Esbjerg fB und der österreichische Spielverderber

Eintrittsticket Efb-MidtjyllandDie dänische Superligaen steht bei den deutschen Fußballfans nicht gerade hoch im Kurs. Bewegtbilder gibt es im deutschen TV nicht zu sehen und zu selten kreuzen sich die Wege dänischer und deutscher Klubs im Europapokal. Anfang der Saison kam es zu einer dieser raren Begegnungen. Bayer Leverkusen ließ Dänemarks Vorzeigeklub, den FC Kopenhagen, in der Qualifikation zur Champions League (3:2 und 4:0) keine Chance. Da traf es sich doch gut, einmal den Thronfolger unter die Lupe zu nehmen. Der der Konkurrenz enteilte FC Midtjylland aus Jütland gab sich in Esbjerg die Ehre.

Die Ausgangslage: Die dänische Spitzenliga besteht aus 12 Teams, die in 33 Spielrunden ihren Meister ausspielt. Das heißt, jeder Klub trifft dreimal auf die anderen Konkurrenten. Nach zwei Drittel der Saison thronte der FC Midtjylland aus dem zentraldänischen Herning vor dem Osterwochenende unangefochten auf Rang eins. Verfolger FC Kopenhagen lag elf Punkte dahinter. Die Aussicht erstmals die dänische Meisterschaft einzufahren, ist also groß. Esbjerg fB rangiert hingegen auf Platz neun im Niemandsland der Tabelle. Der Abstand auf die internationalen Plätze sowie die Abstiegsplätze elf und zwölf ist mit neun bzw. elf Punkten groß. Am Ostersonntag kam es bereits zum vierten Duell in der laufenden Spielzeit. Während der Ligakrösus die beiden Ligaspiele im heimischen Stadion für sich entschied (3:0 und 2:0), kam Esbjerg im Pokal zu Hause mit 3:0 weiter.

Das Stadion: Die Blue Water Arena ist Teil des Sport & Event Park Esbjerg, zu dem u.a. noch ein Leichtathlektikstadion und eine Eishockeyhalle gehören. Die Blue Water Arena ist topmodern und ein kleines Schmuckstück. Seit 1955 werden hier bereits Fußballspiele ausgetragen, 2008 und 2009 wurde die Arena jedoch gründlich umgebaut. Heute finden rund 18.000 Zuschauer in dem – bis auf die Haupttribüne – doppelstöckigen reinen Fußballstadion Platz. Die Wege sind kurz, die Sicht hervorragend. Auch nicht ganz unwichtig: Die Parkplatzmöglichkeiten sind gut. Obwohl das Stadion inmitten eines Wohngebiets liegt, findet man selbst 20 Minuten vor dem Anpfiff noch in Sichtweite zum Stadion Parklücken.

Vollversammlung im Strafraum: Der Keeper von Midtjylland fängt eine Flanke ab (Quelle: kickschuh.wordpress.com)

Vollversammlung im Strafraum: Der Keeper von Midtjylland fängt eine Flanke ab (Quelle: kickschuh.wordpress.com)

Die Stimmung: Vielleicht lag dies auch an der steigerungsfähigen Zuschauerzahl? Lediglich 7.600 Zuschauer wohnten am Ostersonntag-Abend dem Duell gegen den Tabellenführer bei. Und das, obwohl Herning und Esbjerg gerade einmal 88 Kilometer trennen. Kein Ligakonkurrent liegt näher an Esbjerg, das als einzige Stadt an der Nordseeküste einen dänischen Erstligisten beheimatet. Das Gros der Klubs ist im Osten Dänemarks anzutreffen. Rambazamba machten hauptsächlich die Fans des Tabellenführers. Singender Dauersupport wurde groß geschrieben, mit in Deutschland wohl vertrauten Melodien. Selbst nach Gegentreffern wurde einfach weitergesungen. Die Heimfans waren hingegen enttäuschend. Lediglich ein kleiner Block in der einen Ecke des Stadions ist den aktiven Fans zugewiesen. Der Rest ist größtenteils Schweigen. Selbst bei der Rückkehr der Teams nach der Halbzeit gab es weder Pfiffe gegen das gegnerische, noch Applaus für das heimische Team. Nordische Zurückhaltung?

Unverhofftes Comeback: Esbjerg dreht einen 0:2-Rückstand binnen sieben Minuten und erreicht dennoch nur ein Remis (Quelle: kickschuh.wordpress.com)

Unverhofftes Comeback: Esbjerg dreht einen 0:2-Rückstand binnen sieben Minuten und erreicht dennoch nur ein Remis (Quelle: kickschuh.wordpress.com)

Das Spiel: Gepflegte Ballstafetten, keine übermäßige Härte, vielversprechendes Flügelspiel und haarsträubende Abwehrfehler. So ließe sich das Spiel am besten beschreiben. Nachdem in den ersten 30 Minuten keine Tore fielen, zog Midtjylland, das mit drei Nigerianern hinter dem Mittelstürmer Martin Pusic auflief, das Tempo an. Prompt enteilte Rilwan Hassan zweimal seinem Gegenspieler auf dem rechten Flügel passte ins Sturmzentrum, wo der Österreicher Pusic in allerbester Torjägermanier einnetzte. Das Spiel schien nach diesem Doppelschlag gelaufen. Esbjerg spielte weiter nach vorne, ohne sich zwingende Torchancen zu erspielen, während der Tabellenführer fahrlässig mit den sich bietenden Konterchancen umging. Mehrere wurden durch ungenaue finale Pässe zunichte gemacht und eine Hundertprozentige verstolpert. Nichts deutete darauf hin, dass Esbjerg tatsächlich noch einmal zurückkommen sollte, doch genau das geschah. Binnen sieben Minuten erzielte das Heimteam drei Tore, wobei alle Torschützen im Strafraum sträflich ungedeckt einschießen, bzw. -köpfen konnten. Doch Midtjylland schlug noch einmal zurück. In der 90. Minute zeigte erneut Pusic seinen Torjägerinstinkt und erzielte mit seinem 15. Saisontreffer den 3:3-Endstand. Pikante Note am Rande: Bis Anfang Februar stürmte Pusic für Esbjerg, nun traf der ehemalige österreichische Juniorennationalspieler seine alten Kameraden dreimal mitten ins Herz. Von Zurückhaltung gegenüber seinem vorherigen Arbeitgeber also keine Spur. Und auch beim Jubel hielt sich die Nummer zehn der Gäste nicht zurück.

Die Tore in der Zusammenfassung:

Was bleibt? Ein schöner und torreicher Fußballabend in einem hübschen und kompakten Stadion mit stimmungsvoller (Gästefans) und unaufgeregter (Heimfans) Atmosphäre. Nervig ist allerdings, dass auf den beiden Anzeigetafeln permanent Spielszenen bis zum Exzess eingespielt wurden. Nahezu jede Szene, die zu einer Spielunterbrechung führte, wurde bis zu sechsmal gezeigt. Auch die aktualisierten Tippquoten wurden nach jedem Tor großflächig ins Bild gerückt. Auf europäischer Ebene muss sich der Tabellenführer nächste Saison cleverer anstellen. Nach vorne müssen die Chancen zwingender zu Ende gespielt werden, hinten darf die Konzentration nicht nachlassen. Sonst ist schnell Schluss im Konzert der Großen. Esbjerg hingegen wird bis auf Weiteres ein unspektakuläres Dasein in der Erstklassigkeit verleben. Wie Fans beim Verlassen des Stadions berichteten, versteht sich EfB als Ausbildungsverein, der regelmäßig seine besten Spieler ziehen lässt, siehe Pusic. Dass damit natürlich wenig zu holen ist, dürfte die Reserviertheit der Zuschauer erklären. Die Mehrheit scheint keine allzugroßen Ansprüche zu stellen.

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