Da schlägt das Fan-Herz höher: Jego bleibt!

STD_JegoJerôme Gondorf bleibt am Bölle! Das vermeldete Darmstadt 98 heute Abend und augenblicklich dürften Verein und Fans einige Felsbrocken vom Herzen gefallen sein. Die Erleichterung ist deshalb so riesig, da ‚Jego‘ zusammen mit Marcel Heller und Aytac Sulu das Trio bildet, das von der 3. Liga bis zur Bundesliga immer zu den unumstrittenen Leistungsträgern zählte. ‚Jego‘ und die Lilien, das passt einfach. Zeit für eine kleine Hommage meinerseits:

Ich erinnere mich noch gut, wie im Sommer 2013 das erste Mal im Lilien-Forum über den völlig unbekannten Neuzugang Jerôme Gondorf geschrieben wurde. Die Zaungäste beim Training waren sich nicht ganz sicher, wie der Mittelfeldspieler von seinen Mitspielern gerufen wurde. ‚Diego‘ wurde gemutmaßt. Doch ‚Jego‘ sollte den Fans am Bölle bald ein Begriff sein. Unter Dirk Schuster war er bereits bei den Stuttgarter Kickers ein unverzichtbares Puzzleteil gewesen. Das sah dessen Nachfolger Massimo Morales gegen Ende der Spielzeit 2012/13 offenbar anders. Man munkelte wegen einer ausbleibenden Vertragsverlängerung durch Gondorf. Und so fehlte der Dauerbrenner ausgerechnet beim Abstiegskrimi zwischen Darmstadt 98 und den Stuttgarter Kickers im Kader der Schwaben.

Der giftigste Gegenspieler schweißt den Ball in den Winkel
Nun, einen Monat später tauchte er dann doch in Darmstadt auf. Das Kickers-Blau hatte er gegen das Lilien-Blau eingetauscht. Dirk Schuster hatte seinen Ziehsohn wieder bei sich. ‚Jego‘ wurde bei den 98ern vom Fleck weg zum Stammspieler. In den vergangenen drei Jahren fehlte er lediglich in acht Ligaspielen. In fünf Partien war er gesperrt (ja, auch bei den Bayern). Das erste Mal trug er sich beim 6:0-Kantersieg gegen Hansa Rostock in die Torjägerliste ein. In einer Partie, die uns Lilien-Fans im Spätsommer 2013 allmählich vor Augen führte, dass da beim SVD mehr als nur Abstiegskampf gehen könnte. Zur Winterpause lagen die Lilien sensationell auf Rang 3. Da hatte sich ein Team gefunden! Als ich Aytac Sulu für diesen Blog interviewte (LINK), sagte er mir, wen er für den giftigsten Spieler der gesamten Liga hielt. Ich dachte, er würde Hanno Behrens nennen, der schon seit einem Jahr den Platz für die Lilien beackerte. Er sagte hingegen „der Jego“. Sein Stellenwert im Team war damit offenkundig. Doch er lief nicht nur viel und spielte diszipliniert, er zeigte auch, dass er einen feinen Pass spielen kann. Den großen Hammer packte er dann im Relegations-Rückspiel gegen Arminia Bielefeld aus. Aus 20 Metern schweißte er in der 79. Minute den Ball zum 3:1 in den Winkel, was zugleich die nicht für möglich gehaltene Egalisierung des Hinspiel-Ergebnisses bedeutete. Als ich mir später das Spiel noch einmal auf DVD in voller Länge anschaute, hielt ich bereits Sekunden vor dem Tor beide Arme in die Luft. Ein ebenso geiles, wie wichtiges und absolut verdientes Tor. Wenig später wäre er allerdings beinahe zur tragischen Figur geworden. Nur kurz nachdem Bielefeld in der Verlängerung das 2:3 erzielt hatte, köpfte ‚Jego‘ nach hinten fallend neben das Bielefelder Gehäuse und nahm damit dem besser postierten ‚Toni‘ Sailer eine Hundertprozentige. Sekunden später nahm ihn Schuster für Elton da Costa vom Feld und der Rest ist Geschichte.

Ein unbesungener Held mit Schlitzohrpotential
In Liga 2 blieb ‚Jego‘ einer der eher unbesungenen Helden, der er es so ungemein gut verstand, die Gegenspieler zu nerven. Wann immer die Rede davon war, dass die Lilien ihren Gegnern den Spaß am Fußball nahmen, dann musste stets ‚Jego‘ mitgedacht werden. Doch er war kein reiner Zerstörer. Für mich war er damals der kompletteste Spieler im Kader. Ja, er ist es vielleicht heute noch. Er ist immens laufstark, geht keinem Zweikampf aus dem Weg, hält die defensive Ordnung, agiert aber wenn es sein muss auch als offensiver Sechser oder gar Achter. Denn er verfügt über eine formidable Technik. Dass er obendrein schlitzohrig ist, stellte er im Heimspiel gegen den Club unter Beweis. Anstoß zur zweiten Halbzeit und ‚Jego‘ hat nichts Besseres zu tun, als von der Mittellinie abzuziehen. Nürnbergs Keeper musste sich schon gehörig strecken, um den Ball noch über die Latte zu kratzen. Zum Auftakt der Rückserie 2015 hielt er uns mit zwei wichtigen Toren im Aufstiegsrennen. Zunächst stellte er einen dreckigen 1:0-Auswärtssieg bei Erzgebirge Aue sicher und zwei Wochen später glich er den Rückstand beim FSV Frankfurt aus, als so langsam der Glaube an etwas Zählbares schwand.

Als hätte er nie auf einem anderen Level gespielt
Und dann die Bundesliga. ‚Jego‘ spielte mit, als hätte er noch nie auf einem anderen Level Fußball gespielt. Defensiv verdichtete er zusammen mit Peter Niemeyer zuverlässig die Räume vor der Abwehrkette. Wenn es sich anbot, legte er wieder den Vorwärtsgang ein. Wie etwa beim sensationellen 2:2 in Dortmund, als er Marcel Hellers sehenswertes 1:0 mustergültig auflegte. Ansonsten hielt er sich mit Torbeteiligungen lange Zeit zurück. Das mag daran liegen, dass er bei Eckbällen in der Regel für die aufgerückten Innenverteidiger an der Mittellinie absichert. Doch seine große Stunde sollte im Saisonendspurt kommen. Sein Bundesliga-Premierentor erzielte er am 29. Spieltag beim HSV und half tatkräftig mit, einen wichtigen Auswärtsdreier zu holen. So ganz nebenbei vervollständigte er seine Serie, von der Oberliga bis zur Bundesliga in jeder Liga getroffen zu haben. Noch doller wurde es am 33. Spieltag, als die Lilien erneut drei Punkte entführten, dieses Mal aus Berlin. ‚Jego‘ sicherte den Klassenerhalt quasi im Alleingang. Zunächst glich er die frühe Führung der Hertha aus. Zehn Minuten vor Spielende glänzte er dann wieder als Vorbereiter. Auf der rechten Seite stürmte er durch den Strafraum und chippte den Ball vor der Toraus-Linie über den grätschenden Verteidiger ins Zentrum, wo Sandro Wagner den Deckel drauf machte. ‚Jego‘ hatte das Tor von der Heller-Position vorbereitet. Gott sei Dank ist man geneigt zu sagen, denn Heller hätte wohl zielsicher das Abwehrbein angeschossen und nicht geschlenzt.

Er ruft das ab, wofür die Darmstädter ins Stadion gehen
Und nun? Weiter geht’s mit ‚Jego‘, den der kicker in der abgelaufenen Spielzeit ins Blickfeld einstufte. An seinen Verbleib hatte ich kaum noch geglaubt, nachdem bereits die Wechsel zum HSV und dann nach Mainz vermeldet wurden. Das Interesse war für mich absolut nachvollziehbar. Wo sonst kriegst du einen solch vielseitigen Spieler für kleines Geld, der mit seinen 28 noch ein paar Jahre auf höchstem Niveau spielen kann? Umso mehr freut es mich, dass er bleibt. Für mich und sicher viele Lilien-Fans hat er einen ähnlichen Stellenwert wie Aytac Sulu. Beide kennen noch die Lilien-Zeiten, als man sich mehr mit der Regionalliga befasste, als mit der Bundesliga. Beide bestechen durch ihre Einstellung. Beide glänzen als uneitle Teamplayer. Kurzum: Beide rufen auf dem Platz das ab, wofür der Darmstädter ins Stadion geht. Gut zu wissen, dass wir zumindest noch ein weiteres Jahr auf ‚Jego‘ setzen können. Wenn jetzt noch Aytac Sulu sämtliche Abwerbeversuche in den Wind schlägt, wäre das die Kirsche auf der Torte.

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