WM-Spieltag 13: Go west – Japans Legionäre

Japans Nationalteam agierte bei der WM bislang glücklos. Zunächst ließen sie sich von der Elfenbeinküste die Butter vom Brot nehmen und dann brachten sie es nicht fertig dezimierte Griechen zu schlagen. So verläuft der bisherige WM-Auftritt vielleicht nicht überraschend, aber insgeheim doch enttäuschend. Denn das Nationalteam aus Fernost fuhr noch nie mit einer international so erfahrenen Auswahl zu einer WM-Endrunde. 

Japans italienischer Coach Alberto Zaccheroni konnte vor der Weltmeisterschaft die Beobachtung seiner Nationalspieler zu großen Teilen in Europa erledigen. Sechs Spieler seines WM-Kaders stehen in der Bundesliga unter Vertrag: Atsuto Uchida (Schalke 04), Gotoku Sakai (VfB Stuttgart), Hiroki Sakai (Hannover 96), Makoto Hasebe, Hiroshi Kiyotake (beide 1. FC Nürnberg) und Shinji Okazaki (Mainz 05). Hinzu kommen Shinji Kagawa (Manchester United) und Maya Yoshida (Southampton FC) aus der englischen Premier League. Torwart Eiji Kawashima hütet das Tor von Standard Lüttich und Yuto Nagatomo sowie Keisuke Honda spielen in Zaccheronis Heimat für die beiden Mailänder Klubs Inter und AC. Dass mehr als die Hälfte des japanischen WM-Kaders im Ausland spielt – und dann auch noch bei Erstligisten in starken europäischen Ligen – stellt ein absolutes Novum dar. Einzig Yuya Osako kommt vom deutschen Zweitligisten 1860 München.

Japans europäische WM-Fahrer überwiegend Stammspieler in ihren Klubs
Die japanischen Europa-Legionäre zählen zwar nicht unbedingt zu den Leistungsträgern ihrer Vereine, außer den beiden Premier-League-Akteuren Kagawa und Yoshida dürfen sich aber alle als Stammspieler ihrer Klubs bezeichnen. Sofern sie gesund waren, liefen sie in mindestens drei Viertel aller Spiele von Beginn an auf. Das zeigt, dass Japan mittlerweile über einen Kader verfügt, der neben den heimischen J-League-Profis über zahlreiche Spieler verfügt, die die europäische Wettkampfhärte gewohnt sind und sich mitunter auch schon in der Champions League beweisen durften.

Anzahl der Europa-Legionäre steigt beständig
Seit Japan 1998 erstmals die WM-Bühne betrat, erhöhte sich die Anzahl der Europa-Legionäre stetig. 1998 setzte sich der erste WM-Kader der Japaner noch ausschließlich aus Spielern der heimischen J-League zusammen, die 1993 den Profifußball in Japan etabliert hatte. Zur Heim-WM 2002 fuhren vier Europa-Legionäre. Von ihnen reiste Shinji Ono von Feyenoord Rotterdam gar als UEFA-Pokal-Sieger an. Er sowie Junichi Inamoto (Arsenal FC) und Yoshikatsu Kawaguchi (Southampton FC) profitierten vom überraschenden zweiten Platz Japans beim Confed-Cup ein Jahr vor der WM, denn danach wechselten sie in den Westen. Topstar Hidetoshi Nakata war dies bereits nach seinem WM-Auftritt 1998 gelungen, als er von Perugia angeworben wurde. 2006 verdienten sieben japanische WM-Spieler ihr Geld in Europa, vier Jahre später gab es einen leichten Rückgang auf vier Spieler zu verzeichnen. Die zwölf Spielern von heute bedeuten den Topwert.

Datenbasis: www.weltfußball.de, Tabelle: Kickschuh-Blog

Datenbasis: http://www.weltfußball.de, Tabelle: Kickschuh-Blog

Kagawa löst Bundesliga-Boom aus
Insbesondere in der Bundesliga herrschte in den letzten Jahren ein regelrechter Japan-Boom. Geriet vor zehn Jahren die Verpflichtung von Naohiro Takahara durch den Hamburger SV noch in den Verdacht eher dem Marketing als der Leistung geschuldet zu sein, so änderte sich dies mit der Verpflichtung Shinji Kagawas durch Borussia Dortmund. Er avancierte 2010 zum erst zehnten Bundesliga-Japaner und hatte seinen maßgeblichen Anteil an den beiden Meisterschaften der Dortmunder in den Jahren 2011 und 2012. Anschließend transferierte ihn der BVB für 16 Millionen Euro an Manchester United. Die deutschen Klubs hatten Blut geleckt, japanische Spieler waren gefragter denn je. Nach Kagawas Abschied spielten schon neun zumeist junge, preiswerte Profis aus Fernost in der Bundesliga und fielen zumeist durch ihre feine Technik auf. In der vergangenen Spielzeit durften acht Japaner in der Bundesliga ran. Zusätzlich befördert wurde der Boom durch die guten Japan-Kontakte von Spielerberater Thomas Kroth, der nahezu alle „deutschen“ WM-Fahrer der Japaner zu seinen Klienten zählt.

Japaner und Südkoreaner zieht es vermehrt nach Deutschland
Dass die deutschen Klubs auch den südkoreanischen Spielermarkt im Blick behalten, bestätigt die Tatsache, dass fünf WM-Spieler aus Südkoreas Kader bei deutschen Erstligisten unter Vertrag stehen. Generell ist die Bundesliga derzeit für südkoreanische und japanische Profis die attraktivste 1. Liga Europas. In keiner der 25 Topligen Europas von England bis Bulgarien spielen mehr Spieler aus den beiden ostasiatischen Ländern, als in der Bundesliga.

Trend wird wieder abebben
Es ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche, dass auch dieser Trend wieder einmal abebben wird. Das zeigt das Beispiel des Iran. Dessen Nationalspieler waren vor zehn bis fünfzehn Jahren in der Bundesliga gefragt. 1998 stellte die Bundesliga mit drei Spielern die einzigen Legionäre in Irans WM-Kader. 2006 gab es dann bereits fünf Europa-Legionäre, von denen wiederum vier aus der Bundesliga stammten. In der vergangenen Saison spielte nur ein Iraner in Deutschlands Eliteliga: Der in Gießen geborene Deutsch-Iraner und WM-Fahrer Daniel Davari.

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