You’ve come a long way, Cymru!

Ausschnitt eines walisischen Kfz-Kennzeichens (Quelle: kickschuh.wordpress.com)Wer kennt Ivor Allchurch? Nun, außerhalb von Großbritannien vermutlich nicht allzu viele Zeitgenossen. Der Stürmer war einer der Angreifer, die Wales‘ finest hour im Fußball maßgeblich mitgeprägt haben. Das war 1958, als die britische Nation erst- und zugleich letztmals bei einem internationalen Turnier vertreten war; der WM in Schweden. Am morgigen Sonntag können Allchurchs fußballerische Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel die lange Zeit des Wartens beenden und Wales erstmals auf direktem Weg zu einer Endrunde schießen. Es wäre das Ende eines 58-jährigen Anrennens und dabei würde sich zugleich ein Kreis schließen:

Zürich, Ende 1957: Die FIFA steckt in einem Dilemma. Im Sommer 1958 findet die 6. Fußball-Weltmeisterschaft in Schweden statt. Das Teilnehmerfeld steht, doch der Fußballverband Israels sorgt beim Weltverband für Kopfzerbrechen. Dessen Nationalelf hat sich zur Endrunde gespielt, ohne auch nur einmal antreten zu müssen. Nacheinander hatten sich in Zeiten der Suez-Krise die Türkei, Ägypten, der Sudan sowie Indonesien geweigert gegen, beziehungsweise in Israel aufzulaufen.

Der kuriose Umweg zur WM-Endrunde
Die FIFA will den sportlichen Wert der Endrunde nicht verwässern und ordnet deshalb ein Relegationsduell zwischen Israel und einem der Gruppenzweiten der neun europäischen Qualifikationsgruppen an. Belgien wird als „Lucky Loser“ gezogen, verzichtet jedoch gleichfalls, so dass Wales als das nächstgezogene Team zum Zug kommt. Die Waliser besiegen die Israelis sowohl im Hin- wie im Rückspiel mit 2:0 und zählen damit zu den 16 Teams, die nach Schweden fahren.

Vom Außenseiter zum Viertelfinalist
Angreifer Ivor Allchurch hatte sich in den Playoffs als Torschütze hervorgetan und reist als erfahrenster Nationalspieler seines Teams zum Weltturnier. Auch dort verewigt sich der Stürmer von Swansea Town in den Annalen. Zunächst sichert sein Tor ein Remis gegen Mexiko. Nachdem Wales mit drei Unentschieden punktgleich mit Ungarn die Vorrundengruppe abschließt, kommt es zu einem Entscheidungsspiel der beiden Teams. Die frühe Führung der Osteuropäer egalisiert Ivor Allchurch mit einem fulminanten Volley-Linksschuss vom Strafraumeck, bevor Terry Medwin den Sieg sicherstellt. Im Viertelfinale ist dann der spätere Weltmeister Brasilien Endstation. Das einzige Tor erzielt: Pele! Die Waliser reisen als sechstbestes Team aus Schweden heim. Zugleich haben sie beim Weltturnier besser als ihre schottischen, englischen und nordirischen Nachbarn abgeschnitten. Mittendrin Ivor Allenchurch, der „Golden Boy“ des walisischen Fußballs, der bis Mitte der 1980er Rekordnationalspieler und -schütze seines Verbandes ist und der nach der WM 1958 zu Newcastle United wechselt.

Das Ende des 58-jährigen Wartens
Seither folgt eine langandauernde Flaute bei den Qualifikationsturnieren, die Wales zu den erfolglosesten Fußballnationen Europas macht. Selbst die Spielergenerationen um Neville Southall, Ian Rush und Mark Hughes, oder später um Gary Speed, Ryan Giggs und Craig Bellamy schaffen es nicht, sich zu einer Endrunde durchzuspielen. Nun stehen die Chancen mehr als gut. Bei noch drei ausstehenden Spielen benötigen die Waliser nur noch einen Sieg zur Premieren-Teilnahme an einer Europameisterschaft. Und das verdanken sie nicht etwa dem vereinfachten Eintritt zur Endrunde, die erstmals 24 Teams bestreiten. Selbst im alten Modus, in dem sich lediglich die Erstplatzierten direkt qualifizierten, hätten sie gute Chancen zur Endrunde zu fahren.

Der legitime Nachfolger Ivor Allchurchs
Hinten macht die aktuelle Nummer neun der FIFA-Weltrangliste zuverlässig dicht und hat im laufenden Wettbewerb erst zwei Tore kassiert. Dabei blieben sie in den letzten vier Partien gänzlich ohne Gegentor, davon zweimal gegen die enorm starken Belgier. Bestwert seit 1981! Neun Treffer reichten, um fünf Siege und insgesamt 17 Punkte einzufahren. An acht der neun Torerfolge war Gareth Bale unmittelbar beteiligt. Der Offensivspieler von Real Madrid macht oft genug den Unterschied aus und schickt sich an, der nächste „Golden Boy“ des walisischen Fußballs zu sein und damit in die Fußstapfen von Ivor Allenchurch zu treten. Dieser hatte 1958 im alles entscheidenden Relegations-Rückspiel gegen die Israelis den 2:0-Sieg mit seinem Tor zum 1:0 eingeleitet. Gareth Bale könnte es ihm morgen nachmachen. Der Gegner lautet: Israel!

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2 Gedanken zu “You’ve come a long way, Cymru!

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