Spieltag 8: SVD vs. 1. FSV Mainz 05

SVD-vs.-05er_250pxNicht nur in der Bundesligatabelle liegen Mainz (12.) und Darmstadt (9.) nah beieinander. Auch geographisch gelten die Städte als Nachbarn. Die Stadien von Mainz 05 und Darmstadt 98 liegen gerade einmal 47 Kilometer auseinander. Das Flutlichtspiel am Freitagabend am Böllenfalltor hat also Derby-Charakter.

So sieht’s aus:
Unfassbar gut sieht’s aus! Für jeden Lilien-Fan, der 2009 noch Heimniederlagen gegen Schwergewichte wie den TSV Großbardorf erlebt hat, ist die aktuelle Situation un-fucking-fassbar schön. Ein Last-Minute-Unentschieden vor 81.000 Zuschauern beim in Bestbesetzung angetretenen BVB, ist so ziemlich das geilste, das sich ein Darmstadt-Anhänger erträumen kann. Die Lilien rangieren nach Spieltag 7 in der oberen Tabellenhälfte. Eine solche Position nahm der SVD in seiner Bundesligageschichte bislang nur zweimal ein. 1981 und in dieser Saison; jeweils nach dem 1. Spieltag. Die kompakten und leidenschaftlichen Lilien auf historischer Mission. Die Gefühlslage im und ums Böllenfalltor könnte nicht besser sein.

Nun wartet das Duell gegen den 1. FSV Mainz 05, der mittlerweile zu den arrivierten Klubs im Oberhaus gezählt werden darf. Nach Jürgen Klopp und Thomas Tuchel setzten sie im Februar erneut auf das ebenso unkonventionelle wie probate Mittel, einen Coach aus den eigenen Reihen zu rekrutieren. Der Schweizer Martin Schmidt löste den glücklosen Kasper Hjulmand ab und hielt die 05er in der Bundesliga. In dieser Saison will er seinen Klub wieder in ruhiges Fahrwasser führen. Er kann dabei auf einen soliden und ausgeglichenen Kader  zurückgreifen, dessen Spieler der Stunde Offensivakteur Yunus Malli ist. Vor zwei Wochen schoss er im Freitagsspiel die TSG Hoffenheim mit drei Treffern alleine aus dem Stadion. Insgesamt war er bislang fünfmal erfolgreich. Trotzdem fällt die momentane Bilanz mit neun Punkten nach sieben Spielen durchwachsen aus. Auswärts gelang erst ein Dreier in Mönchengladbach. In Leverkusen und auf Schalke gab es knappe Niederlagen. Vor Wochenfrist verloren die 05er – wie zuvor Darmstadt – zuhause gegen die Bayern mit 0:3. Am Böllenfalltor werden die Mainzer wieder etwas mitnehmen wollen. Die Lilien wollen ebendies verhindern und ihren Saisonauftakt vor der Länderspielpause mit einem (dreifachen) Punktgewinn vergolden. Gutes Omen: Wenn das Flutlicht am Bölle anging, war das zu zuletzt immer der Fall: Werder (2:1), Union Berlin (5:0), Eintracht Braunschweig (1:0), KSC (0:0), Nürnberg (3:0), FSV Frankfurt (4:0), Wolfsburg (im DFB-Pokal 0:0 n.V.).

Alte Bekannte:
Mit Leon Balogun kam den Lilien im Sommer einer ihrer Aufstiegshelden abhanden. Die 05er sicherten sich die Dienste des nigerianischen Nationalspielers, den der SVD vor einem Jahr geradewegs aus der Arbeitslosigkeit verpflichtet hatte. Bei den Lilien spielte er eine starke Saison. Der schlaksige Außenverteidiger, dessen Bewegungen immer ein wenig an einen Basketballspieler erinnern, riegelte seine Seite zuverlässig ab und traf vorne viermal. Auch 05er Neuzugang Danny Latza hat eine Darmstädter Vergangenheit. Aus dem starken Nachwuchs von Schalke 04 wechselte er im Sommer 2011 zum frischgebackenen Drittligaaufsteiger ans Bölle. In einer ersten guten Saison trug er mit wichtigen Toren dazu bei, die Klasse zu halten. Als 2012/13 der Wurm beim SVD drin war, erreichte auch er nur selten seine Normalform. Nach dem sportlichen Abstieg schloss er sich zunächst kurz dem MSV Duisburg an. Nach wenigen Wochen zog er weiter zum VfL Bochum, da Duisburg keine Lizenz für die 2. Liga erhielt.

Die Darmstädter setzen auf die Mainzer Torwartschule. Mit dem Dimo Wache gewann Dirk Schuster Anfang 2013 den langjährigen Keeper der 05er als Torwarttrainer für den SVD. Im Sommer 2014 lotste dieser den jungen Christian Mathenia aus der Zweitvertretung der Mainzer ans Bölle. Nur wenige Wochen später schlug Routinier Christian Wetklo denselben Weg ein. Während Wetklo und die Lilien schon nach wenigen Wochen ihre Zusammenarbeit auflösten, schwang sich Mathenia zum Stammkeeper auf. Er rechtfertigte das Vertrauen mit guten Leistungen. Gleichwohl pflastern sein Torwartspiel immer mal wieder kleine Unsicherheiten. Mit Júnior Díaz wechselte zuletzt vor wenigen Wochen ein Spieler die Seiten. Der Außenverteidiger war bei Mainz nicht mehr gewollt, weshalb Darmstadt danke sagte und sich die Dienste des Nationalspielers und WM-Teilnehmers aus Costa Rica sicherte. Nachdem er zunächst einige Wochen auf der Bank schmoren musste, spielte er sich gegen Bremen und in Dortmund ohne Anlaufprobleme ins Team. Das Aufeinandertreffen mit seinem Ex-Verein krönt jetzt seinen erfolgreichen Einstand im Lilien-Trikot.

Wir & Die & Die Bundesliga:
Komplette Fehlanzeige. Als die Lilien 1978 und 1981 in die Bundesliga aufstiegen,  zählten die 05er zum Inventar der 3. Liga. Als 2004 die Mainzer Bundesliga enterten, hatte sich das Bild gewandelt. Jetzt spielte der SVD in der Drittklassigkeit. 2009 folgte der zweite Bundesligaaufstieg der Rheinhessen. Zu dem Zeitpunkt ging es dem SVD noch schlechter und er dümpelte an der Schwelle zur Fünftklassigkeit. Als die 98er dazwischen den Aufstieg in die 2. Bundesliga erzwingen wollten, bedienten sie sich 2006 beim Mainzer Bundesligakader. Der erfahrene Jürgen Kramny kam ans Bölle, erfüllte jedoch die in ihn gesetzten Erwartungen überhaupt nicht. Bereits in der Winterpause verließ er den SVD wieder, der – als Aufstiegsanwärter gestartet – überflüssigerweise am Ende in die 4. Liga abstieg.

Ach ja, an diesem Wochenende vor fünf Jahren …
… spielten wir bei einem unserer Lieblingskonkurrenten. Tabellenführer KSV Hessen Kassel bat zum Tanz in der Regionalliga Süd und behielt die Oberhand. 1:0 hieß es am Ende des Duells. Das Tor war eine Koproduktion von zwei Akteuren, die Darmstadt seinerzeit immer wieder ärgerten: Thorsten Bauer setzte Tobias Damm in Szene, der Mitte der 2. Halbzeit eiskalt abschloss. Eine an Höhepunkten arme und ausgeglichene Partie hatte Kassels Platz an der Sonne gefestigt, während die Lilien auf Platz 6 ein wenig an Boden verloren.

Und die Junglilien?
Sorgten am Wochenende für große Freude im Nachwuchsleistungszentrum. Nach reihenweise Gegentreffern und Niederlagen erzwang die U19 am Samstag gegen den 1. FC Heidenheim ihren ersten Sieg in der Junioren-Bundesliga. Goalgetter Jan Finger erzielte das goldene Tor per Strafstoß. Er schraubte damit seine Ausbeute auf vier Treffer (davon drei Elfmeter). In der Torjägerliste rangiert er an Position 4. Die Junglilien kleben derweil auf dem letzten Tabellenplatz 14 fest. Immerhin verringerte sich der Abstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz auf drei Punkte. Am Sonntag fahren die Junglilien zum Tabellenvierten nach Mainz. Die 05er verloren am Wochenende mit 3:2 bei Greuther Fürth, bewiesen aber Moral, als sie einen 0:2-Rückstand zwischenzeitlich ausglichen, letztlich aber doch den Kürzeren zogen. Das Spitzenteam stellt eine harte Nuss für den Lilien-Nachwuchs dar. Ein Punkt wäre deshalb ebenso willkommen wie überraschend.

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