Spieltag 3: SVD vs. TSG 1899 Hoffenheim

svd-vs-hoffe_250pxSamstag, 15:30 Uhr, ist wieder Bölle-Zeit. Zu Gast ist die TSG aus dem 90 Kilometer entfernten Hoffenheim. Der Emporkömmling hat sich – wenig überraschend – seit seinem Bundesligaaufstieg 2008 im Oberhaus etabliert. Mittlerweile blicken die Kraichgauer auf mehr Erstligajahre zurück als Rot-Weiß Essen, Waldhof Mannheim oder Kickers Offenbach.

So sieht’s aus:
Nach wie vor alles Bestens am Bölle. Den Punktgewinn auf Schalke hatten die Wenigsten auf dem Zettel. Die Defensive stand kompakt und sicher, nach vorne wurden Nadelstiche gesetzt. So weit, so bekannt. Dass die bewährte Zweitligataktik auch in Liga 1 funktioniert, lässt für kommende Aufgaben hoffen. Die Experten sind derweil dabei das „Erfolgsgeheimnis“ der Lilien zu entschlüsseln. So bemerkt Tobias Escher, Mitbegründer von www.spielverlagerung.de, dass das in der Bundesliga weithin praktizierte Pressing bei den 98ern ins Leere läuft. Schließlich legen Dirk Schusters Jungs keinen allzu großen Wert auf Ballbesitzfußball, sondern schlagen den Ball schnörkellos nach vorne. Escher macht den Lilien sogar Hoffnung:

„Schalke ist nicht das einzige Bundesliga-Team, das Probleme hat, einen defensiven Riegel zu knacken. Darmstadt wird den eigenen Weg weitergehen und versuchen, als fußballerischer Anachronismus die Bundesliga aufzumischen.“ (Link)

Das Spiel bei S04 führte gleichwohl dazu, dass erste kritische Stimmen aufkamen. Von unsäglichem Zeitspiel war in Gelsenkirchen die Rede. Nun: Die Klagen kennen wir bereits vom letzten Jahr, als sich etwa die Zuschauer in Leipzig über die sich am Boden wälzenden Spieler aus Darmstadt beschwerten. Um es klarzustellen: Ich bin ebenfalls kein Fan von Spielverzögerungen. Aber ein Underdog wie Darmstadt sucht sich eben seine Freiräume, sei es der lange, öffnende Ball auf die Flügel oder eben das Zerstören des Spielflusses beim Gegner. Die 98er haben auf Schalke die Grenzen des Erlaubten ausgelotet, diese aber nicht überschritten. Keine der beiden gelben Karten verhängte der Schiedsrichter wegen Zeitspiels.

Hoffenheim startete auf dem Papier schlecht in die Saison. Doch bei genauerer Betrachtung überrascht lediglich das Pokalaus bei 1860 München. Knappe und unglückliche Niederlage in Leverkusen und gegen Bayern sind nun wahrlich kein Makel. Wie Darmstadt gingen die Hoffenheimer in beiden Bundesligapartien in Führung. Während die Lilien am Ende jeweils einen Punkt mitnehmen konnten, kassierten die Hoffenheimer noch jeweils zwei Treffer. Die Gäste werden deshalb am Samstag im Bölle bis in die Haarspitzen motiviert auftreten, um nicht einen kompletten Fehlstart hinzulegen. Das Potential im Kader der Gäste ist enorm, selbst wenn deren Coach Markus Gisdol nach dem späten Siegtor der Bayern im SWR auf Understatement machte: So sei das eben, wenn 30-Millionen-Mann Douglas Costa in der entscheidenden Szene auf einen 3-Millionen-Gegenspieler treffe. Mal sehen, wie er über den ablösefreien Marcel Heller sprechen wird!

Neu hinzugekommen ist in dieser Woche der Chilene Eduardo Vargas, ein international erfahrener Stürmer für 6 Millionen Euro. Vorne sind sie mit Kevin Kuranyi und Kevin Volland ohnehin schon überaus namhaft besetzt. Die Darmstädter Verteidiger werden sich darauf einstellen dürfen, es mit permanent anlaufenden Gäste-Stürmern zu tun bekommen. Gedanken- und Aktionsschnelligkeit sind also wieder gefragt.

Alte Bekannte:
2009 weilte Niklas Süle für ein halbes Jahr am Böllenfalltor. Als 14-jähriger trug er die Lilie auf der Brust, bevor der Eintracht-Neuzugang nach Hoffenheim weiterzog. Wie mir Björn Kopper, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums der 98er, sagte, konnte Süle damals beim ambitionierten Klub Schule und Fußball besser miteinander vereinbaren als am Bölle. Bereits vor zwei Jahren hatte der Abwehrspezialist, der nächste Woche 20 Jahre alt wird, bei den Profis einen Fuß in der Tür. Selbst ein Kreuzbandriss im vergangenen Jahr bremste ihn nicht aus, er spielte sich prompt wieder in die Stammelf der TSG. Sein Stellenwert bei den Badenern ist folglich ungebrochen hoch. Nachvollziehbar, dass sie seinen Vertrag unlängst um zwei Jahre bis 2019 verlängerten.

Wir & Die & Die Bundesliga:
Komplette Fehlanzeige. Als Darmstadt 98 im Oberhaus mitmischte, spielte die TSG noch auf Kreisliganiveau. Dann stieg 1989 Dietmar Hopp ein und legte den Grundstein für den Aufstieg des Dorfvereins. Der Mäzen verstand es nicht nur, enorme Summen in seinen Heimatverein zu pumpen, er scharte auch reichlich Fußball-Sachverstand um sich. Ob sich der Bundesligist irgendwann einmal selbst refinanzieren kann, bleibt abzuwarten. Schon 2010 erlösten sie für Carlos Eduardo und Luiz Gustavo über 30 Millionen Euro. Die 41 Millionen Euro für Roberto Firminho bestätigten im aktuellen Transferfenster, dass der Kader weiterhin hohe Transfererlöse hergibt. Sollten Kevin Volland oder Niklas Süle weiterhin überzeugende Leistungen bieten, dann dürften sie dem Klub über kurz oder lang ebenfalls ordentliche Einnahmen bescheren.

Ach ja, an diesem Spieltag vor fünf Jahren …
… spielten die Lilien vor offiziell 302 Zuschauern bei der Zweitvertretung des Clubs in Nürnberg. Markus Brüdigam stellte den letztlich etwas schmeichelhaften Sieg der 98er sicher, der den ersten Auswärtssieg nach über 20 Monaten bedeutete. Für den „kleinen“ Club liefen damals Philipp Wollscheid und Timothy Chandler auf. Die Lilien verstärkte damals schon Yannick Stark.

Und was machen die Junglilien?
Die sollten sich ein Beispiel an der Lilien-Mannschaft von 2010 nehmen, denn sie fahren am Wochenende nach Nürnberg. Der Start in die Junioren-Bundesliga verlief für die U19 der Lilien ernüchternd. Dem 0:8 gegen Hoffenheim folgte am vergangenen Samstag ein 0:2 gegen Mitaufsteiger Ingolstadt. Der noch ungeschlagene Club-Nachwuchs ist hingegen gut drauf. Einem Remis gegen die U19 der Bayern, folgte ein Sieg beim Nachwuchs des VfB Stuttgart.

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