Spieltag 3 (#bvbd98): „Die Fallhöhe für den BVB ist in dem Spiel sehr hoch“

dortmund-vs-lilienVor fast genau einem Jahr überraschten die Lilien beim 2:2 in Dortmund. Damals wie heute sind die Rollen klar verteilt. Hier der Underdog aus Südhessen mit seiner physischen und schlichten Spielweise. Dort der große Favorit mit seinem ballbesitzorientierten Spiel und seiner offensiven Durchschlagskraft. Der Vizemeister will nach der überraschenden Niederlage bei RB Leipzig nicht erneut Punkte liegen lassen. Was blüht den Lilien da in Westfalen? Das erklärt mir – nach einem kurzen Status – Maurice, der beim Online-Fanzine schwatzgelb.de mitmischt.

So sieht’s aus:

Na wie soll es nach einem Sieg im Nachbarschaftsduell gegen die Eintracht schon aussehen? Gut natürlich. Die Lilien sind mit drei Punkten aus zwei Spielen voll im Soll! Die Mannschaft stand nach der überforderten Darbietung von Köln kompakter, kam wieder über den Kampf in die Partie und erinnerte in der ersten Halbzeit an die Leistungen der vergangenen Saison. In der zweiten Hälfte gestaltete sich das Ganze dann deutlich schwerfälliger. Die 98er zogen sich noch weiter zurück, überließen der Eintracht weitestgehend das Spiel und konnten kaum noch für Entlastung sorgen. Der Gast wusste hingegen mit seiner Überlegenheit recht wenig anzufangen und brachte die eingeigelten Lilien nur selten in Bedrängnis. Vieles sprach für ein 0:0, bis mit Sandro Sirigu einer unserer doppelten Aufstiegshelden kam, sah und traf. Sein als Flanke gedachter, gefühlvoller Schlenzer senkte sich immer weiter hinter SGE-Keeper Lukas Hradecky in den Winkel … more than a lucky punch!
Den überglücklichen Gesamteindruck des Nachmittags trübten einige „Helden“ auf den Rängen deutlich. Wer es geil findet Leuchtraketen als besonderen Gruß in den Eintracht-Block abzusondern, hat nicht mehr alle Latten am Zaun. Darin waren sich alle Lilien-Fans einig, mit denen ich anschließend gesprochen habe und auch in der elften Ausgabe unseres Lilien-Podcasts „hoch & weit“ gab es keine zwei Meinungen. (KLICK)
Für die Partie in Dortmund ist der Einsatz von Jerome Gondorf gefährdet, dafür darf auf die Rückkehr von Kapitän und Leitwolf Aytac Sulu gehofft werden. Mit ihm käme – wie vor Wochenfrist mit Peter Niemeyer – ein weiterer Lilien-Fighter zurück. Das wäre nicht zuletzt für die zahlreichen Neuzugänge wichtig, die mit Sulu einen zusätzlichen Orientierungspunkt und Stabilisator an ihrer Seite hätten.


Der Kontrahent hat das Wort:

Interviewpartner: Maurice, Redakteur bei schwatzgelb.de.

Maurice, was fällt Dir zuerst ein, wenn Du an Darmstadt 98 denkst?
Zuerst fällt mir da Alberto Colucci ein, der mit seinem Gassenhauer „Die Sonne scheint“ schon einige Male dafür gesorgt hat, dass bei mir über Tage ein nervtötender Ohrwurm zurückblieb. Aber mal ernsthaft: Das Böllenfalltor strotzt nur so vor Tradition und dem Geruch alter Tage, den mittlerweile nicht gerade wenige Leute in der Bundesliga vermissen.

Was wird den Lilien am Samstag in Dortmund blühen?
Nach der Niederlage in Leipzig konnte sich der BVB mit dem Sieg gestern Abend in der Champions League gegen Warschau wieder etwas Luft verschaffen und dürfte hochmotiviert ins Spiel gehen. Ich halte es durchaus für möglich, dass wir von der taktischen Ausrichtung der beiden Mannschaften ein ähnliches Spiel wie in der letzten Saison in Dortmund sehen werden.

Die Lilien sind kein RB Leipzig. Sie werden gegen den BVB nicht willens – und auch nicht fähig – sein, spielerische Akzente zu setzen. Wie können die 98er die Borussia überhaupt vor Probleme stellen?
Ich glaube, dass Darmstadt auf die gleiche Spielweise wie gegen Eintracht Frankfurt setzen wird. Zwar habe ich nur Ausschnitte der Partie gesehen, aber letztlich haben die 98er die Frankfurter über 90 Minuten mit ihrem Stil entnerven können und sogar noch den Siegtreffer erzielt. Wie bereits in der Frage zuvor erwähnt, wäre die gleiche Herangehensweise wie im letzten Spiel im Westfalenstadion die vielversprechendste. Aus einem soliden Abwehrverbund heraus den BVB, der sehr viel Ballbesitz haben wird, entnerven und selbst versuchen, durch eine Standardsituation oder einen Konter ein Tor zu schießen. Ob die Darmstädter es schaffen werden, über 90 Minuten keinen Gegentreffer in Dortmund zu kassieren, wird man dann sehen.

Schwatzgelb.de war beim Rückspiel vom Böllenfalltor und der dortigen Atmosphäre sehr angetan. Den BVB und die Lilien trennen sportlich wie infrastrukturell Welten. Wie wird der SVD wirklich gesehen? Als liebenswürdiger Exot oder doch eher als lästiger Gegner, der zwischen all den Champions-League-Nächten nervt, weil man sich im Zweifel nur blamieren kann?
Ich persönlich nehme Darmstadt 98, das muss ich ehrlich eingestehen, eher ambivalent war. Auf der einen Seite steht diese tolle Geschichte, die der Verein durch seine Aufstiege mit geringem Etat geschrieben hat, das vor Tradition triefende Stadion und die emotionale Story um das Schicksal von Jonathan Heimes. Auf der anderen Seite nehme ich aber auch den Spielstil der vergangenen Saison war, der mich als neutraler Beobachter das eine oder andere Mal ziemlich frustrierte. Nicht falsch verstehen, mir ist durchaus bewusst, dass das wohl der einzige Stil ist, den man mit einer Mannschaft, die sich aus einem solchen Etat speist, spielen kann, aber mögen muss ich ihn trotzdem nicht. Als lästige Pflicht würde ich die Partie dennoch nicht beschreiben, auch wenn die Fallhöhe für den BVB in diesem Spiel schon sehr hoch ist.

Gehen wir doch ein wenig auf den BVB ein. Was hat dich in diesem Sommer persönlich emotional mehr beschäftigt? Der Verlust von Mats Hummels, oder die Rückkehr von Mario Götze? Und wie stehst Du zur Personalie Götze?
Die Abgänge von Gündogan, Hummels und Mkhitaryan waren allesamt ziemlich bitter für den Verein. Ich bin aber in den letzten Jahren dazu übergegangen, mich durch Transfers von Spielern nicht mehr zu sehr „emotionalisieren“ zu lassen. Dementsprechend war meine Aufregung bei der Verpflichtung von Mario Götze nicht allzu hoch. Als Götze damals zum FCB wechselte, war das schon ein echter Tiefschlag für mich. Ich bin aber auch kein allzu nachtragender Mensch und aus Argwohn ihm gegenüber wurde in den letzten Monaten bei Bayern fast ein bisschen Mitleid darüber, wie so ein hochveranlagter Spieler in ein solches Loch fallen konnte. Man muss sich keinen Illusionen hingeben, Götze wird nie wieder ein Publikumsliebling in Dortmund werden, genauso falsch wäre es aber, bei Spielen effektiv gegen ihn zu pfeifen. Er ist jetzt wieder Spieler meines Vereins und dessen Erfolg steht für mich über den Protagonisten. Da schlucke ich den Unmut auf der Tribüne vielleicht einfach herunter und verzichte darauf, ihm zuzujubeln. Ihn gezielt verbal anzugehen wäre meiner Meinung nach nicht förderlich.

Euer Kader wurde ordentlich durcheinander gewirbelt. Trotz heftiger Abgänge sind Marc Bartra, Sebastian Rode, Mario Götze, André Schürrle und Europameister Raphael Guerreiro alles andere als Laufkundschaft. Könnt ihr an eure starke letztjährige Saison anknüpfen und wann werdet ihr die vorhandenen PS so richtig auf den Rasen kriegen?
Ich halte es für utopisch die letztjährige Punktzahl in dieser Saison nochmals zu erreichen, dafür waren die Abgänge für die Spielstatik zu bedeutend. Wie Du richtig sagst, wird es eine ganze Weile dauern, bis der BVB die PS wieder vollkommen auf den Rasen bringen wird, das hat man ja erst am letzten Spieltag gesehen. So eine Durchmischung führt dazu, dass sich neue Hierarchien erst herausbilden und die Spieler erst zueinander finden müssen. Allen Neuzugängen sieht man ihr Potenzial an, es gilt nun dieses Potenzial gewinnbringend in die Mannschaft einzubauen. Wie lange es dauern wird kann ich nicht sagen. Bis zum Winter? Bis zur neuen Saison? Klar ist für mich, dass es an der einen oder anderen Stelle beim BVB ganz schön holpern wird auf dem Rasen.

Welche Spieler werden am ehesten die Lücke schließen, die Taktgeber Ilkay Gündogan und Top-Scorer Henrikh Mkhitaryan hinterlassen haben?
Das ist sehr schwer hervorzusagen, eben auch aus dem Grund, dass es momentan keine richtige Startelf zu geben scheint. Von der Qualität her dürften Spieler wie Schmelzer und Kagawa nun einfach mehr Verantwortung übernehmen müssen, vielleicht auch erfahrenere Neuzugänge wie Schürrle und Götze. Bei den ganz jungen Spielern wie Dembélé, Mor und Pulisic tut man gut daran, sie nicht mit Erwartungen zu überladen.

Felix Passlack, eines eurer wohl größten Talente, feierte im März in Darmstadt sein Startelf-Debüt. Hat jemand wie er überhaupt die Chance den Durchbruch in dem starken Kader zu schaffen?
Felix Passlack wurde von Thomas Tuchel zusammen mit Christian Pulisic in die Profimannschaft nominiert. In der letzten Saison sah es dann komischerweise so aus, dass der mit mehr Vorschusslorbeeren überhäufte Passlack von Pulisic überholt wurde, da er auf wesentlich mehr Einsatzzeit kam. In der aktuellen Spielzeit hat sich das nun wieder gedreht und bisher hat Passlack wesentlich häufiger gespielt. Ich halte seinen Durchbruch für vorhersehbar, denn er war in der U19 ein wesentlicher Faktor dafür, dass man den Meistertitel gewinnen konnte. Auf der Rechtsverteidigerposition besteht mit Piszczek und Passlack nun ein gutes Tandem, welches sich gerade von der Altersstruktur perfekt ergänzen sollte.

Letzte Frage: Wann wäre die aktuelle Saison für euch von schwatzgelb.de ein Erfolg?
Wenn es dem Verein gelingen sollte sich wieder für die Champions League zu qualifizieren, dann wäre dies nach diesem massiven Umbruch ein echter Erfolg.

Maurice, vielen Dank für Deine Bereitschaft zum Interview!


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

Nachdem Kosta Runjaic dem Lockruf des damaligen Zweitligisten MSV Duisburg gefolgt war, hatte der SVD Jürgen Seeberger als neuen Drittliga-Coach aus dem Hut gezaubert. Der Neue ging mit seiner Truppe gleich ins Traingingslager, um die Lilien vor dem Duell beim Tabellensiebten Hallescher FC vom Abstiegsplatz wegzuführen. Doch so richtig aufgehen wollte die Maßnahme nicht. Gerade als die Lilien etwas besser in die Partie kamen, ließ ein Doppelschlag der Gastgeber vor der Pause die fünfte Niederlage im neunten Spiel bereits sehr real aussehen. Nach der Halbzeit hätte Halle mehrere Treffer nachlegen müssen, doch dann kam Linksverteidiger Michael „Stegi“ Stegmayer und wumste in der 81. Minute eine Torwartabwehr aus über 25 Metern volley in den Winkel. Für mich bis heute eines der schönsten Lilien-Tore ever. Die Schlussoffensive veredelte Preston Zimmerman nach einem Torwartfehler zum nicht mehr für möglichen gehaltenen Remis. Der letztlich glückliche Punkt war wichtig für die Moral, in der Tabelle blieben die Lilien auf Rang 18.

Die Lilien-Mannschaft beim Halleschen FC:
Zimmermann – Gaebler, Beisel, Islamoglu, Stegmayer (1) – Hesse (Zielinsky), Behrens (da Costa), Karli (Latza), Zimmerman (1) – Steegmann, Tatara

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