisch ist die Situation momentan in Afrika, Asien sowie Nord- und Mittelamerika.

Entwicklung der WM-Teilnehmer: Fluktuation und Neulinge (Tabelle: Kickschuh-Blog)

Entwicklung des WM-Teilnehmerfeldes: Fluktuation und Neulinge (Tabelle: Kickschuh-Blog)

Afrika: Die fünf gleichen Teilnehmer wie zuletzt
Auffällig ist, dass sich mit Algerien, Kamerun, Ghana, der Elfenbeinküste und Nigeria die gleichen fünf von 52 afrikanischen Teams für die WM-Endrunde qualifizieren konnten wie vor vier Jahren. Dass ein Kontinentalverband die gleichen Teams zu aufeinanderfolgenden WM-Turnieren entsendet ist ein Novum. Das Herz des afrikanischen Fußballs schlägt traditionell in West- und Nordafrika und von dort sollten in nächster Zeit auch wieder andere WM-Starter kommen. Allen voran die überfälligen Ägypter oder die Tunesier. Auch Burkina Faso und Kap Verde zeigten beim Africa-Cup und in der WM-Qualifikation zuletzt überzeugende Leistungen.

Nord- und Mittelamerika: Die vier gleichen Topteams wie 2010
35 Verbände waren in Nord- und Mittelamerika an der Ausscheidung für die laufende WM beteiligt. In einer finalen Gruppenphase spielen sechs Nationen die drei sicheren WM-Fahrer aus, der vierte muss in ein Play-off gegen einen Vertreter eines anderen Kontinentalverbandes. Wie in der Qualifikation für Südafrika 2010 rangierten unter den ersten vier Teams die USA, Mexiko, Honduras und Costa Rica, das 2010 allerdings in den Play-offs hängen geblieben war. Einzig die historisch schlechte Qualifikation Mexikos für die Endrunde in Brasilien (s. gesonderten Beitrag: Link) verhinderte, dass die vier genannten Teams zum zweiten Mal hintereinander die jeweils fünft- und sechstplatzierten Teams deutlich distanzierten.

Asien: Lediglich der Iran ersetzt Nordkorea
Asien kennt ebenfalls wenig Wechsel bei den WM-Fahrern. Mittlerweile verfügt der asiatische Fußballverband über 46 Mitglieder und vier feste WM-Startplätze. Ein fünftes Team darf noch in ein Play-off-Duell. Japan, Südkorea und Australien dürften – trotz einiger Schwierigkeiten in der zurückliegenden Qualifikation – im Normalfall drei der vier fixen Plätze besetzen. Für die restlichen anderthalb Plätze kommen – gemessen an den letzten Qualifikationen – am ehesten noch Usbekistan oder ein Golfanrainer infrage, sofern die politische Lage dort eine Konzentration auf den Fußball erlaubt.

Südamerika: Ecuador und Kolumbien verdrängen Paraguay
In Südamerika ist aufgrund der nur zehn Mitgliedsverbände ohnehin keine große Fluktuation möglich. Immerhin hat sich Ecuador nach seiner erstmaligen Qualifikation 2002 nun bereits zum dritten Mal zur Endrunde spielen können. Kolumbien feierte gerade sein Comeback und auch Paraguay sollte in absehbarer Zeit zurückkehren können. Venezuela strebt mit Vehemenz seine erstmalige Teilnahme an (s. gesonderten Beitrag: Link).

Europa: Belgien, Russland, Kroatien und Bosnien-Herzegowina neu dabei
Europa umfasst die meisten Mitglieder (53). Russland und Belgien fanden nach längerer Abstinenz wieder Aufnahme in das illustre WM-Starterfeld. Kroatien nahm sich eine kürzere Auszeit, Bosnien-Herzegowina ist der bereits erwähnte einzige WM-Neuling. Seit 1998 konnte sich immer ein neuer Staat zur WM spielen, allerdings gingen sie allesamt aus ohnehin schon erfolgreichen Verbänden hervor. Der letzte Newcomer mit langjähriger Fußball-Tradition in Europa war Griechenland 1994. Norwegen (1994) und die Türkei (2002) kehrten immerhin kurzzeitig nach jahrzehntelanger Abwesenheit zurück.

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