Konkurrenzlose Bayern: Zahlen und Gründe

Das Wochenende hält den 13. Bundesligaspieltag bereit und Ligaprimus Bayern gastiert bei Hertha BSC. War da nicht was? Genau! Vor etwas mehr als acht Monaten feierten die Münchener in der Hauptstadt ihre 24. Deutsche Meisterschaft … nach dem 27. Spieltag … am 25. März! Gut möglich, dass die Bayern vor dem Rückspiel gegen Berlin schon wieder Meister sind. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache.

Der Meistertitel führt nur über die Bayern. So viel ist im Grunde genommen vor jeder Saison klar. Die Dominanz nahm jedoch in den vergangenen beiden Jahren bedenkliche Züge an. 2013 stand der Titelgewinn bereits nach dem 28. Spieltag am 6. April fest. Der Vorsprung betrug am Ende auf den Zweitplatzierten Borussia Dortmund aberwitzige 25 Punkte. 2014 fuhren Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger & Co. die Meisterschaft – wie eingangs beschrieben – noch früher ein. Lediglich eine „Schwächephase“ nach dem eingetüteten Meistertitel sorgte dafür, dass der Vorsprung auf „Verfolger“ Dortmund auf 19 Punkte „zusammenschmolz“.

Wird Bayern am 27. Spieltag in Dortmund Meister?
In diesem Jahr schicken sich die Bayern erneut an, die Konkurrenz zu deklassieren. Trotz zahlreichen WM-Spielern im Aufgebot, trotz Verletzungspech. Der hervorragende Saisonstart und die Statistiken der letzten Jahre lassen nur einen Schluss zu. Bayern schickt sich wieder an, am 27. Spieltag die Meisterschale in Empfang zu nehmen. Das wäre am ersten Aprilwochenende, ausgerechnet in Dortmund.

Bayerns Dominanz in Zahlen (saisonübergreifend)
Die folgenden Zahlen müssen sich für die nationale Konkurrenz wie eine Bankrotterklärung lesen:

  • 0: Niederlagen – wie heute – hatten die Bayern zu diesem Zeitpunkt der Saison seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995/96 erst zweimal. 2007/08 hatten sie am der Saison 10 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten. 2013/14 die bereits erwähnten 19.
  • 2: In lediglich zwei Spielzeiten war seit Einführung der Drei-Punkte-Regel der Vorsprung der Bayern am 12 Spieltag größer als heute. 1998/99 und 2012/13 hatten sie jeweils acht Punkte Vorsprung auf ihren ärgsten Verfolger. Am Ende der jeweiligen Spielzeiten war der Vorsprung dann auf 15 bzw. 25 Punkte angewachsen.
  • 3: So viele Partien umfasste Bayerns längste Durststrecke seit der Spielzeit 2011/12, in der Jupp Heynckes wieder das Traineramt übernahm. Just nachdem die letztjährige Meisterschaft in Berlin besiegelt war, folgten ein Unentschieden gegen Hoffenheim sowie Niederlagen gegen Augsburg und Dortmund.
  • 6: Lediglich sechs deutsche Vereine schafften es seit August 2011 gegen die Bayern zu gewinnen. In gerade einmal 10 der 114 Bundesligapartien verließen die Bayern als Verlierer den Platz. Die siegreichen Kontrahenten waren Borussia Dortmund (3x), Borussia Mönchengladbach (2x), Bayer Leverkusen (2x), Hannover 96 (1x), Mainz 05 (1x) und der FC Augsburg (1x).
  • 26: In so vielen Ligaspielen gewannen die Bayern zuletzt unter Jupp Heynckes und Pep Guardiola in der Bundesliga mit mehr als drei Toren Unterschied, also in rund 23 Prozent aller Partien.
  • 44: Um sage und schreibe 44 Punkte hatten die Bayern in den vergangenen beiden Bundesligaspielzeiten zusammen den Tabellenzweiten distanziert.
  • 79: Nahezu vier von fünf Bundesligapartien (79 Prozent) haben die Bayern in den vergangenen dreieinhalb Jahren gewonnen.
  • 84: An so vielen Spieltagen führten die Bayern seit Juli 2011 die Bundesliga an (74 Prozent).
  • 95: Nahezu die optimale Ausbeute holten die Bayern im DFB-Pokal. 95 Prozent aller Spiele gewannen die Bayern seit Sommer 2011. Die einzige Niederlage in 20 Partien setzte es im Pokalfinale 2012 gegen Dortmund.

Die Bayern dominieren die nationalen Konkurrenzen also nach Belieben. Selbst Dortmund hatte in den letzten zweieinhalb Jahren zwar Nadelstiche in den direkten Duellen setzen können, blieb aber in der Gesamtabrechnung chancenlos.

Gründe der Dominanz
Was macht Bayerns Stärke aus? Hier lassen sich mehrere Faktoren nennen:

  • Lange europäische Flaute:
    Das Selbstbewusstsein der Bayern besagt, dass internationale Erfolge her müssen. Nach dem Champions-League-Erfolg 2001 folgte eine Phase, in der die Bayern nicht mit den Spitzenklubs aus Italien, England und Spanien mithalten konnten. Um diese Lücke zu schließen, mussten die Bayern investieren. Und zwar vermehrt in Topspieler aus dem Ausland.
  • Toptransfers:
    Dieser Paradigmenwechsel erfolgte 2006 sanft, als Mark van Bommel aus Barcelona kam, und 2007 vehement, als mit Luca Toni und Franck Ribéry zwei Akteure für über 35 Millionen Euro aus Italien bzw. Frankreich verpflichtet wurden. 2009 kamen Anatoliy Tymoshchuk und Arijen Robben für nochmals 35 Millionen Euro. Für Jérome Boateng (2011), Javi Martinez (2012), Xherdan Shaqiri (2012), Thiago Alcántara (2013), Medhi Benatia (2014), Juan Bernat (2014) und Xabi Alonso (2014) legten die Bayern weitere 140 Millionen Euro auf den Tisch. Aus der Bundesliga selbst verpflichteten sie mit Manuel Neuer, Mario Gomez, Mario Mandzukic, Mario Götze und Robert Lewandowski weitere Hochkaräter. In Summe ist kein anderer Bundesligist in der Lage, um solche Spieler mitzubieten.
  • Aufmüpfige Dortmunder:
    Die überzeugenden Dortmunder Meisterschaften 2011 und 2012 stachelten die Vereinsverantwortlichen der Bayern und die Spieler regelrecht an. Der heimische Pokal und die Bundesliga wurden nicht mehr als lästige Pflicht, sondern als Wettbewerbe und Basis für den internationalen Erfolg verinnerlicht. Die aufmüpfigen Dortmunder galt es mit einem äußerst dominanten Spielstil in die Schranken zu weisen.
  • Richtige Personalentscheidungen:
    Mit Louis van Gaal verpflichtete Bayern 2009 den Wegbereiter des heutigen Erfolgs. Er schenkte blutjungen Spielern wie Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller sein Vertrauen. Er etablierte die Flügelzange Ribéry und Robben. Er zog Schweinsteiger ins Zentrum. Jupp Heynckes fügte van Gaals Offensivdrang eine defensive Stabilität hinzu, die in der alles überragenden Saison 2012/13 mündete, als sämtliche Titel errungen wurden. Pep Guardiola hob den Spielstil seither nochmals auf eine höhere Ebene. Dass Matthias Sammer 2012 als Manager installiert wurde, ist ebenfalls nicht hoch genug einzuschätzen. Er hat als Spieler und junger Trainer Titel errungen. Er ist der personifizierte Ehrgeiz. Er duldet keinen Schlendrian. Er gibt beinahe schon auf beängstigende Weise den Wiedergänger von Uli Hoeneß.
  • Die Marke FCB:
    Bayern besitzt internationale Strahlkraft, die zugleich enorme Einnahmen generiert. Adidas, Audi und Allianz halten ein Viertel der Anteile an der FC Bayern AG. Dies spülte laut Spiegel online seit 2001 275 Millionen Euro in die Kassen des Klubs. Auf diese Weise konnte der Verein das neue Stadion nicht in den ursprünglich vorgesehenen 25 Jahren bezahlen, sondern in weniger als zehn Jahren! Damit ist zukünftig mehr Geld frei für Investitionen. Durch die Erfolge in der Champions League (drei Finalteilnahmen seit 2010) ist der Klub für europäische Topspieler und -trainer wie Pep Guardiola interessant geworden.
  • Das Selbstverständnis:
    Bayern will immer top sein. Im Kader stehen fast ausschließlich Spieler von internationalem Format, die in jedem anderen Bundesligaklub unumstrittene Führungsspieler wären. Sie funktionieren bei den Bayern als hervorragendes Kollektiv, das sich seiner Stärke bewusst ist und mittlerweile auch in Europa mit dem Selbstverständnis auftritt, jeden schlagen zu können. Eine Gewissheit, die allen voran Schalkern, Wolfsburgern oder Leverkusenern abgeht, und die Probleme haben, auf beiden Hochzeiten erfolgreich zu tanzen, geschweige denn eine ernsthafte Konkurrenz für die Bayern darzustellen. Selbst Dortmund kann da nicht Schritt halten.
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