#wobd98: „Die Lilien werden es dem VfL schwer machen“

Die-Wölfe-vs-Die-LilienErnüchtert; auf diesen Nenner war der Gemütszustand beim VfL Wolfsburg und bei den Lilien aus Darmstadt am vergangenen Samstag zu bringen. Die Wölfe zogen in Hoffenheim den Kürzeren und hinken weiterhin ihren hohen Ansprüchen hinterher. Die Lilien verspielten eine 2:0-Führung gegen den FC Augsburg. Wolfsburg will am kommenden Spieltag wieder den Anschluss an die internationalen Plätze herstellen, die Lilien die Abstiegszone auf Distanz halten. Am Ende meines Lilien-Vorberichts spreche ich mit Wölfe-Bloggerin Antonia über die Situation bei den Niedersachsen.

So sieht’s aus:
Sollten die Lilien am Ende der Saison wieder den Gang in die 2. Bundesliga antreten müssen, dann wird man sich in Darmstadt noch sehr über die zweite Halbzeit gegen den FC Augsburg ärgern. Wie sich die Mannschaft nach einer absolut überzeugenden ersten Hälfte derart die Butter vom Brot nehmen lassen konnte, ist mir auch heute noch ein Rätsel. In den ersten 45 Minuten passte einfach alles. Die Lilien-Elf nutzte ihre Torchancen, war Herr im eigenen Haus und ließ Augsburg ziemlich pomadig aussehen. Das Glück perfekt machten wärmende Sonnenstrahlen, die an einen nahenden Frühling glauben ließen. Doch dann zogen nach Wiederanpfiff Wolken auf und die Mienen der Lilienfans verfinsterten sich minütlich. Die 98er verloren den Zugriff auf die Schwaben und verspielten mit dem Last-Minute-Ausgleich leichtfertig eine vorteilhafte Ausgangsposition. Die Augsburger wurden in der Tabelle nicht überflügelt, Hoffenheim rückte auf dem ersten Abstiegsplatz näher und in Frankfurt und Bremen musste man sich nicht allzu sehr über die eigenen schlechten Resultate grämen. Doch warum nur ließen die Lilien die bis zur Halbzeit wenig gefährlichen Augsburger bis weit in die eigene Hälfte gewähren? So gewann der FCA beständig an Sicherheit, während die Lilien nervöser wurden. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, wann das in die Hose gehen musste. Sicher, der Elfmeter zum Ausgleich war ein Witz, aber die Schuld muss der SVD schon bei sich selbst suchen!

Nun geht es nach Wolfsburg. Der VfL darf sich auf wunderliche Weise zu den besten acht Teams Europas zählen. Und das, wo er in der Bundesliga gerade mal so zu den besten acht Klubs gehört. Die aktuelle Spielzeit wird den Ansprüchen des VfL kaum gerecht. Sicher, sie verloren mit Kevin de Bruyne einen herausragenden Kicker. Wer allerdings seit Januar 2015 mit André Schürrle, Julian Draxler und Max Kruse drei Nationalspieler verpflichtet, der will in Deutschland zu den Top 3 zählen. Da passt die 1:0-Niederlage am vergangenen Samstag bei Abstiegskandidat Hoffenheim ins Bild. Die Wölfe werden gegen die Lilien darauf aus sein, zu einem überzeugenden Saison-Endspurt anzusetzen. Platz vier, der zur Quali für die Champions League berechtigt, liegt mit fünf Punkten Rückstand noch in Schlagdistanz. Erschwerend kommt für die 98er hinzu, dass der VfL in der Heimbilanz zu den Topteams zählt. Nun ja, der SVD darf das immerhin von sich in der Fremde behaupten.

Wir & Die & Die Bundesliga:
Gab es bislang erst einmal: In der Hinrunde. Am 24. Oktober siegte das Team von Dieter Hecking schmucklos mit 1:0. Der kurz zuvor eingewechselte Daniel Caligiuri erzielte in der 78. Minute den Treffer des Tages. Selbst wenn der VfL naturgemäß mehr Offensivaktionen zu verzeichnen hatte, so wurde der defensiv ausgerichtete SVD erst auf der Zielgeraden um ein durchaus verdientes Remis gebracht.

Ach ja, an diesem Wochenende vor fünf Jahren …
… fuhren die 98er in der Regionalliga Süd ihren ersten Dreier im Kalenderjahr 2011 ein. Mit 3:0 gewannen sie beim SV Wehen II. Uwe Hesse in der ersten Halbzeit sowie Daniele Toch und Abdelaziz Ahanfouf in der Schlussviertelstunde stellten den klaren Sieg sicher. Ein wenig Farbe ins Spiel brachte der heutige Ingolstädter Bundesligaverteidiger Benjamin Hübner, der mit dem Halbzeitpfiff für sein rüdes Einsteigen gegen Uwe Hesse glatt Rot sah. SVD-Coach Kosta Runjaic atmete nach dem Spiel spürbar auf, als er sagte: „Glückwunsch an meine Mannschaft, sie hat sich nach den schweren Wochen, diesmal für eine starke Leistung belohnt. (…) Der Sieg war nach den letzten Spielen längst überfällig.“ Ob er damals schon geglaubt hätte, dass die Lilien die acht noch ausstehenden Partien allesamt gewinnen würden?

Und die Junglilien?
Immer, wenn man die U19 in der Bundesliga Süd/Südwest abschreiben will, senden sie ein Lebenszeichen aus. Dieses Mal siegten sie – wie schon in der Hinrunde – mit 1:0 gegen den 1. FC Heidenheim. Sechs Spieltage vor Saisonende liegen die Junglilien sechs Punkte hinter den Nichtabstiegsrängen und nach Ostern wartet das Duell gegen den ältesten Nachwuchs von Mainz 05. Gegen die viertplatzierten Rheinhessen kamen sie in der Hinrunde mit 6:0 böse unter die Räder.


Der Kontrahent hat das Wort

Antonia (17) bloggt seit dem letzten Jahr unter antoniasxn.wordpress.com über den VfL Wolfsburg und weiß bei Twitter (@antoniasxn) eine große Gefolgschaft hinter sich.

Antonia, wo zeigt der VfL Wolfsburg in dieser Saison sein wahres Gesicht? In der Bundesliga oder in der Champions League?
Letztlich in beiden Wettbewerben. Der VfL ist in dieser Saison vor allem eins: Wechselhaft. Dementsprechend gehören sowohl die guten Auftritte in der Champions League als auch die weniger guten Auftritte in der Bundesliga zum Gesicht dieser Saison.

Timm Klose hat euch im Winter zu Norwich City verlassen. Danach sagte er, der Teamspirit sei beim VfL verloren gegangen. Glaubst Du, da ist etwas dran und – falls ja – liegt darin ein Hauptgrund für die wechselhaften Leistungen?
Ich denke schon, dass das einer der Gründe dafür ist. Von außen kann man das natürlich schwer beurteilen, aber Timm wird da schon Recht haben. Er ist nicht der Typ, der grundlos nachtreten würde. Ein paar andere Spieler, die immer noch beim VfL sind, haben das ja auch schon angedeutet.

Welche Spieler sind für das VfL-Spiel unverzichtbar?
Momentan: Julian Draxler und Maximilian Arnold.

Was macht die beiden so wichtig?
Arnold setzt aktuell sowohl defensiv wie offensiv Akzente und Draxler ist unsere wichtigste – weil kreativste – Offensivkraft.

Wie bewertest Du die Arbeit von Coach Dieter Hecking?
Ich finde, dass er aus ein paar Einzelspielern eine Mannschaft geformt hat. Letzte Saison hat der VfL großartig gespielt und für mich fällt das alles nicht gleich weg, wenn mal eine eher durchwachsene Saison folgt. Aber manchmal bin ich natürlich auch ein bisschen skeptisch, wenn sich nach fünf Auswärtsspielen immer noch nichts gebessert hat, das gebe ich zu.

Eine deutschlandweite Debatte entspinnt sich gerne an den Zuschauerzahlen des VfL. Euer Stadion war nur in einem von vier Champions-League-Partien ausverkauft. In der Bundesliga erst fünfmal. Bei Auswärtsfahrten schöpft ihr oft nicht das Gästekontingent aus. Ihr spielt jetzt seit fast zwei Jahrzehnten in der Bundesliga, habt Titel gewonnen. Wieso rennen Stadt und Umland dem VfL immer noch nicht die Bude ein?
So ist das halt in Wolfsburg. Es gibt eine bestimmte Anzahl an Fans, die zu jedem Spiel kommen. Und der Rest besteht dann nun mal aus Zuschauern, die nur kommen, wenn der Gegner attraktiv ist. Ist ja relativ offensichtlich, schließlich hieß der Gegner bei dem ausverkauften Champions-League-Spiel Manchester United. Deshalb verstehe ich die Diskussion auch nicht unbedingt. Eine gute Atmosphäre hat ja nicht zwangsläufig etwas damit zutun, wie viele Menschen im Stadion sind.

Welcher Spielstil schmeckt dem VfL im heimischen Stadion gar nicht? Sprich: Wie müssen die Lilien in Wolfsburg auftreten?
So richtig schwer getan haben wir uns zuhause bis jetzt gegen Dortmund und Bayern, die man aber wohl nicht mit Darmstadt vergleichen kann. Allerdings haben Hamburg und Köln immerhin einen Punkt mitgenommen, da sie ziemlich passiv aufgetreten sind. Ich denke schon, dass die Lilien es dem VfL schwer machen werden.

Vielen Dank, Antonia.

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