Spieltag 7 (#m05d98): „Mainz lässt sich regelmäßig die Butter vom Brot nehmen.“

mainz-vs-darmstadtDie Anreise der Lilien-Fans bleibt an diesem Sonntag im sehr überschaubaren Bereich. Mainz heißt das Ziel der „Dienstreise“ für die blau-weiße Karawane. Keine 50 Kilometer trennen die Stadien der beiden Klubs voneinander. Im Frühjahr gab es ein 0:0, ein Ergebnis, das sich gerne wiederholen darf. Denn dann stünde endlich einmal nicht nur vorne, sondern auch hinten die Null. Das Befinden eines 05er-Fans bringt mir Petra näher, die im Twitter-Universum die rot-weiße Fahne hochhält.

So sieht’s aus:

Lang, lang ist’s her. Am 7. Mai erzielte ein gewisser Sandro Wagner im Berliner Olympiastadion das letzte Bundesliga-Auswärtstor für die Lilien. Seither gingen viele Monate Sommerpause ins Land, aber eben auch die ersten drei Auswärtspartien dieser Saison. Egal wohin die Lilien reisten, jubeln durften bislang nur die Gastgeber. Da wäre es doch mal an der Zeit so langsam mit dem (Auswärts)Punkten anzufangen. Beim letzten Aufeinandertreffen entführten die Lilien Anfang März immerhin einen Punkt aus Rheinhessen. Die Leistung der ersten Halbzeit aus dem Bremen-Spiel und die Moral nach dem Rückstand in der zweiten Hälfte lassen hoffen, dass die Mannschaft immer mehr zueinander findet. Sollten die 98er zudem ein Auswärtsspiel mal wieder zu elft beenden, wäre das ebenfalls nicht ganz verkehrt.

Positiv ist, dass Norbert Meier mit dem Großteil des Kaders über zwei Wochen hinweg konzentriert arbeiten konnte. Personell hat er vermehrt die Qual der Wahl. Gegen Bremen schaffte es Mario Vrancic nicht einmal in den Kader. Peter Niemeyer durfte im gleichen Spiel über 90 Minuten nur vom Spielfeldrand zuschauen und damit das Bölle aus einer völlig ungewohnten Perspektive kennenlernen. Spannend wird sein, welchen Defensivverbund Meier gegen die technisch starken Offensivkräfte der Rheinhessen (z.B. Yunus Malli, Levin Öztunali, Pablo de Blasis) ran lässt. Leon Guwara kehrt nach seiner Sperre zurück und könnte Fabian Holland verdrängen. Artem Fedetskiy könnte Florian Jungwirth weichen und Niemeyer auf die Doppelsechs rotieren. Umso mehr, als Fedetskiy bislang gegen flinke und technisch beschlagene Außenstürmer (wie de Blasis einer ist) älter aussah, als es seine 31 Jahre erwarten lassen. Sollte Michael Esser wider Erwarten noch nicht genesen sein, stünde mit Daniel Heuer-Fernandes ein verlässlicher Ersatz bereit. Im Sturmzentrum scharren Sven Schipplock und Victor Obinna mit den Hufen, wobei Antonio Colak dank seines Doppelpacks gegen Bremen die Nase vorne haben dürfte.

Worauf kommt es sonst an? Wie immer auf die Urtugenden der 98er, die zugleich auf den Support zahlreicher Lilien-Fans zählen dürfen. Zählbares ist dann drin, wenn Aytac Sulu, Jerome Gondorf & Co. laufstark, engagiert, diszipliniert und als Einheit auftreten. Nur so dürfte den Mainzern beizukommen sein. Andernfalls wird es kommen wie beim 2:3 in der vergangenen Hinrunde, als die 05er der Bundesliga-Konkurrenz zeigten, wie kompakten Lilien mit spielerischen Lösungen beizukommen ist.


Der Kontrahent hat das Wort:

Petra (@clioMZ) ist nicht nur Historikerin, sondern auch ein Meenzer Mädsche, 05er-Fan und Organisationstalent. Ihr ist es zu verdanken, dass die Fußball-Twitterer im Rhein-Main-Gebiet sich auch offline kennenlernen.

Clio, wie ergeht es aktuell eigentlich Maximilian Beister, der im Sommer lange Wochen bei den Lilien vorspielen durfte und dann doch kein Vertragsangebot erhielt?
Ähnlich wie in Darmstadt: Er ist letzte Woche sogar aus der zweiten Mannschaft aussortiert und nun freigestellt worden. Er spielte in der Zweiten auch nur einmal und wurde dort noch in der ersten Hälfte ausgewechselt.

Da nimmt einer wirklich den Fahrstuhl nach unten. Bei eurem Bundesligateam läuft es besser. Bist Du mit dem Saisonauftakt der 05er zufrieden? Zwei Siege, zwei Remis, zwei Niederlagen, Platz 11.
Sehr zufrieden angesichts der Dreifachbelastung, wenn auch bislang nur eine DFB-Pokalrunde gespielt wurde. Ich hatte befürchtet, dass es uns ähnlich ergeht wie Eintracht Frankfurt und dem FC Augsburg in den letzten Jahren und wir mindestens die Hinrunde auf den Abstiegsrängen herumkrebsen. Daher bin ich sehr erleichtert und mit 8 Punkten aus 6 Spielen zufrieden.

Welcher Weggang wird Deines Erachtens schwerer zu kompensieren sein? Der von Rückhalt Loris Karius oder der von Kapitän Julian Baumgartlinger? 
Puh, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich finde, dass beide gut ersetzt wurden. Ich weiß, dass einige Fans auf diese Frage sehr schnell mit Loris Karius antworten würden, weil sie mit Jonas Lössl nicht zufrieden sind. Der Meinung bin ich aber nicht. Ich persönlich sehe vielmehr in der Abwehr bzw. im Stellungsspiel Probleme in der Zuordnung.

Apropos Lössl: Außer ihm sind Eure Neuzugänge allesamt sehr jung. Die meisten sind wie Öztunali, Gbamin und Holtmann nur wenig älter als 20 Jahre. Ist das nicht ein wenig riskant?
Neue Spieler bei Mainz sind selten schon im „besten Fußballalter“. Gut, 20 ist noch mal ein Unterschied zu 22 oder 24 Jahren, aber keinen, den ich als Risiko, sondern vielmehr als Chance sehe.

Machst Du Unterschiede oder eine Weiterentwicklung im spielerischen oder taktischen Bereich aus?
Das kann ich offen gestanden gar nicht beantworten, da ich in dieser Saison – unter anderem wegen meines Urlaubs – noch gar nicht so viele Spiele gesehen habe. Außer im DFB-Pokal habe ich noch nicht einmal ein Mainzer Tor live gesehen. Die fielen sogar nur dann, wenn ich kein Webradio hörte oder nicht vor dem Fernseher saß.

Wie siehst Du die Europa League? Lust oder Last? 
Das sehe ich nach wie vor sehr gespalten. Ich hatte ja anfangs meine schon erwähnten Bedenken, dass wir von Saisonbeginn an gegen den Abstieg spielen werden. Das hat sich schon mal nicht bewahrheitet. Als die EL-Gruppe von Mainz mit St. Etienne, Qäbälä und Anderlecht feststand, freute ich mich, dass ein Weiterkommen unter Umständen möglich sein könnte. Aber auch diese kurzen Freudenmomente können sehr schnell durch die Realität auf den Boden zurückgeholt werden. Ich bin einfach froh, dass Mainz sich international präsentieren kann, freue mich von Spiel zu Spiel und natürlich auch über den Geldsegen.

Ihr seid zweimal eher unrühmlich in der Qualifikation hängengeblieben. Nun mischt ihr endlich international mit. Die Heimpremiere gegen St. Etienne wollten aber nur 20.000 Zuschauer sehen. Wie kommt’s?
Das kann ich schwerlich erklären, wobei ich – Stichwort Urlaub – ebenso nicht im Stadion war. Ich muss mir da also auch an die eigene Nase fassen. Vielleicht war es der Anstoß an einem Wochentag um 19 Uhr, vielleicht haben viele befürchtet, dass wir kein gutes, erfolgreiches Spiel abliefern und wollten es sich lieber von zu Hause aus ansehen. Dass Mainz nicht ausverkauft ist, ist ja nichts Neues, aber dass nur etwas mehr als 20.000 kamen, ist leider unrühmlich.

Ihr habt noch keinen Heimsieg, Darmstadt bekam auswärts bislang überhaupt kein Bein auf den Boden. Was erwartest Du vom Spiel gegen die Lilien?
Das Gemeine an den Mainzer Spielen ist ja, dass sie nicht in Führung gehen sollten, wenn sie das Spiel gewinnen wollen. Wobei, halt, gegen Qäbälä haben sie wie immer ihre Führung verloren, konnten das Spiel aber dann noch mal drehen. Aber sonst haben sie sich jedes Mal die Butter vom Brot nehmen lassen. Angesichts des EL-Heimspiels gegen Anderlecht am darauffolgenden Donnerstag wäre ein durchaus möglicher Abnutzungskampf nicht wünschenswert. Warten wir’s ab.

Herzlichen Dank, Clio.
Bitte sehr!


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

War zeitversetzt zu diesem Jahr die Länderspielpause. Doch nicht verzagen, dann blicken wir doch einfach eine weitere Woche zurück. Am 6. Oktober 2012 hießen über 13.000 Zuschauer im Aachener Tivoli den SVD willkommen. Jürgen Seeberger kehrte an seine ehemalige Trainerstation zurück und verzichtete darauf, seine Elf mit einer offensiven Grundausrichtung ins Spiel zu schicken. Die Alemannia übernahm folglich die Initiative und verzeichnete die deutlich besseren Chancen. Nur konsequent, dass die Gastgeber nach einer Stunde in Führung gingen. Als Cem Islamoglu wenig später den Ball von der Linie kratzte, glich Kacper Tatara im Gegenzug etwas schmeichelhaft aus. Die 98er verteidigten den Punkt bis zum Schluss und vermieden damit die dritte Niederlage infolge. Daran änderte auch Marcel Heller nichts, der damals noch im Alemannia-Trikot auflief. Dank der Punkteteilung verließen die Lilien die Abstiegszone der 3. Liga.

Die Lilien-Elf vom 1:1 in Aachen:
Zimmermann – Gaebler, Beisel, Islamoglu, Stegmayer – Behrens, Latza (Steegmann) – Zimmerman, da Costa, Hesse (Zielinsky) – Tatara (1, Schnier)
Zuschauer: 13.003

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