WM-Spieltag 17: Van Gaals untypischer Nationalspieler

Louis van Gaal hat die niederländische Nationalmannschaft seit seiner Amtsübernahme im Jahr 2012 ordentlich umgekrempelt. Nur noch sieben Spieler aus dem Vizeweltmeisterteam von 2010 reisten mit nach Brasilien. Seinem Credo folgend hat er den Kader ordentlich verjüngt und coacht nun eines der jüngsten Teams bei der WM. Ein Mitglied der Elftal, das unter van Gaal sein Länderspieldebüt gefeiert hatte, will dabei aber so gar nicht ins sonst übliche Beuteschema des Bondscoachs passen: Paul Verhaegh, 30-jähriger Kapitän des FC Augsburg.

Als sich die Nationalelf der Niederlande Ende Mai 2010 gerade auf die WM in Südafrika vorbereitete, vermeldete der damalige Zweitligist FC Augsburg einen Neuzugang aus den Niederlanden. Für 300.000 Euro wechselte der hierzulande weithin unbekannte Paul Verhaegh von Vitesse Arnheim zu den Schwaben. 2006 und 2007 zählte der Rechtsverteidiger zwar zu den beiden U21-Europameistermannschaften der Niederlande, eine daran anschließende Karriere in der Elftal blieb ihm jedoch verwehrt. Die ganz große Karriere schien mit dem Wechsel nach Augsburg nicht mehr auf den Niederländer zu warten, der in seiner Heimat auf 170 Erstligaeinsätze kam.

Bundesligaaufstieg und Kapitän
In Augsburg etablierte sich der damals 26-jährige sofort als Stütze des Teams. Im ersten Jahr gelang der Bundesligaaufstieg und Verhaegh führte die Mannschaft 2011 als Kapitän ins Unternehmen Klassenerhalt. Drei Jahre später hat sich der FC Augsburg fürs Erste in der Bundesliga etabliert, mit dem Niederländer als zuverlässigen Dauerbrenner hinten rechts. Was so nicht zu erwarten war: mit seiner grundsoliden Spielweise schaffte es Verhaegh tatsächlich in den Notizblock von Bondscoach van Gaal. Dabei schien er so gar nicht dessen Anforderungsprofil zu entsprechen. Der ehemalige Bayern-Coach setzt mit Vorliebe auf junge Spieler, denen er sein bedingungsloses Vertrauen ausspricht und die es oft genug mit ihrer Leistung zurückzahlen. Dementsprechend hatte van Gaal nach seinem Amtsantritt phasenweise eine Viererkette in der Nationalelf spielen lassen, die ausschließlich aus U21-Spielern bestand.

Nationalelfdebüt und WM-Nominierung
Getreu dem Motto unverhofft kommt oft, feierte Verhaegh im August 2013 gegen Portugal sein Elftal-Debüt. In den noch ausstehenden WM-Qualifikationsspielen blieb er ohne Einsätze, gehörte aber immerhin zum Kader. Da er für die Testspiele im November nicht nominiert wurde,  stand ein rasches Ende seiner Nationalelfkarriere zu befürchten. Umso mehr, als er sich vor dem letzten Härtetest gegen Frankreich im März verletzt hatte und eine eventuelle Nominierung nicht hätte annehmen können. Der Aha-Effekt war deshalb für Außenstehende groß, als Verhaegh im Frühjahr in den erweiterten Kader für die WM berufen wurde. In die Karten spielte ihm sicherlich, dass Gregory van der Wiel von Paris St. Germain verletzungsbedingt passen musste. Er galt neben Daryl Janmaat als wahrscheinlichster Kandidat für die Position des Rechtsverteidigers. Blieb noch der junge Rechtsverteidiger Ricardo van Rhijn von Ajax Amsterdam als weiterer Anwärter. Angesichts der zahlreichen jungen Spieler in der niederländischen Abwehr, die überwiegend bei Ajax und Feyenoord Rotterdam spielen, hätte sich seine Nominierung aufgedrängt. Doch van Gaal entschied sich für den Augsburger Kapitän, den selbst der „kicker“ in der abgelaufenen Saison keineswegs in herausragender Form gesehen hatte. Mit einem Notenschnitt von 3,43 siedelte er ihn in der Kategorie „Abwehr“ nicht einmal unter den Top 20 an. Letztlich dürfte die zuverlässige Spielweise und Erfahrung den Ausschlag für Verhaegh gegeben haben, der im Notfall hinter Arjen Robben den Laden dicht halten kann.

Steigt Verhaegh ins Turnier ein?
Eigentlich durfte sich Verhaegh bezüglich eines WM-Einsatzes keinerlei Illusionen hingeben. In den Vorbereitungsspielen kam er lediglich einmal gegen Ecuador zum Zug und auch in den drei erfolgreichen Gruppenspielen der Oranjes blieb er außen vor, obwohl van Gaal im letzten Spiel gegen Chile rotierte. Ihm schien die Rolle zugedacht, die im deutschen Kader Erik Durm oder Kevin Großkreutz ausfüllen, die des Vertreters für den Fall, dass der Stammspieler verletzt oder gesperrt ist. Beides ist bei Rechtsverteidiger Daryl Janmaat nicht der Fall, der bislang alle drei WM-Spiele bestritt. Wie der „kicker“ allerdings soeben vermeldet, ließ der Bondscoach Verhaegh beim letzten Training vor dem Achtelfinale gegen Mexiko in der vermeintlichen Startelf trainieren. Ob er tatsächlich aufläuft, bleibt zunächst reine Spekulation. Es wäre nicht das erste Mal, dass van Gaal blufft. Alleine die Tatsache, dass über einen WM-Einsatz Verhaeghs spekuliert wird, ist schon eine große Anerkennung für den Spätberufenen, durfte er sich doch vor einem Jahr noch nicht einmal in der Nähe der Elftal wähnen.

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