Spieltag 22 (#d98fca): „Für mich ist die magische Marke nicht 40 sondern 34.“

screenhunter_62-feb-18-23-16Stand im Hinspiel noch die Personalie Dirk Schuster im Mittelpunkt des Medieninteresses, so wird dies am Samstag anders sein. Ex-Lilien-Coach Schuster ist in Augsburg mittlerweile Geschichte und so geraten die Altintop-Brüder in den Fokus. Sie treffen am Bölle erstmals seit Ende 2012 wieder aufeinander. Damals spielten beide in der Türkei für Galatasaray (Hamit) beziehungsweise Trabzonspor (Halil). Wie es um Halils Augsburger derzeit bestellt ist, schildert mir FCA-Fan Stephan im Laufe meines Vorberichts.

So sieht’s aus:

„Zuerst möchte ich Darmstadt für die gute Entwicklung loben.“ Hoffenheim-Coach Julian Nagelsmann sprach diese Worte nach der Partie vom vergangenen Samstag. Ein Lob, das zwar keine Punkte brachte, aber die Erkenntnis, dass der SVD nicht (mehr) als Rumpeltruppe daherkommt. Für den Moment haben sich die 98er gefangen und sind sogar dabei, einen gewissen Spielstil zu kultivieren. Der Ball wird nicht nur weggedroschen, er wird zum besser postierten Lilien-Spieler gepasst … und das auch noch erfolgreich und über mehrere Stationen. Das belegt die Passquote. In Hoffenheim wiesen die „Hoch & Weit-Lilien“ laut kicker-App eine sagenhafte Passquote von 78 Prozent auf. Das liegt auch daran, dass die 98er unter Torsten Frings den Ball erst hinten kontrollieren und dann immer wieder über den ball- und passsicheren Hamit Altintop nach vorne kombinieren.

In Hoffenheim verstand es das Team über weite Strecken defensiv nichts anbrennen zu lassen. Wäre die erste dicke Chance von Marcel Heller nach fünf Minuten verwertet worden (oder im Nachsetzen von Sidney Sam bzw. Jan Rosenthal), dann hätte ein toller Nachmittag draus werden können. So musste Rosenthal nach 30 Minuten angeschlagen raus und Mario Vrancic füllte dessen Rolle hinter der Spitze nicht sonderlich überzeugend aus. Zudem beflügelte die Hereinnahme von Andrej Kramaric Hoffenheims Offensivspiel in Halbzeit 2 spürbar. So fehlte den Lilien nach vorne die letzte Konsequenz, während genau dort Hoffenheim letztlich seine individuelle Klasse ausspielte.

Mit der 0:2-Niederlage bei einem Anwärter auf die internationalen Plätze muss man leben. Könnte man vielleicht sogar, wenn nicht der Blick auf die Tabelle wäre. Jetzt kommt es darauf an. Gegen Augsburg, Bremen, Mainz und Wolfsburg müssen Punkte her. Der FCA verlor zuletzt gegen Leverkusen, ließ aber zugleich die ein oder andere gute Torchancen liegen. Zuvor kehrten sie mit null Punkten aus Mainz zurück. Sollten sie auch in Darmstadt verlieren, würden die Schwaben – die auswärts eher zu den erfolgreicheren Teams zählen – Gefahr laufen, unten reinzurutschen.


Die aktuelle Prise Lilien-Podcast:

Am Montag zeigten wir uns kollektiv optimistisch, dass am Samstag tatsächlich ein Dreier rausspringt. Ganz einfach „weil wir müssen“: KLICK


Der Kontrahent hat das Wort:

Stephan zählt zum Stammpersonal des FCA-Podcasts „Auf die Zirbelnuss“ (KLICK), der bei meinsportradio.de zu hören ist.

Stephan, was hat der Wechsel von Dirk Schuster zu Manuel Baum bewirkt?
Also durch Baum ist schon mehr Zug nach vorne ins Spiel reingekommen. Das sieht jetzt attraktiver aus, und deswegen hat man auch wieder einige Gesichter im Stadion gesehen, die unter Schuster daheim geblieben sind. Allgemein ist durch die Siege unter Baum die Abstiegsangst ein wenig geschwunden.

Was glaubst Du, warum die Zusammenarbeit zwischen Dirk Schuster und dem FCA so früh enden musste?
Das ist so ein bisschen ein Geheimnis. Außer den Verantwortlichen weiß es wohl niemand wirklich genau. Es gab viele Gerüchte wegen dem Veilchen, das Schuster auf einmal hatte, darunter auch einige Räuberpistolen um Alkoholprobleme. In der Vergangenheit haben sich viele abseits des Platzes etwas zuschulden kommen lassen. Markus Weinzierl etwa auf dem Gäubodenfest. Darüber hat der FCA aber immer schützend den Mantel des Schweigens gelegt. Selbst wenn es wie bei Alex Esswein, sogar vor Gericht wegen Körperverletzung ging. Deswegen wäre es schon überraschend, wenn man bei Schuster kein Auge zugedrückt hätte.
Der vorgeschobene Grund der sehr defensiven Spielweise unter Schuster wird dann wohl doch den Ausschlag gegeben haben. Auch wenn es zu erwarten war, dass er so spielen wird, hat sich das Fußballromantiker und Vereinspräsident Hofmann wohl anders vorgestellt. Er ist regelmäßig im Stehblock und wird dort genau die Wut des Volkes mitbekommen haben. Der vermeintlich langweilige Fußball, den Schuster gespielt hat, hat sehr viele ziemlich aufgeregt. Ein anderer Aspekt war wohl, dass er sich mit dem Chefscout zerstritten hat, da er von den Neuzugängen, die vor Schusters Unterschrift getätigt wurden, nicht begeistert war, insbesondere von Usami. Ich bin da eher auf der Seite von Schuster, weil Usami bisher keine Bereicherung für die Mannschaft ist. Nach Schusters Abgang hat man Chefscout Stephan Schwarz dann zum Technischen Direktor befördert.

In der Offensive klemmt beim FCA der Schuh. 19 Tore nach 21 Spieltagen sind ausbaufähig. Liegt das an der Verletztenmisere im Sturm oder gibt es andere Gründe?
Generell liegt es an den Verletzten, aber auch die defensive Ausrichtung unter Schuster spielte da mit rein. Zudem hat der FCA immer noch einige Probleme, wenn er das Spiel machen muss. Das war unter Weinzierl schon so, und ist auch dem geschuldet, dass man mittlerweile mitunter als Favorit in die Begegnungen reingeht. So ist in der letzten Saison die Heim-Niederlage gegen Darmstadt zustande gekommen. Man findet manchmal keine Mittel wenn der Gegner tief steht, selbst in Bestbesetzung.

Wird Winter-Neuzugang Moritz Leitner Abhilfe schaffen können?
Ich hoffe es immer noch. Leitner hat aber anscheinend Trainingsrückstand und kam daher erst zu einer Einwechslung spät im Spiel. Ich erinnere mich noch an seinen erstes halbes Jahr bei uns. Da war er schon eine Bereicherung für die Offensive. Aber er hat in Rom nur 17 Minuten in zwei Spielen gespielt, und in Stuttgart hat die Leistung wohl überhaupt nicht gestimmt, was mir so aus Schwaben-Württemberg geschrieben wurde. Ihm muss klar sein, dass das jetzt seine letzte Chance in der Bundesliga ist.

Hinten tritt Augsburg derzeit ebenfalls nicht überzeugend auf und geriet in den letzten fünf Spielen immer in Rückstand. Machst Du ein Muster aus, warum das Team so anfällig ist?
Das kommt jetzt auch durch die offensivere Spielweise von Baum. Unter Schuster hat das Mittelfeld oft recht klassisch als zweite Viererkette vor der Abwehr fungiert. Dies war auch nötig, weil mit Janker und Hinteregger verletzungsbedingt zwei Unsicherheitsfaktoren in der Innenverteidigung standen. Janker ist jetzt zwar rausrotiert, und Hinteregger hat sich eingegroovt, aber die zusätzliche Absicherung ist nicht mehr da.

Was müssen die Lilien am Samstag tun, um dem FCA so richtig Probleme zu bereiten?
Also tief stehen wäre schon mal ein guter Anfang. Über Standards waren wir in den letzten Spielen sehr anfällig. Mainz und Leverkusen haben den FCA eigentlich relativ weit kombinieren lassen, aber dann am Sechzehner den Stecker gezogen. Wenn der FCA in Rückstand liegt, macht er unter Baum relativ bald hinten auf. Leverkusen hat das eiskalt ausgenutzt, und Bremen hätte es eigentlich tun müssen.

Mit den Lilien scheint Absteiger Nummer 1 schon festzustehen. Teilst Du die Einschätzung?
Noch nicht ganz. Darmstadt spielt jetzt besser, aber die anderen haben häufiger gepunktet. Mit der Drei-Punkte-Regel kann es jedoch schnell gehen. Ich war vor dem Trainerwechsel in Ingolstadt, und da hat wirklich ein klarer Absteiger gespielt. Mittlerweile hat das in Ingoldorf wieder Hand und Fuß.

Der FCA ist erprobt im Abstiegskampf. Warum wird Augsburg auch in diesem Jahr die Klasse halten?
Wir haben jetzt schon 24 Punkte gesammelt. Für mich ist die magische Marke nicht 40 sondern 34. Bis dahin ist es nicht mehr weit, vor allem da wir immer auf Sieg spielen. Wir werden noch einige Spiele verlieren, aber wenn wir gleichzeitig noch vier gewinnen, sind wir durch. Das war eine Schwäche von Schuster, wenn man zu sehr auf Unentschieden geht, fällt man schnell hinten runter.

Stephan, vielen Dank für Deine Ausführungen.


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

Holte sich der SVD die erste Niederlage im Kalenderjahr 2013 ab. Beim Drittliga-Duell in Heidenheim stand es am Ende 0:3. Ein Ergebnis, das dem Spielverlauf nicht gerecht wird, denn die Lilien drückten nach dem frühen Rückstand auf den Ausgleich. Dass es dazu nicht kommen sollte, lag an einem merkwürdigen Platzverweis gegen Benjamin Gorka. Schiedsrichter Benjamin Cortus schickte den Verteidiger mit Gelb-Rot vom Platz, obwohl der zuvor noch gar nicht verwarnt worden war. Die Vermutung liegt nahe, dass er Gorka mit Innenverteidiger-Kollege Aytac Sulu verwechselte, der bereits Gelb gesehen hatte. Die Szene sorgte auf dem Platz für minutenlange Diskussionen und auch Cortus schien sich seiner Sache alles andere als sicher zu sein, beriet er sich doch lange mit seinem Assistenten. Am Ende stand er zu seiner Entscheidung und vermerkte einen Platzverweis wegen … Schiedsrichterbeleidigung. Aha!

Die Lilien-Elf vom 0:3 beim 1. FC Heidenheim:
Zimmermann (C) – Hickl, Gorka, Sulu, Stegmayer – Latza, Behrens (81. Islamoglu), Zielinsky (88. Hübner), Da Costa (29. Baier), Zimmerman – Borg
Zuschauer: 6.000

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