Spieltag 30 (#hsvd98): „Nach einem Sieg kehrt keine Selbstzufriedenheit ein“

Nach Heimsiegen gegen Dortmund, Mainz und Schalke muss er doch endlich einmal enden, dieser verflixte Auswärtsfluch des SVD. Noch bleiben drei Partien in der Fremde, um den „Salto nullo“ zu vermeiden. Der Hamburger SV wird am Samstag etwas dagegen haben, als erster Kontrahent zuhause gegen die Lilien Punkte liegen zu lassen. Erst recht inmitten des Abstiegskampfs. Wie HSV-Blogger Christian dem Duell entgegenblickt, erzählt er mir gleich im Vorbericht.

So sieht’s aus:

„WOO-HOO-HOOO!“ Da war es wieder, das Lilien-Feeling, das wir aus der letzten Saison kannten. Abgeschriebene 98er, die sich gegen das Establishment aufbäumen … und überraschen. Das 2:1 gegen Schalke mag glücklich gewesen sein, keine Frage. Aber eine frühe Führung, eine (endlich einmal) konsequente Chancenverwertung, ein leidenschaftlicher Kampf und ein zunehmend verzweifelt anstürmender Kontrahent, waren nicht minder wichtige Zutaten für den gelungenen Coup. Sicher, in der Defensive war längst nicht alles Gold was glänzt, und ohne einen Michael Esser in Gala-Form wäre das Gegentor noch viel früher gefallen. Aber den Dusel ein bisschen auszureizen, das durften sich die Jungs von Torsten Frings nach oft frustrierenden Momenten in dieser Rückrunde ruhig einmal herausnehmen.

Und wo wir schon einmal dabei sind, einem Kontrahenten die Suppe zu versalzen, warum nicht gleich in Hamburg weitermachen? Der HSV hat zuhause einen formidablen Lauf und ist dort seit Anfang November ungeschlagen. Stolze 23 Punkte sammelten die Rothosen seither im Volksparkstadion. Eine Serie, die gegen auswärts punktlose 98er für den Bundesliga-Dino spricht. Umso empfindlicher wäre der Dämpfer, sollte er tatsächlich gegen die Lilien zuhause patzen. Für die Lilien wäre es zugleich eine willkommene Revanche für das deprimierende 0:2 aus dem Hinspiel.

Selbst, wenn der SVD seinen Auswärtsfluch tatsächlich brechen sollte, dürfte der Abstieg am Wochenende besiegelt sein. Derweil laufen die Planungen für Liga 2 auf Hochtouren. Der derzeit verletzte Peter Niemeyer hat angedeutet, dass er weiterhin für die Lilien aufläuft. Zumindest sprach er im Sky-Interview in der Wir-Form, als er über die nächste Saison sprach. Zusammen mit Kevin Großkreutz wären damit schon zwei „Emotions-Bolzen“ am Start, die den Gegner nerven, das eigene Team aber in die Spur und die Fans hinter das Team bringen können.

Und dann war da noch das leidige Thema „Stadion„. Wie die Lilien am Mittwochabend bekannt gaben, erteilte die DFL ihnen die Lizenz für die kommende Saison „nur mit Auflagen im Bereich der Stadioninfrastruktur“. Bis zum 31. Januar 2018 müsse die Gegengerade überdacht sein. Ein formidabler Schenkelklopfer, wenn es nicht so traurig wäre. Wer in den vergangenen Jahren die zeitlupenhaften „Bemühungen“ der Stadt (als Stadioneigentümer) verfolgt hat, die Stadionfrage zu irgendeinem Resultat zu führen, der mag nicht daran glauben, dass ein Dach so plötzlich vom Himmel fällt. Ein Umzug in ein anderes Stadion wird zur realen Drohkulisse einer DFL, die bei der Spielstätte nicht schon wieder beide Augen zudrücken will. Das letzte Wort ist in Sachen Lizenzierung ist sicher noch nicht gesprochen, aber der SV Darmstadt 98 und die Stadt sind jetzt deutlich angezählt worden. To be continued …


Die aktuelle Prise Lilien-Podcast:

Unsere Runde war am Morgen des Ostermontags ein wenig dezimiert, aber nichtsdestotrotz selig über die drei Punkte gegen Schalke. Natürlich wurden wir gleich übermütig und erwarten bzw. ersehen, dass die Mannschaft aus Hamburg einen oder gar mehrere Punkte mitnimmt. Da waren wir mal ganz egoistisch: KLICK


Der Kontrahent hat das Wort:

Christian lebt in der für HSV-Fans ungeliebten Stadt mit dem Schlüssel im Wappen. Zusammen mit zwei Mitstreitern betreibt er seit 2015 den HSV-Blog BlogPerlen„.

Christian, Du lebst in Bremen, bist aber HSV-Fan. Wie sehr wurmt dich die Niederlage in Bremen, selbst wenn sie laut Berichterstattung wohl in Ordnung geht?
Natürlich wurmt eine Derbyniederlage immer. Da ich in Bremen auch noch wohne, natürlich umso mehr… die Niederlage geht aber schon in Ordnung. Wir haben es einfach versäumt, nach dem 1:0 nachzulegen. Schade, aber das wirft uns nicht um.

Wie ist aktuell das Befinden der HSV-Fans? Die Ergebnisse stimmen seit geraumer Zeit und der Klub hat sich aus dem Tabellensumpf befreit. Dennoch liegt ihr nur einen Punkt vor dem ungeliebten Relegationsrang, den ihr nur zu gut kennt.
Nur einen Punkt? Ich sehe es etwas relaxter. Nach dem 10. Spieltag waren wir statistisch gesehen schon abgestiegen. Jetzt, 19 Spieltage später haben wir einen Punkt VORSPRUNG auf Platz 16 und fünf auf Platz 17. Auch die Leistungen der vergangenen Wochen stimmen mich sehr positiv. Dieses zuvor HSV-typische Nachlassen ist faktisch nicht mehr gegeben. Nach einem Sieg kehrt keine Selbstzufriedenheit ein.

Vor einem Jahr habt ihr ein vergleichsweise entspanntes Saisonende erlebt. Dennoch war Bruno Labbadia nie unumstritten. Wie siehst Du den Klub im Vergleich zu damals unter der heutigen sportlichen Führung aufgestellt?
Es ist schwierig, das in wenige Worte zu fassen. Bruno hatte trotz des fast für unmöglich gehaltenen Klassenerhalts 2015 immer einen schweren Stand. Ihm wurde nachgesagt, dass er kein Team aufbauen und ihm keine Spielidee einimpfen könne. In 2016/17 musste er vor allem unter dem nicht stimmig zusammengestellten Kader leiden. Eine Verstärkung in der Innenverteidigung und im defensiven Mittelfeld gab es nicht. Beides wurde erst im Winter korrigiert, als Bruno schon Geschichte war.
Didi hat sich in den zweieinhalb Jahren sehr bemüht. Aber Ruhe konnte er in den Verein nicht bringen. Seine fehlende Rhetorik trug auch dazu bei. Die ersten Monate unter Bruchhagen und Todt sind positiv angelaufen. Hoffen wir, dass es so bleibt. Der Kader ist jetzt stimmig und muss „nur“ noch punktuell ergänzt werden.

Ihr habt nach den Lilien die zweischlechteste Defensive und in der Offensive sind nur Darmstadt und Augsburg harmloser. Dennoch dürfte aufgrund der von Dir erwähnten Winterneuzugänge die Abwehr kein Sorgenkind mehr sein, sondern immer noch eher der Sturm, oder?
Die Defensive um Papa und Mavraj ist jetzt deutlich stabiler. Auch die Abwehrarbeit, die ja bekanntlich im Sturm anfängt, hat sich deutlich gebessert. Zudem sind wir nach vorne sehr effizient geworden. Wir haben deutlich mehr Torchancen im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Aber ja, es gibt in den spielerische Elementen noch überall Verbesserungsmöglichkeiten. Durch die oben genannten Ergänzungen erhoffe ich mir hier Steigerungen für die kommende Saison.

Zuhause punktet der HSV seit längerem kräftig. Was macht ihn im Volkspark so stark?
Das Team. Damit meine ich die Mannschaft gemeinsam mit den Fans. Da ist eine Gemeinschaft entstanden, die es lange so nicht gab. Die Angst, zuhause zu verlieren, ist gewichen.

Darmstadt, Augsburg, Mainz, Schalke, Wolfsburg lauten eure letzten Spiele. Allesamt Teams, die in der Rückrunde zumeist deutlich schlechter als ihr gepunktet haben. Ein Fakt, der zuversichtlich stimmt?
Ja und nein. Ich denke, wir müssen in den nächsten drei Spielen sieben Punkte holen. Dann sind wir „save“. Es darf nicht nachgelassen werden. Aber da habe ich keine Bedenken.

Im Hinspiel konntet ihr euren ersten Saisonsieg einfahren. War dieser Sieg rückbetrachtend das Schlüsselspiel für den anschließenden Saisonverlauf?
Ich glaube, das Schlüsselspiel war ein paar Spiele zuvor die 2:5-Heimniederlage gegen den BVB. Trotz großer Unterlegenheit, haben die beiden Treffer von Nicolai Müller – die ersten nach langer Durststrecke – irgendetwas freigesetzt.

Mit Christian Mathenia und Mergim Mavraj dürften zwei Ex-Lilien am Samstag in der HSV-Startelf stehen. Wie machen sich die beiden?
Mathenia macht sich als Ersatz von Adler echt gut. Für die nächste Saison wird es spannend, da die Zeichen auf einen Abgang von Adler schließen lassen. Mavraj hat ja in der Hinserie seinen Durchbruch beim Effzeh geschafft und beim HSV nahtlos an die Leistungen angeknüpft. Ich glaube, dem Effzeh fehlt er. Sowohl als Spieler, wie auch als Teamplayer.

Was erwartest Du für das Spiel am Samstag?
Auch wenn es mir für Euch leid tut, erwarte ich einen Heimsieg. Ich bin gespannt, wir ihr Euch dann in der nächsten Saison schlagen werdet.

Besten Dank, Christian.


An diesem Wochenende vor vier Jahren:

Endete eine Englische Woche im Frust. Zwei Heimspiele, ein Punkt, so die wenig erbauliche Ausbeute der abstiegsbedrohten 98er in der 3. Liga. Nachdem unter der Woche eine frühe Führung durch Danny Latza nur in einem 1:1 gegen den Chemnitzer FC mündete, besiegten abgezockte Saarbrücker am Wochenende den SVD mit 2:1. So fand sich das Team von Dirk Schuster vier Spieltage vor Saisonende auf dem vorletzten Tabellenplatz wieder. War das Remis unter der Woche in Überzahl noch als unglücklich zu bezeichnen, so ließ der 1. FC Saarbrücken um die starke Ex-Lilie Sven Sökler nach dem 1:0 keine Zweifel aufkommen, wer den Platz als Sieger verlassen würde. Erst Markus Steegmanns Treffer in der 89. Minute brachte SVD unverhofft zurück ins Spiel, und so wäre Benni Gorka in der Nachspielzeit fast noch der schmeichelhaften Ausgleich geglückt. Zumindest der Moral hätte er gut getan.

Das Lilien-Team vom 1:1 gegen den Chemnitzer FC:
Zimmermann (C) – Hickl, Sulu, Gorka, Stegmayer – Latza (82. Behrens), Baier, Hesse (81. Zielinsky), Da Costa (66. Steegmann), Zimmerman – Borg
Zuschauer: 4.300

Das Lilien-Team vom 1:2 gegen den 1. FC Saarbrücken:
Zimmermann (C) – Ratei, Sulu, Gorka, Stegmayer – Baier (53. Da Costa), Behrens, Hesse, Latza, Zimmerman – Borg (46. Steegmann)
Zuschauer: 5.100

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