Spieltag 24 (#d98m05): „Nicht nur Erfolg, auch Fehler werden gemeinsam gemacht“

Südhessen gegen Rheinhessen heißt es am Wochenende am Böllenfalltor … zum vierten und mutmaßlich letzten Mal auf Bundesliga-Niveau. Zumindest fürs Erste. Die Mainzer rangieren mit 29 Punkten im gesicherten Mittelfeld, dürften aber in Darmstadt den Abstand auf die Abstiegszone ausbauen wollen, in der die Lilien wie zementiert feststecken.

So sieht’s aus:

Viel Zuspruch erhielten die Lilien für ihre anfänglich starke Performance in Bremen. Die erste Halbzeit gehörte vollauf den Blau-Weißen die in allen Statistiken vorne lagen. Außer bei der Torausbeute, da herrschte auf beiden Seiten Ebbe. Nach der Pause dann das gewohnte Bild. Wenn ein Tor fällt, dann für den Gegner; gerne auch unter gütiger Mithilfe der Lilien. Der von Aytac Sulu verschuldete Elfer zum 0:1 war bereits der vierte in den letzten fünf Begegnungen. So bleibt die Erkenntnis, von den letzten 15 Bundesligaspielen frustrierende 13 verloren zu haben.

Letzte Woche behauptete ich noch „The show ain’t over till the fat lady sings“. Ich stellte aber zugleich fest, dass die (Lilien-)Dame nicht sonderlich erfolgreich singe. Nun ist auch klar, welches Lied sie singt: „Time to say goodbye“! Das sieht auch Torsten Frings so, der nach dem Werder-Spiel davon sprach, man spiele jetzt nur noch für sich. Der richtige Ansatz. So kann der SVD hoffentlich – wie ich auch letzte Woche schrieb – ein wenig entspannter im Freibeuter-Modus wildern. Wenn da nur nicht die Harmlosigkeit im Offensivspiel wäre. So dürfte letztlich unter der Saison stehen, dass man den Abgang von Sandro Wagner und die verloren gegangene Standardstärke zu keinem Zeitpunkt kompensieren konnte.

Trotz aller Widrigkeiten und Pleiteserien zeigten die Lilien oft die richtige Einstellung. Getreu Johnnys‘ Motto „Du musst kämpfen. Es ist noch nichts verloren“, rappelten sie sich auch nach der x-ten Niederlage immer wieder auf. Am vergangenen Mittwoch jährte sich Johnnys Todestag, weshalb ich hier nochmals allen empfehlen möchte, den ein oder anderen Euro für seine Stiftung und damit einen verdammt guten Zweck zu spenden: DUMUSSTKÄMPFEN


Die aktuelle Prise Lilien-Podcast:

Am Montag ließen wir das Spiel in Bremen Revue passieren, befassten uns ein wenig mit der mittelfristigen Zukunft und mussten dabei zu allem Überfluss auf Kai verzichten, der es bevorzugte im Mexiko-Urlaub lediglich den Aufnahme-Knopf zu drücken. Dafür ergötzte sich Daniel an einem „jungen anatolischen Flug-Gott“: KLICK


Der Kontrahent hat das Wort:

Mara ist Journalistin und begleitet den 1. FSV Mainz 05 als Kolumnistin für die Allgemeine Zeitung durch die Bundesliga. Daneben hat sie gemeinsam mit Christian Karn ein Buch über die Rheinhessen (KLICK) geschrieben.

Mara, zur Winterpause warst Du im Rasenfunk-Podcast zu Gast. Du sahst nicht gerade zuversichtlich in die Zukunft, was den Werdegang Deiner 05er anbetraf: Stadion, Fans, Klubspitze, überall gab es Baustellen. Auch die aktuelle Ausgabe der 11Freunde malt ein graues Bild. Bist Du nun zuversichtlicher, wo Präsident Harald Strutz bekannt gegeben hat, bei der nächsten Mitgliederversammlung nicht mehr zu kandidieren?
Ach, bei aller Liebe für das schöne Magazin 11 Freunde (und die ist reichlich vorhanden), aber die Redaktion müsste mir mal den Artikel zeigen, den sie über Mainz geschrieben hat, ohne von dort ein graues Bild zu malen. Da bin ich schmerzlos. Grundsätzlich halte ich es für falsch, zu glauben, das Wohl und Weh eines Vereins hänge nur an einer Person. Ich war immer Heidel-Fangirl, einfach, weil er eine Art hat, Leute mitzureißen, die den Verein vorangebracht hat. Aber ich halte die bei einigen Fans betriebene Heiligsprechung seiner Person für ebenso überzogen wie die Verteufelung der Person Harald Strutz. Nicht nur Erfolg, auch Fehler werden gemeinsam gemacht. Der größte unseres Noch-Präsidenten war in meinen Augen, dass er zu spät erkannt hat: Fast alles, was ihm nun angekreidet wird, hätten die Mitglieder in den fetten Jahren gutgelaunt durchgewunken.
Kein vernünftiger Mensch wirft ihm vor, dass er Geld verdient hat. Aber die Frage, wie Dinge hinter den Kulissen gehandhabt wurden, wie scheibchenweise sie ans Licht kamen, und auch ein viel zu lange fehlendes, echtes Schuldbewusstsein, daran stör(t)en sich die Leute. Insofern muss sich erstmal weisen, wie es sich auf den Verein auswirken wird, dass Strutz nun nicht mehr kandidiert. Seinen Entschluss werte ich aber, nach allem, was war, als positiv, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Trotzdem gebe ich nach wie vor ein bisschen den Uwe Seeler: Ich mache mir Sorgen um meinen Verein. Sportlich hatten wir großes Glück mit Rouven Schröder, aber was die Frage nach neuen Personen angeht, die den Verein führen können und zugleich Identifikationsfiguren sein, sehe ich keine einfachen oder total offensichtlichen Lösungen.

Kommen wir zum Sportlichen. Der Winter-Wechsel von Yunus Malli zum VfL Wolfsburg kam für mich überraschend. Auch für dich?
Gar nicht. Es war bekannt, dass Malli sich schon ein Jahr vorher gerne der Dortmunder Borussia angeschlossen hätte und die Argumentation, warum man ihn gehen lässt, war dann auch genau diese: Einem Spieler diesen Wunsch zweimal auszuschlagen, holt dich im Zweifelsfall ein. Selbst bei aller Disziplin, die ich jedem Profi unterstelle, macht das was mit dir. Überrascht hat mich nur, warum er keine Geduld hatte, darauf zu warten, dass ihn im Sommer ein guter Verein holt, ein sympathischer gar. Aber das ist natürlich Sache des Spielers.

Gibt es Spieler, bei denen Du ein wenig Bauchschmerzen kriegst, wenn sie ausfallen?
Das klingt vielleicht seltsam, aber ich kriege da grundsätzlich einen leichten Bauchschmerz. Ich wünsche mir, dass der Trainer immer wählen kann für die Aufstellung, wer sich unter der Woche am besten gezeigt hat, und nicht The Last Men Standing aufstellen muss. Das ist so ein bisschen als Luxusproblem entstanden bei mir diese Saison, in die wir ja mit einem Kader rein sind, der bis zu drei Wettbewerbe wuppen sollte – von denen wir leider nur noch in einem dabei sind.

Und bei wem grummelt Dein Bauch am meisten?
Grundsätzlich würde ich nie ohne Donati und de Blasis spielen, weil sie aus meiner Sicht Spielertypen sind, die sich immer 115% reinhängen, nie aufstecken, laufen, bis sie über ihre eigene Zunge stolpern und durch diesen Einsatz und Willen auch die Mannschaft besser machen.

Ex-Lilie Danny Latza kam noch zum Jahresende nach langer Verletzungspause zurück. Leon Balogun – ebenfalls zuvor bei den 98ern – kam zuletzt überhaupt nicht zum Zug. Was ist zu den beiden zu sagen?
Ich sehe beide sehr gerne in Mainz. Danny Latza hat der Mannschaft während seiner Verletzung wirklich gefehlt, das sieht man seit seiner Rückkehr deutlich. Und mit dem Hattrick gegen den HSV hat er sich natürlich nebenbei ein bisschen unsterblich gemacht. Leon Balogun hat zuletzt in der U23 ausgeholfen und fehlte dann gesperrt. Auf der Innenverteidiger-Position war diese Saison bei den Profis immer mal Bewegung, insofern halte ich da auch niemanden für abgeschrieben.

Vor einigen Spieltagen hatte ich euch noch auf dem Zettel unten reinzurutschen. War insbesondere der Heimsieg gegen den FC Augsburg am 20. Spieltag Gold wert?
Das klingt abgedroschen, aber jeder Punkt ist Gold wert. Immer. Der Sieg in Leverkusen war auch brutal wichtig, ebenso wie der Punkt gegen Wolfsburg. Das sah zwischenzeitlich echt mal nicht so gut aus, inzwischen bin ich wieder deutlich entspannter.

Was traust Du der Mannschaft in der verbleibenden Saison noch zu?
Erstmal den Klassenerhalt. Wenn der geschafft ist, wünsche ich mir noch ein paar Spiele, an denen wir im Stadion richtig Spaß haben werden.

Wie bewertest Du die Spielzeit der abgeschlagenen Lilien als Außenstehende?
Inzwischen glauben wohl nur noch die treusten Fans daran, dass Darmstadt die Klasse halten wird – schade! Für mich war das ein festes Auswärtsspiel mit meinen Neffen, bei dem wir nicht zuletzt das Gefühl genossen haben, ein bisschen in die eigene 05-Vergangenheit zu reisen. Ihr werdet mir fehlen!

Danke Mara. Ich bin gespannt, wann sich unsere Klubs das nächste Mal duellieren.


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

Gewannen die Lilien beim VfB, beim VfB II um genau zu sein. Das 2:0 bedeutete drei ersehnte Punkte im Kampf gegen den Abstieg in Liga 3. Letztlich erwies sich der kleine VfB auf der Waldau als angenehmer Gegner und stellte den SVD vor keine allzugroßen Probleme. Preston Zimmerman und Danny Latza (auf Vorlage von Freddy Borg!) trugen sich in die Torschützenliste ein und halfen den 98ern den Anschluss ans rettende Ufer zu halten. Eigentlich hätten die Lilien am darauffolgenden Dienstag gleich wieder ran müssen. Doch starke Schneefälle verhinderten die Nachholpartie gegen den Chemnitzer FC, die letztlich erst Mitte April stattfinden sollte.

Die Lilien-Mannschaft vom 2:0 beim VfB Stuttgart II:
Zimmermann(C) – Ratei, Sulu, Maas, Stegmayer – Behrens, Baier, Zielinsky, Latza [Tor] (80. Da Costa), Zimmerman [Tor] – Borg (87. Islamoglu)
Zuschauer: 610

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