2016/17: Gladbach international, Lilien beinahe in der Relegation

Die Bundesliga-Saison 2016/17 ist Geschichte. Nun ja … fast. Noch müssen der VfL Wolfsburg und Eintracht Braunschweig den letzten Platz im Oberhaus ausfechten. Die Abschlusstabelle der Bundesliga ist hingegen schon in Stein gemeißelt. Legt man sie neben die Abschlusstabelle, die aus den allwöchentlichen Noten im kicker resultiert, dann ergibt sich daraus eine ganz nette Spielerei. So behaupteten im Fachmagazin etwa die Wölfe den Relegationsplatz nur um Haaresbreite vor den Lilien aus Darmstadt.

Zum fünften Mal in den letzten sechs Spielzeiten vergleiche ich die Abschlusstabelle mit der kicker-Notengebung. Die Redakteure des Sportmagazins aus Nürnberg bewerten Spieltag für Spieltag die Profis, die über mindestens 30 Minuten an einer Begegnung mitwirken. Über 34 Spieltage hinweg ergibt sich somit eine Durchschnittsnote aller eingesetzten Spieler. Die Fußballer des FC Bayern erhielten als Krösus eine Gesamtnote von 3,06. Das abgeschlagene Schlusslicht heißt für den kicker mal wieder Hamburger SV. In diesem Jahr mit einer Note von 4,02. (s. Grafik unten)


Zu den Gegenüberstellungen der Saisons: 2011/12, 2012/13, 2013/14, 2015/16


Der HSV seit 2011 nie besser als auf Platz 16 benotet
Die Benotung durch den kicker gibt eine Ahnung davon, welche Leistungen das jeweilige Team über eine ganze Saison abrief. Sicher, die notengebenden kicker-Redakteure sind auch nur Menschen und damit fließt in jede Note auch ein Quäntchen subjektive Wahrnehmung mit ein. Dennoch tun sie das Woche für Woche und geben damit einigermaßen verlässliche Einschätzungen ab, die zugleich auf einheitlichen Maßstäben basieren. Wenngleich man sich natürlich fragen muss, welch Hassliebe die Hamburger Redakteure umtreibt, die den HSV seit sieben Spielzeiten immer auf den Plätzen 16 bis 18 benoten. Okay, in drei der letzten vier Jahre spielte der HSV über weite Strecken tatsächlich so gruselig, wie man es sich bei einem Absteiger vorstellt.

Der Diskrepanzwert als Maßstab für zu gute oder zu schlechte Platzierungen
Bei meiner Gegenüberstellung der Bundesliga-Tabelle mit der kicker-Rangliste ist es mir zu wenig aussagekräftig, lediglich die unterschiedlichen Positionen zu vergleichen. Wenn ein Team in der Bundesliga Vierter wurde, in der kicker-Tabelle aber nur Achter, dann könnte man meinen, das Team habe mehr Glück als Verstand gehabt und sich zu Unrecht die Champions League-Qualifikation erspielt. Wenn in der Endabrechnung zwischen dem Bundesliga-Vierten und dem Bundesliga-Achten aber nur vier Punkte lägen, dann wäre es tatsächlich ein enges Rennen gewesen und somit kein „Aufreger“. Die Punktedifferenz zwischen den real erreichten Punkten und der Punktzahl die das Team laut kicker-Tabellenplatz hätte erreichen können, ist da schon aussagekräftiger. Ich habe diese Differenz den Diskrepanzwert genannt. Um beim Bespiel des HSV zu bleiben: Die Hanseaten belegten im Endklassement mit 38 Punkten Rang 14. Der kicker benotete sie allerdings auf Platz 18, den in Wahrheit mit 25 Punkten der SV Darmstadt 98 einnahm. Die 13 Punkte Differenz sind demnach mein Diskrepanzwert (s. Grafik).

Unglückliche Schanzer
Der hohe Diskrepanzwert des HSV stellt in dieser Saison eine absolute Ausnahme dar. (ungeschlagener Spitzenwert waren einmal 20 Punkte in der Saison 2013/14 „zugunsten“ von S04). Die aktuellen 13 Punkte sind umgerechnet vier Siege und ein Remis, die der HSV „zu viel“ eingefahren hatte. Da scheint also jemand oberhalb seiner Gewichtsklasse zugeschlagen zu haben. Die Lilien aus Darmstadt und den VfL Wolfsburg trennen in der kicker-Notengebung gerade einmal 0,01 Notenpunkte. Die höher gewetteten Niedersachsen präsentierten sich auf dem Feld demzufolge keinen Deut besser als das abgeschlagene Schlusslicht. Von den gezeigten Leistungen her, kratzten die Südhessen also am Relegationsplatz, zu dem immerhin 12 Punkte Abstand bestand. Die Schanzer aus Ingolstadt hätten daneben mit dem Abstieg überhaupt nichts zu tun haben dürfen. Platz 14 wäre für die kicker-Redakteure der verdiente Lohn gewesen (Diskrepanzwert 6). Auch das vom kicker am zweitbesten bewertete Team aus Hoffenheim, sticht mit einem Diskrepanzwert von 5 noch ein wenig aus der breiten Masse heraus. Statt jetzt schon mit der Champions League zu planen, müssen sie sich erst noch qualifizieren. Die Borussia aus Mönchengladbach sah der kicker zudem in der Europa League (womöglich Qualifikation), die Hertha wäre stattdessen rausgepurzelt. Doch hier ist der Diskrepanzwert von 4 schon sehr gering; er beinhaltet gerade mal einen Sieg und ein Remis, was bei 34 Spieltagen meines Erachtens eine zu vernachlässigende Größe ist.

Hohe Übereinstimmung zwischen Abschlusstabelle und kicker-Notengebung
Was in dieser Spielzeit auffällt, sind die klaren Cluster, die sich gebildet haben. Die ersten vier Klubs bleiben unter sich. Köln gibt den Puffer (und spielte für den kicker nebenbei noch auf BVB-Niveau) zum Verfolgerfeld. Dort knubbeln sich die Teams in beiden Ranglisten bis hinunter zu Bayer Leverkusen, die punkte- und notentechnisch kaum auseinanderzuhalten sind. Die Abstiegszone ist dann wieder eine geschlossene Gesellschaft. Die Redakteure des kicker stimmten in dieser Saison also sehr stark mit der tatsächlichen Endtabelle überein. Sechs Teams landeten gar in beiden Ranglisten auf ein und demselben Platz. Lediglich die Fans des HSV und ein wenig auch die des FC Ingolstadt dürfen tatsächlich erleichtert sein oder eben mit ihrem Schicksal hadern.

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