11. Spieltag (#f95d98): „Unser Umschaltspiel ist einfach eine Wucht.“

Der Spitzenreiter bittet zum Tanz. Fortuna Düsseldorf zieht an der Tabellenspitze fast schon einsam seine Kreise, während sich die Lilien nach einem wenig ertragreichen September und der Niederlage gegen Nürnberg aus dem Aufstiegskampf verabschiedet haben. Ob ausgerechnet bei den Rheinländern die Trendwende gelingt, gegen die die 98er schon vor drei Jahren zwei Niederlagen einstecken mussten?

So sieht’s aus:

Mannomann. Was die Ergebnisse anbelangt, so ist der SVD total von der Rolle. Fünf Punkte und 17 Gegentore aus den letzten sechs Partien lesen sich wie die Zwischenbilanz eines Abstiegskandidaten. Dabei hätte er gegen den Club aus Nürnberg am Montagabend gar nicht besser in die Partie finden können. Sechs Minuten sind gespielt, als Yannick Stark die Führung erzielt. Wunderbar! Doch die 98er legen nicht nach, wollen das Spiel kontrollieren und … legen dem Gegner großzügig den Ausgleich auf. Wie schon das 1:0 bereitet Patrick Banggaard das 1:1 vor, dieses Mal unfreiwillig. Sein Gegenspieler Cedric Teuchert nutzt die Vorlage gedankenschnell aus und hebt den Ball über Joël Mall, der bei seiner Premiere im Lilien-Tor ungünstig vor dem Gehäuse steht.

Die beiden neu in die Elf geworfenen Banggaard und Mall sind denn auch die beiden Spieler, die am Montag einen gebrauchten Tag haben. Beim späteren 1:3 sehen beide erneut im Doppelpack schlecht aus. Auch beim 1:2 macht der Schweizer Keeper keine allzu glückliche Figur. Die Performance der beiden wird Torsten Frings Kopfzerbrechen bereiten. Aufgrund der Verletzung von Stammkraft Daniel Heuer Fernandes wird sich Mall steigern müssen, während Banggaard beweisen sollte, dass er genauso solide auftreten kann, wie in der Bundesliga. Im Zweifel rotiert Immanuel Höhn für ihn in die Stammelf, der zuletzt allerdings auch nicht frei von Fehlern war.

Wie das Spiel gegen den FCN verlaufen wäre, wenn Tobi Kempes Geschoss nach dem Ausgleich nicht an den Pfosten geklatsch wäre, ist im Endeffekt müßig zu diskutieren. Zu konfus ist die Darbietung des SVD-Defensivverbunds, als dass eine Führung ein Ruhekissen wäre. So kam, wie so oft in letzter Zeit, der Kontrahent mit konsequenten Offensivaktionen  vor das Tor der Lilien und zog davon. Wie schon gegen Heidenheim, sehen die 98er am Montag ein ums andere Mal schlecht aus, wenn der Kontrahent schnell umschaltet. Keine gute Grundlage vor den Spielen gegen die offensivstarken Teams aus Düsseldorf und Kiel.

Die Lilien kommen zwar immer wieder mit einer Vehemenz zurück ins Spiel, doch was sie sich vorne aufbauen, reißen sie sich hinten regelmäßig ein. Wie gegen den FCN zwischen der 72. und 74. Minute. Nach dem 2:3 keimt die Hoffnung auf und keine 120 Sekunden später stirbt sie mit dem 2:4. Das ist der Unterschied zwischen dem Team von Torsten Frings und seinen Kontrahenten: Diese sind abgezockter und lassen sich von Gegentoren nicht aus der Ruhe bringen. Zudem können sich die Lilien eine Scheibe von der Agilität und Gedankenschnelligkeit der Clubberer abschauen.

Was das für das Spiel in Düsseldorf verheißt? Nichts Gutes! Der Klassenprimus eilt mit einer Selbstverständlichkeit von Sieg zu Sieg, die beeindruckt. Dort Selbstvertrauen, hier Verunsicherung. Und dann drohen bei den Lilien Tobi Kempe – bislang einer der besten Kicker – und Sandro Sirigu auszufallen. Es bleibt zu hoffen, dass die Gastgeber schon ein wenig das anstehende Pokalderby gegen Borussia Mönchengladbach im Kopf haben, und dass die Lilien die Partie bei Fortuna als Chance begreifen. Der Favorit steht auf der anderen Seite und ein Punktgewinn wäre aktuell ein Erfolg. Es gilt Sicherheit zu gewinnen und als eine verschworene Gemeinschaft aufzutreten. Was Düsseldorf so stark macht, sagt mir Sue.


Der Kontrahent hat das Wort:

Sue ist aktiver Fortuna-Fan und schreibt für die „Kokelores“, das Stadionheft von F95.Antirazzista (Dissidenti Ultra & Co.).

Sue, alle Teams in der 2. Bundesliga lassen zuverlässig Punkte liegen, nur Fortuna punktet unverdrossen und holte bislang 25 von 30 möglichen Zählern. Was macht das Team so gut?
Wir verfügen diese Saison über einen breiter und qualitativ besser besetzten Kader, durch den wir Verletzungspech und Formschwankungen besser kompensieren können. Alle Neueinkäufe bzw. Ausleihen wurden schnell integriert und haben die Mannschaft insgesamt deutlich verstärkt. Die Chemie passt, die Stimmung ist gut und es herrscht ein positiver Konkurrenzkampf um die Stammplätze – bislang haben wir noch keine zwei Spiele mit der gleichen Startelf bestritten. Hinzu kommt, dass wir uns auch konditionell stark verbessert haben und Spiele dank der hervorragenden Moral der Mannschaft auch in den letzten Minuten drehen können – wie z.B. beim hartumkämpften 3:2 gegen Union Berlin.
Durch die neue Flexibilität auf den Schlüsselpositionen sind wir insgesamt schwerer ausrechenbar. Wir können mit einer 3er- oder 4er-Abwehrkette spielen, mit einer oder zwei Sturmspitzen, die Flügelpositionen austauschen und das Spielsystem auch während des Spiels noch an den Gegner anpassen. Der Spielaufbau endet nicht mehr wie letzte Saison aufgrund eklatanter individueller Fehler oder Ideenlosigkeit an der Mittellinie, sondern fängt bereits mit Ayhan in der Verteidigung an. Wir haben ein endlich wieder ein gutes kreatives Mittelfeld (Sobottka, Fink, Neuhaus) und starke Außen (Raman, Zimmer), können den Ball in den eigenen Reihen halten und auch mal selbst das Spiel machen. Die Torgefahr geht nicht nur von den Stürmern, sondern auch vom Mittelfeld und den Außen aus. Es reicht also nicht, wenn die gegnerische Abwehr Hennings ausschaltet – dann treffen eben andere. Wir spielen insgesamt viel schneller und unser Umschaltspiel ist einfach eine Wucht.

Das hört sich überragend an. Dennoch spielt Fortuna im Schnitt genau 2:1. Heißt das, sie springt letztlich nur so hoch wie sie muss. Oder ist doch auch ein wenig Glück dabei?
Selbstverständlich ist da auch ein wenig Glück dabei – wir sind FORTUNA Düsseldorf und nicht das Bayern München der 2. Liga. Wir können unsere Gegner nicht nach Belieben dominieren, dafür ist die Liga viel zu ausgeglichen. Wir kommen über den Kampf und müssen uns jeden Punkt hart erarbeiten – der Schlüssel für den Erfolg ist nicht die individuelle Klasse einzelner Spieler, sondern eine geschlossene Mannschaftsleistung und allen voran ein gesunder Teamgeist.
Denn auch wenn das Glück den Weg zurück nach Düsseldorf gefunden zu haben scheint, ist es für Fortunen überlebensnotwendig, nicht mit dem Kopf in den Wolken den Boden unter den Füßen zu verlieren. Wie auch unsere bisher einzige Niederlage am 6. Spieltag in Fürth gezeigt hat, haben wir immer noch viele Wackler in der Abwehr und sind ganz gewiss nicht unschlagbar. Dass wir dabei gegen den derzeitigen Tabellenletzten verloren haben, ist wiederum einfach typisch Fortuna. Wir singen zwar von der Champions League und viele träumen bereits vom Aufstieg, aber realistisch betrachtet fehlen uns noch immer 15 Punkte zum Klassenerhalt.

Hattest Du vor der Spielzeit erwartet, dass das Team von Friedhelm Funkel vorne mitmischt?
Nein, nicht in dieser Form. Ich habe auf das obere Drittel gehofft und mir gewünscht, diese Saison einmal nicht im Abstiegskampf zu stecken. Die positive Entwicklung der Mannschaft ist aber kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer guten Strategie und harter Arbeit. Das größte Lob gebührt dabei sicherlich unserem von Helmut Schulte einst in die Wüste geschickten Scouting-Team, das unter Robert Schäfer zurückgeholt und verstärkt wurde. Die Jungs um Goran Vucic und Uwe Klein haben wirklich ganz hervorragende Arbeit geleistet, wie man an den vielen gelungen Transfers sieht, von denen einige bereits Stammspieler sind. Das wir selbst den schmerzhaften Verlust unseres Flügelflitzers Ihlas Bebou in laufender Saison noch sehr gut kompensieren konnten, ist ganz gewiss nicht alltäglich. Neben dem Scouting-Team sollte man hier wohl auch den Instinkt unseres Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer lobend erwähnen, der trotz insgesamt geringerer Einnahmen und dem kostspieligen NLZ-Neubau zur richtigen Zeit Geld in die Hand genommen hat, um die Mannschaft personell zu verstärken.

Trotz des Laufs, auf welche Spieler würdest Du aktuell nur sehr ungern verzichten?
Vor der Saison hätte ich wohl Rensing, Ayhan und Bebou gesagt, doch wir haben mit Raphael Wolf einen sehr guten und erfahrenen 2. Torhüter, der seine Klasse in den letzten Spielen mehr als bewiesen hat. Bebou ist wie bereits erwähnt auf den Außenpositionen durch Raman und Zimmer ebenfalls sehr gut ersetzt worden und auch auf der Stürmerposition sind wir in diesem Jahr breiter aufgestellt und flexibel (Usami, Nielsen, Kujovic).
Da Kaan Ayhan der Schlüssel für 3er- und 4er-Kette ist und uns sein Ausfall einiges an Variabilität kosten würde, stünde er neben Benito Raman, der gerade einen grandiosen Lauf hat, wohl aktuell ganz oben auf meiner Ungern-Verzichten-Liste. Da einzelne Ausfälle in einer gut funktionierenden Mannschaft aber immer verkraftbar sind, wenn die Spieler füreinander einstehen, ist in unserem derzeitigen Kader niemand unersetzbar – und das ist gut so.

Für einen Co-Trainer bekommt man nicht alle Tage 1,75 Millionen Euro. Glaubst Du, der Verlust von Peter Hermann könnte sich irgendwie negativ auswirken?
Peter Hermann wurde nicht umsonst von den Bayern zum teuersten Co-Trainer aller Zeiten und zum zweithöchsten Transfer der Fortuna-Geschichte gemacht. Zu den 1,75 Millionen Euro kommen Gerüchten zufolge noch einmal 250.000 Euro hinzu, falls Fortuna nicht aufsteigt, was den großen Anteil Peter Hermanns an der positiven Entwicklung der Mannschaft unterstreicht. Sein Weggang ist ohne Frage ein großer Verlust. Für Spieler wie Sobottka, Ayhan und Neuhaus soll die Zusammenarbeit mit ihm sogar ausschlaggebend für ihren Wechsel zu Fortuna gewesen sein. Aber auch wenn Jupp nicht ohne Peter kann, wir sind Fortuna, wir können alles (lernen).

War es ein cleverer Schachzug Publikumsliebling Axel Bellinghausen und Thomas Kleine zu den Nachfolgern zu machen?
Auf jeden Fall. Axel kann durch seine Nähe zur Mannschaft punkten und durch seine Authentizität und Beliebtheit auch als kommunikative Brücke zu den Fans fungieren. So erstickt man viele kritische Stimmen aus dem Umfeld gleich im Keim und bringt gleichzeitig frischen Wind ins zuvor älteste Trainer-Duo der Liga. Sein fehlendes Fachwissen wird durch die Zusammenarbeit mit Thomas Kleine ausgeglichen, der in den letzten Monaten im Rahmen des Abschlusses seiner Ausbildung als Fußballlehrer bereits bei Fortuna hospitiert hat. Beide benötigen keinerlei Eingewöhnungszeit und können Friedhelm Funkel direkt aus vollen Kräften unterstützen. Meiner Ansicht nach hat man durch diesen nicht alltäglichen Schritt eine gute Lösung für eine schwierige Situation gefunden.

Worauf dürfen sich die Lilien in Düsseldorf einstellen, sprich, wie tritt Fortuna für gewöhnlich zuhause auf?
Wir haben die Heimschwäche der letzten Saison überwunden und unsere Aufstellung ist lange nicht mehr so defensiv. Trotz der Verstärkungen und einem nun insgesamt gut besetzten Mittelfeld tun wir uns auswärts aber noch immer etwas leichter, weil wir generell besser gegen starke Gegner spielen, die selbst das Spiel machen wollen und uns so Konterchancen ermöglichen. Meiner Ansicht nach erwarten Euch ein hart umkämpftes Spiel zweier Gegner auf Augenhöhe, hoffentlich viele Tore und ein Sieg von F95.

Wirklich überraschend käme das in der aktuellen Verfassung beider Teams ja nicht. Herzlichen Dank für Deine Ausführungen, Sue.


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

Am Mittwochabend war mal so richtig Leben in der Bude. Das Spiel gegen Nürnberg ließ den Puls von Kai, Mike, Daniel und mir selbst nach zwei Tagen noch nach oben schnellen. Wir hinterfragen alles, erklären vieles und sind am Ende doch nicht schlauer. UUUUUND: Wider Erwarten haben wir auch reichlich gelacht  KLICK.


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Spieltag 2014/15

Quelle: kicker

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