Spieltag 29 (#d98s04): „Sportlich stagnieren wir seit längerer Zeit vor uns hin“

Die Lilien steuern auf eine historisch schlechte Bundesliga-Bilanz zu und machen derweil Nägel mit Köpfen. Kevin Großkreutz wird in der kommenden Saison Blau-Weiß tragen. Wer hätte das gedacht? Eigentlich ja nicht seine bevorzugte Farbkombination. Nicht zuletzt wegen des kommenden Gegners der Lilien. Schalke kreuzt am Sonntag am Böllenfalltor auf. Mit Blogger Tim spreche ich im Laufe meines Vorberichts über die Saison seines S04. Zunächst muss ich mich aber mit den zurückliegenden Lilien-Spiel befassen …

So sieht’s aus:

So langsam hat man keinen Bock mehr, ständig von Neuem die nächste Auswärtspleite zu thematisieren. In Ingolstadt hätten die Lilien nach 30 Minuten schon gut und gerne 0:3 zurückliegen können, ja vielleicht sogar müssen. Und plötzlich führten sie 2:1. Sollte diese glückliche Fügung den Jungs von Torsten Frings endlich einmal Auftrieb geben? No way! Statt in der zweiten Halbzeit die Trümpfe genüsslich auszuspielen (immerhin mussten die Schanzer gewinnen, um zu den anderen Klubs aufzuschließen), sprich hinten kompakt zu verteidigen und nach vorne Konter zu setzen, kam alles wie immer: die Tore schoss der Gegner. Am Ende stand ein 3:2, das verdient, aber ärgerlich war! Der Vorletzte Ingolstadt hat nun schon fast doppelt so viel Punkte wie die Lilien. Diese verhalten sich im Abstiegskampf neutral: sie verlieren einfach überall!

So; ketzerischer Modus aus! Verletzungsbedingt warf Torsten Frings in Ingolstadt die Rotationsmaschine an und bot eine Elf auf, die so niemand auf dem Zettel hatte. Immanuel Höhn, Wilson Kamavuaka, Markus Steinhöfer, Felix Platte und Toni Colak wurden unverhofft in die Aufstellung gespült. Marcel Heller bekam nach den zuletzt gezeigten Leistungen eine verdiente Auszeit auf der Ersatzbank. Patrick Banggaard hätte man dort nicht zwingend erwarten müssen. Gegen Schalke dürfte immerhin wieder mit Jerome Gondorf zu rechnen sein, während Colak aufgrund seines Platzverweises nicht zur Verfügung steht.

Ansonsten bestimmte Anfang der Woche Kevin Großkreutz die Schlagzeilen. Erneut zahlte es sich aus, mit Torsten Frings einen Coach an Bord zu haben, der namhafte Spieler von seinem Projekt in Darmstadt überzeugen kann. Nach Hamit Altintop und Sidney Sam nun also Großkreutz. Wie die beiden anderen, dürfte er seinen Leistungszenit bereits überschritten haben. Allerdings sollten seine Qualitäten und seine Mentalität den 98ern gut tun, erst recht in Liga 2. Dabei müssen Klub und Spieler alles daran setzen, keine Schlagzeilen außerhalb des Spielfeldes zu produzieren. In dieser Hinsicht gilt: In Frings we trust!

Für das Schalke-Spiel bleibt die Hoffnung, einen beherzten Auftritt der Lilien zu erleben; von Spieler 1 bis Spieler 14. Schließlich heißt es nur noch sechsmal Bundesliga mit dem SVD. Das sollte eigentlich Ansporn genug sein.


Die aktuelle Prise Lilien-Podcast:

NEIN, wir haben am Montag nicht über Kevin Großkreutz gesprochen. Das harte Los der frühen Aufnahme! Wir waren stattdessen allesamt ziemlich frustriert über die Lilien-Performance in der englischen Woche. Wir wagten aber zugleich einen Ausblick auf die 2. Liga und darauf, was in der Sommerpause alles passieren könnte: KLICK


Der Kontrahent hat das Wort:

Tim lebt in Hannover, aber sein Herz schlägt königsblau. In seinem Blog (abseitsfalle1904.wordpress.com) befasst er sich ebenso mit seinem Verein, wie auf Twitter (@pilzeintopf).

Tim, gefühlt war das Aufatmen bis nach Darmstadt zu hören, als Horst Heldt und André Breitenreiter am Ende der vergangenen Saison gehen mussten. Nach einem dreiviertel Jahr seid ihr sportlich unter Christian Heidel und Markus Weinzierl kein Stück weitergekommen. Wie viel Geduld hat die Fanszene mit den beiden?
Bei Horst Heldt würde ich Dir da zum größten Teil zustimmen. Bei ihm ist irgendwann der Punkt erreicht worden, an dem er die Mannschaft nicht mehr weiterentwickeln konnte. Er tätigte sehr viele schwache Transfers und wirkte irgendwann einfach nicht mehr so souverän. Die Luft war raus. Es war gut, frischen Wind zu holen. Mit Christian Heidel wurde ein richtig guter Mann verpflichtet.
Bei Breitenreiter würde ich das nicht so sehen. Es war weniger eine Entscheidung gegen ihn, sondern mehr eine Entscheidung für den Umbruch. Ein neuer Trainer musste her, damit Heidel seinen Umbruch wirklich so umsetzen konnte, wie er es geplant hat. Breitenreiter war kein Schlechter. Zwar machte er viele Fehler, aber für eine „normale“ Entlassung hat es meiner Meinung nach nicht gereicht.
Sportlich stagnieren wir tatsächlich schon seit längerer Zeit vor uns hin. Die Konstanz fehlt, eine eingespielte Mannschaft, die über Jahre zusammengehalten wird, ist ebenfalls Mangelware. Ich glaube aber schon, dass die Fans in diesem Jahr ein gutes Gespür beweisen und Weinzierl und Heidel in Ruhe arbeiten lassen. Woran Heidel sicher seinen Anteil hat.

Woran lag es in Deinen Augen, dass Schalke erst schlecht startete und dann bei seiner Aufholjagd nicht so recht vom Fleck kam?
Nach den fünf Auftaktpleiten haben wir es zunächst gut gemacht. Die Mechanismen schienen allmählich zu greifen, die Mannschaft fand sich, die (deutlich zu spät verpflichteten) Neuzugänge wurden besser. Nach dem Leipzig-Spiel in der Hinrunde kam dann aber der nächste Durchhänger und wir verloren endgültig den Anschluss. Es ist eine Mischung aus Verletzungspech, der schwachen Umsetzung des Spielsystems und etlichen Unkonzentriertheiten, die uns unzählige Punkte gekostet haben. Schalke hat in diesem Jahr zum Glück kein Einstellungsproblem. Dann wäre es richtig eng geworden.

Würdest Du von einer schlechten oder zumindest enttäuschenden Saison sprechen?
Mindestens enttäuschend. Die Europapokalsaison hat einiges gerettet, aber in der Bundesliga hinken wir unseren Ansprüchen mit dem Kader klar hinterher. Da war deutlich mehr drin. Je nachdem, was uns die Europa League in dieser Saison noch so bietet, sollte man mit einem endgültigen Fazit aber noch etwas warten.

Der gestrige Auftritt in Amsterdam war allerdings erschreckend. Was ist noch drin?
Das war katastrophal gegen Ajax. Über 90 Minuten gab es fast null Torgefahr. Das wird hart im Rückspiel. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ist es dankbar, dass ihr vor dem Rückspiel „nur“ zum abgeschlagenen Schlusslicht nach Darmstadt müsst?
Ich glaube nicht, dass sich Darmstadt trotz des fast besiegelten Abstiegs schon aufgeben wird. Da ist Torsten Frings auch nicht der Typ für. Jeder wird sich nochmal beweisen wollen. Trotzdem glaube ich, dass Schalke natürlich etwas rotieren wird, um für das Rückspiel Kräfte zu sparen. Das ist ja völlig logisch, wäre aber bei jedem anderen Spiel vermutlich auch der Fall gewesen (außer vielleicht beim Derby).

Mit Max Meyer soll euch offenbar ein talentiertes Eigengewächs verlassen. Eine ungewöhnliche Personalie, denn normalerweise lässt Schalke solche Youngster eher ungern ziehen, wenngleich gewinnbringend.
Stimmt, Schalke hat beispielsweise Leroy Sané nicht gerne ziehen lassen. Max Meyer ist eigentlich das perfekte Sinnbild für unsere Saison. Nach der Klatsche im Pokal gegen die Bayern wurde verbal auf ihn eingedroschen, gegen Wolfsburg machte er dann plötzlich sein bestes Spiel in dieser Saison. Er hat wirklich einiges drauf, er muss aber versuchen, den medialen Druck etwas auszublenden und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Auch wenn das auf Schalke bekanntlich nicht so leicht ist. Ich denke, die Chancen stehen gut, dass er noch mindestens ein Jahr bleibt.

Ihr habt Sidney Sam an die Lilien ausgeliehen. Wie siehst Du seine Personalie?
Ich bin ehrlich. Ich bin froh, dass er gewechselt ist. Er war nie mein Lieblingsspieler und fiel auch nicht zwingend mit dem unbedingten Willen auf, wieder in die Startelf rücken zu wollen. Bei Darmstadt hat er ja jetzt einige gute Spiele gemacht. Das freut mich für ihn, denn bei aller Kritik hatte er es auf Schalke natürlich nicht leicht. Warum er, bevor er zu uns kam, bei Leverkusen wirklich ordentlich gespielt hat, und dann bei uns so schwach war, habe ich aber bis heute nicht begriffen. Für uns leider ein Fehleinkauf.

Etwas emotionaler dürfte dahingegen Deine Erinnerung an Hamit Altintop sein, oder?
Klar, Hamit Altintop war auf Schalke ein verdienter Spieler. Unvergessen bleibt, wie er 2003 bei seinem Startelfdebüt gleich zwei Buden gegen Dortmund machte. Ein richtig guter Typ, den ich 2007 ungern zu Bayern wechseln sah.
Ich habe es ihm sehr gegönnt, dass er es in seinem Alter nochmal zu einem Bundesligisten geschafft hat. Klar hat er es sich in Darmstadt sportlich sicher anders erhofft. Das ist ärgerlich. Aber er hat ja schon bei seinem Wechsel betont, dass es sehr schwer werden würde, die Liga zu halten.

Das erste Auswärtsspiel führte die Lilien letzte Saison nach Schalke. Danach gab es mürrische Stimmen über die unfairen und zeitspielenden Lilien. Von dieser Galligkeit sind die 98er in dieser Saison meilenweit entfernt. Wie siehst Du als Außenstehender die Entwicklung bei den Lilien.
Mich hat das Zeitspiel auch gestört, ich bleibe da ehrlich. Es war damals wirklich zum Haare raufen. Aber, bei aller Kritik, als frischer Aufsteiger ein 1:1 auf Schalke zu erreichen, ist eine respektable Leistung und muss auch erstmal geschafft werden. Ich glaube die Lilien haben in dieser Saison vor allem in der Rückrunde damit zu kämpfen, immer wieder ordentliche Spiele zu machen, aber dann doch wieder durch einige individuelle Fehler das Spiel herzuschenken. Torsten Frings wurde ja bei seiner Verpflichtung ordentlich belächelt. Ich glaube aber, dass er der Mannschaft trotz der ganz schwachen Punkteausbeute Leben eingehaucht hat und auch in der zweiten Liga dazu in der Lage ist, eine gute Mannschaft auf den Platz zu bringen. Das 2:1 im Februar gegen den BVB war eine unfassbar gute Leistung. Auch wenn Dortmund an diesem Tag schwach war, machte Darmstadt ein richtig gutes Heimspiel. Ärgerlich, dass dieser Schwung nicht mitgenommen werden konnte. In der zweiten Liga wird es sicherlich eine konkurrenzfähige Mannschaft geben.

Besten Dank für Deine Antworten, Tim.
Sehr gerne, auf ein gutes Spiel.


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

Nahm der Abstieg aus der 3. Liga für die Lilien wieder deutlichere Konturen an. Bei der Zweitvertretung von Borussia Dortmund zog das Team von Dirk Schuster in einer schwachen Partie mit 0:1 den Kürzeren. Das hatte zur Folge, dass der BVB II an den Lilien vorbeizog, die sich selbst auf einem Abstiegsrang wiederfanden. Was die Situation fünf Spieltage vor Schluss nicht besser machte, die vor den Lilien platzierten Babelsberg und BVB II hatten sogar noch Spiele in der Hinterhand. Dirk Schuster bemühte deshalb nach dem Spiel das Prinzip Hoffnung: „Die Niederlage ist natürlich sehr ärgerlich, doch wir müssen das jetzt abhaken und weiter nach vorne schauen.“

Das Lilien-Team vom 0:1 bei Borussia Dortmund II:
Zimmermann (C) – Hickl (78. Steegmann), Sulu, Gorka, Stegmayer – Behrens, Baier, Zielinsky (68. Hesse), Latza (61. Da Costa), Zimmerman – Borg
Zuschauer: 1.108

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