Spieltag 25 (#wobd98): „Kontinuität ist ein generelles Problem bei uns in Wolfsburg“

Eigentlich können sich die Lilien das Spiel beim VfL Wolfsburg sparen. Das Ergebnis steht eh schon fest. Allesamt 0:2 endeten die letzten vier Auswärtspartien. Aber, aber. Wer wird denn die Flinte ins Korn werfen? Schließlich will doch irgendwann der erste Auswärtspunkt bejubelt werden.  Ob das bei den Niedersachsen klappt? VfL-Fan Daniel spricht mit mir bis dahin über die Saison des Deutschen Meisters von 2009.

So sieht’s aus:

Da war mal wieder so richtig Feuer drin. Der 2:1-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 zeigte, dass die Lilien doch wettbewerbsfähig sein können. Natürlich muss dazu sehr viel passen. So war es Gold wert, dass der SVD nach zwölf Minuten bereits mit 2:0 in Führung lag. Endlich beendete Aytac Sulu nach einer Ecke seine Abschlussflaute und erneut zeigte Sidney Sam vom Elferpunkt Nervenstärke. Und als das Team nach einer knappen Stunde in Unterzahl geriet, stand das Stadion wie ein Mann hinter den leidenschaftlich fightenden 98ern.

Da ist es wirklich jammerschade, dass die Lilien schon so weit abgeschlagen sind. Zehn Spieltage am Stück ans Limit zu gehen und Sieg an Sieg zu reihen, wird ein Ding der Unmöglichkeit sein. Und selbst wenn: So lange die Konkurrenz punktet als ob es kein Morgen gäbe,  bleibt alles Makulatur. Dennoch wird rund ums Bölle keine Trübsal geblasen. Die Lilien spielen ansehnlichen Fußball, sie zeigen einen guten Charakter, sie stecken nicht auf. Einfach so im Vorbeigehen, gewinnen die Gegner nicht gegen das Team von Torsten Frings mit. Lediglich gegen den Effzeh gab es unter ihm eine Klatsche.  Die meisten der fünf Niederlagen wurden erst in den letzten Spielminuten besiegelt.

Die Lilien werden in den verbleibenden zehn Spielen alles daran setzen, so viele Punkte wie möglich aufs Konto zu scheffeln. Damit es am Ende heißen kann: Raus mit Applaus und damit erhobenen Hauptes! Und dann können die Lilien im Saisonendspurt ja auch noch das Zünglein an der (Abstiegs)Waage spielen. Sie müssen noch nach Ingolstadt, Hamburg und jetzt nach Wolfsburg. Wer auch immer gegen Darmstadt 98 im eigenen Stadion Punkte liegen lässt, wird sich ordentlich ärgern. Wer dies im Kampf gegen den Abstieg tut, erst recht. Hat Wolfsburg den Abstiegskampf verinnerlicht? Wird das favorisierte Team unruhig, je länger es 0:0 steht? Das Blamagepotential liegt jedenfalls bei der Heimelf, die wie der SVD in dieser Saison bereits auf den dritten Trainer setzt. Die Ausgangslage ist somit gar nicht so schlecht, für hoffentlich furchtlos aufspielende und engagiert kämpfende 98er.


Die aktuelle Prise Lilien-Podcast:

Freuten wir uns über das gute Heimspiel und den Dreier gegen Mainz, erkannten unseren Mike in der Sportschau-Berichterstattung wieder und tippten uns die ersten Auswärtspunkte aus Wolfsburg herbei: KLICK.


Der Kontrahent hat das Wort:

Daniel kommt aus Stuttgart, supportet aber den VfL, über den er ab und an auch bloggt: KLICK. Mit mir spricht er darüber, warum sein Klub in dieser Saison nicht so recht aus dem Quark kommt.

Daniel, fast auf den Tag genau vor einem Jahr spielten die Lilien letztmals in Wolfsburg. Beide Teams setzten 14 Spieler ein und auf beiden Seiten zählen heute nur noch sieben zum Kader. Bei den Lilien kommt das aufgrund des Aderlasses im Sommer nicht überraschend. Warum gab es beim VfL so wenig Kontinuität?
Gut, dass du lieber auf unseren Kader eingehen möchtest, als auf das Spiel selbst. Da gehe ich gerne mit. Kontinuität ist ein generelles Problem bei uns in Wolfsburg. Nach starken Saisons kommen immer wieder schwächere Folgejahre hinzu. So war es 2009 nach der Meisterschaft und so war es 2015 nach dem DFB-Pokalsieg. Viele Spieler sind in Wolfsburg mit guten Verträgen ausgestattet, haben andere Ambitionen und möchten gerne zu einem größeren Verein wenn es mal nicht so läuft wie angedacht. Und hier zähle ich nicht nur einen Julian Draxler auf, sondern auch Spieler wie Luiz Gustavo oder Ricardo Rodriguez, die mit ihren Ausstiegsklauseln nicht gerade für Ruhe in den Transferperioden innerhalb eines Teams sorgen. Hinzu kommt noch die Unausgeglichenheit des Kaders. Er scheint nicht richtig homogen zu sein. Aber für die kommenden Spiele bin ich nun guter Dinge.

Dennoch verläuft die aktuelle Spielzeit bislang unbefriedigend. Wann dämmerte Dir, dass diese Saison echt hart werden wird?
Wenn man sich die Saison 15/16 nach dem Pokalerfolg angeschaut hat, dann war mir schon bewusst, dass wir mit dem internationalen Geschäft erstmal nichts zu tun haben werden. Die Zeit von Dieter Hecking war bei uns eigentlich im Sommer schon abgelaufen. Leider hat es unser damaliger Manager Klaus Allofs nicht geschafft, ihn zu entlassen und durch Lucien Favre zu ersetzen. Dies war der Wunsch des Aufsichtsrats, allerdings kann man hier sehr schön sehen, wer am Ende dann doch das Sagen hatte. Es war im Nachhinein ein Riesenfehler, der später in der Saison nochmals getoppt wurde. Dass wir nun so stark im Abstiegskampf stecken, hätte ich allerdings nicht erwartet. Aber es bringt dir als Team eben nichts, wenn du zwar anscheinend individuelle Qualität hast, aber als Mannschaft nicht funktionierst. Und das, weil die Trainer es nicht schaffen das Kollektiv in den Vordergrund zu stellen. Andere Mannschaften gehen nur über den Teamgeist und können so mangelnde Qualität wettmachen. In Wolfsburg scheint man sich weiterhin auf die eigenen Fähigkeiten zu berufen. Dies könnte sehr schlimm ausgehen, wie man schon bei anderen Vereinen gesehen hat.

Du sprachst eben von der individuellen Qualität. Mit Yunus Malli, Daniel Didavi und Mario Gomez waren drei Neuzugänge maßgeblich am Siegtreffer in Leipzig beteiligt. Sie alleine müssten als Garanten für den Klassenerhalt taugen, oder?
Von den Namen her ganz klar. Allerdings konnten große Namen bei uns selten etwas Großes bewegen. Es waren dann doch eher die kleineren Namen und Spieler, die sich bei uns in einer gewissen Zeit entwickelt haben und mit denen wir bessere Leistungen abrufen konnten. Aber wie Du schon sagst: Die Namen hören sich erstmal gut an und das Tor in Leipzig war perfekt herausgespielt. Ein sehr starker Konter über vier Stationen und am Ende lässt sich ein Mario Gomez nicht zweimal bitten. Generell war das Spiel in Leipzig eine kollektive Leistung von Mannschaft, Trainer und Fans gegen einen vom Papier her in dieser Saison übermächtigen Gegner. Was wir am Ende daraus gemacht haben, gibt mir Mut und Hoffnung für die letzte zehn Partien in der Bundesligasaison 2016/17.

Du hast schon zweimal durchblicken lassen, dass das Team nun die Kurve kriegt. Siehst Du nicht die Gefahr, dass in der ungewohnten Tabellenregion die Psyche einen Streich spielen kann?
Natürlich ist der Abstiegskampf noch mal eine ganz andere Hausnummer als der Kampf um die internationalen Plätze, bei denen man weniger Druck hat. Wir hätten auch gut und gerne mit 2:0 in Leipzig gewinnen können, wenn man eben das Quäntchen Glück vor dem Tor gehabt hätte und Daniel Didavi da etwas besser agiert hätte. Aber sei’s drum. Ich bin mit der gesamten Leistung und natürlich auch den drei Punkten mehr als zufrieden. Allerdings wünsche ich mir, dass man diese wichtigen drei Punkte am kommenden Samstag nicht wieder verschenkt, denn ansonsten war der Sieg in Leipzig überflüssig.

Als Außenstehender mutete es merkwürdig an, wie lange der VfL an Valérien Ismaël festhielt. Das Team wirkte über weite Strecken wenig sattelfest und reichlich harmlos. Wie sahst Du das?
Es war schon die falsche Entscheidung von Klaus Allofs nach den durchwachsenen Auftritten der Mannschaft unter Ismaël diesen als Cheftrainer zu installieren. Allerdings war es der einfachste Weg für einen kriselnden Manager. Angeblich gab es mal wieder keinen passenden Trainer auf dem Markt. Valérien Ismaël ist nicht umsonst in Nürnberg gescheitert und konnte mit unserer U23 Truppe bis auf den Finaleinzug zur Drittliga-Relegation wenig auf sich aufmerksam machen. Dass eben doch etwas mehr dazu gehört in der 1. Liga Trainer zu sein, als nur ein paar emotionale Ansprachen zu tätigen, viermal in der Woche zu trainieren, den Spielern den freien heiligen Montag nicht zu streichen, das dürfte jedem soweit klar sein. Es gab keine Umstellungen im Team, außer dass Spieler auf für sie neuen Positionen eingesetzt wurden und dort die gesamte Zeit ihre Narrenfreiheit genießen durften, auch bei schlechten Leistungen. Für mich persönlich war das Kind nach dem Sieg gegen Freiburg (3:0) bereits in den Brunnen gefallen. Und den nächsten Fehler haben wir dann unter der neuen Leitung von Olaf Rebbe getätigt. Zwei Siege gegen Frankfurt und Gladbach gaben kurz vor dem Jahreswechsel ein zu positives Bild von der Mannschaft. Man entschied sich für Ismaël und gegen einen David Wagner. Acht Wochen später musste man den Fehler nun mit Andries Jonker geraderücken.

Ist Jonker der richtige Mann auf der Trainerbank?
Er ist bei uns ja kein Unbekannter. Dieter Hecking holte ihn damals schon als Taktikexperten nach Wolfsburg und er wird bei uns schon einen gehörigen Anteil am Erfolg unter Hecking gehabt haben. Ich bin mit der Entscheidung sehr zufrieden, wenn wir diese Saison erstmal geschafft haben und in der 1. Liga bleiben. Er hat schon in Mainz gezeigt, dass er das Team besser auf den Gegner vorbereitet. Dass innerhalb von einer Woche noch nicht alles neu sein würde, war uns auch bewusst, aber mit einem Punkt in Mainz konnten wir gut leben. In Leipzig passte dann noch mehr zusammen. Jeder Spieler wusste, welche Aufgabe er für den Erfolg in den Dienst der Mannschaft stellen musste. Unser Offensivspiel ist in dieser Saison sehr stark ausbaufähig. Da wird Jonker in dieser Woche weiter ansetzen. Aber auch für die Zukunft ist er jemand, der auf junge Spieler setzt und diese immer besser machen möchte. Genau das ist mir, wie vielen anderen Fans, wichtiger als neue Stars für viel Geld von anderen Vereinen zu holen. Denn mit unserer Jugend machen wir seit Jahren einen starken Job im Hintergrund. Es gilt dann aber auch, diese Spieler mit Profiverträgen auszustatten und sie an den Profibereich gekonnt heran zu führen. Da bin ich bei Jonker positiver Dinge, denn er hat sich durch seinen vorherigen Job bei Arsenal als Jugendchef einen guten Überblick über die Möglichkeiten bei einem der Topvereine in der Welt verschafft.

Dann wäre der Klub nicht so abhängig von den VW-Millionen. Wie wird sich deren Sponsoring in den nächsten Jahren entwickeln?
Wir werden vom Budget her um die 20 Mio. € weniger von VW erhalten. Derzeit sollen wir rund 100 Mio. € für das Budget haben. Ob diese Zahlen so stimmen weiß ich nicht. Auch mit 80 Mio. € würde man in der Bundesliga immer noch zu den Top5 zählen. Natürlich kann VW im Sponsoring nach dem Diesel-Skandal nicht weiter so viel Geld in uns investieren. Dass es für uns große Einschnitte geben wird, glaube ich derzeit nicht. Wir schauen schon seit dem vergangenen Sommer darauf, dass wir etwas mehr aufs Geld achten. Auch wenn natürlich Transfers wie Malli, Bazoer oder auch ein Brekalo kostenintensiv sind und waren. Allerdings werden uns auch Spieler verlassen und somit Geld in die Kassen spülen. Ich denke also, dass man die kommenden Einsparungen von VW anders aufteilen wird. Wie schon zuvor gesagt, kommt es uns Fans nicht darauf an, dass hier der nächste Superstar aufläuft, sondern dass unser Team mit der Begeisterung auf dem Platz steht, mit der wir sie Spiel für Spiel anfeuern. Unser 30-Meter-Banner in Leipzig gibt den Weg perfekt vor: „Arbeit, Fußball, Leidenschaft“.

Das passt auch auf die Lilien. Was glaubst Du, welches Spiel werden uns unsere Teams am Samstag bieten?
Ich hoffe am Ende natürlich auf einen positiven Ausgang für uns. Allerdings wird es eine ganz schwierige Aufgabe, da ihr womöglich sehr defensiv agieren werdet und versucht eure Konter richtig zu setzen. Wie schon vor gut einem Jahr. Von uns erwarte ich eine top eingestellte Mannschaft, die Lösungen im letzten Drittel parat hat. Ich erwarte eine enge Partie und kein Schützenfest. Mein Tipp ist ein dreckiges 1:0 durch Mario Gomez, der bisher in jedem Spiel unter Andries Jonker getroffen hat.

Vielen Dank, Daniel.


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

Kam in der 3. Liga das Spitzenteam des VfL Osnabrück nach Darmstadt. Den Platz als Sieger verließ der SVD. Preston Zimmerman erzielte nach der Pause den umjubelten Siegtreffer und hievte die Blau-Weißen seit ewigen Zeiten mal wieder aus der Abstiegszone. In den Tagen zuvor hatten einige Lilien-Fans ihren Teil zum Erfolg beigetragen, indem sie den Platz vom Schnee befreit hatten.

Das Lilien-Team vom 1:0 gegen den VfL Osnabrück:
Zimmermann (C) – Ratei (68. Hickl), Sulu, Maas, Stegmayer – Latza, Baier, Zielinsky, Da Costa (87. Islamoglu), Zimmerman [TOR] – Borg (47. Steegmann)
Zuschauer: 4.800

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