17. Spieltag (#aued98): Can they do it on a cold rainy night in Aue?

Fast ist man nach dem Spiel gegen Regensburg geneigt zu sagen: Rien ne va plus. Erneut irritierten die Lilien mit einer Leistung, die im „Klassenkampf“ einfach zu wenig ist. Seit Mitte September warten der SVD und sein Anhang nun schon auf einen Dreier. Nach einer Aneinanderreihung von mal besseren und oft schlechteren Spielen sind die 98er auf Position 16 abgerutscht. Für das Spiel in Aue muss sich die Mannschaft die Charakterfrage gefallen lassen: Can they do it on a cold rainy night in Aue?

So sieht’s aus:

Alarmierend! Zehn sieglose Spiele dauert der Sinkflug des SVD nun schon an. Wohl niemand hätte im Frühherbst gedacht, dass die 98er im Advent auf Platz 16 angekommen sein würden. Eine Erkenntnis, die einen ziemlich fassungslos zurücklässt. Die 98er hecheln der Meute hinterher und müssen sogar zusehen, die bisherigen Prügelknaben der Liga, die SpVgg Greuther Fürth und den 1. FC Kaiserslautern, nicht aufschließen zu lassen. Höchste Zeit, wieder in die Spur zu kommen!

Die jüngste Heimniederlage gegen Aufsteiger SSV Jahn Regensburg war ein Spiegelbild der letzten Wochen. Da traten die Lilien in Berlin vor allem in der zweiten Hälfte noch ermutigend auf und dann agieren sie nur eine Woche später wieder derart harmlos. Sicher, die Platzverhältnisse am schneebedeckten Bölle machten es den Hausherren nicht leicht, die darauf aus gewesen waren, das Spiel zu kontrollieren. Doch die Gäste mussten ebenfalls mit den Bedingungen zurecht kommen und sie taten das deutlich besser. Sie spielten schnörkellos und zielstrebig, während sich die 98er immer wieder in Einzelaktionen und im Klein-Klein verloren. Symptomatisch auch der Gegentreffer. Eine Freistoßflanke verstand die Lilienabwehr offenbar als Aufforderung abzuschalten und so tauchten zwei Gästespieler völlig frei vor Keeper Daniel Heuer Fernandes auf. Jahn-Kapitän Marco Grüttner nahm das Geschenk dankend an. So folgte dem Schritt nach vorne in Berlin nun wieder ein Schritt zurück gegen Regensburg. Die Folge: die anderen Klubs nutzen den Stillstand und ziehen vorbei oder davon.

Die Krux liegt darin, dass die Mannen von Torsten Frings einfach nicht mehr gewinnen. Fünf Remis und fünf Niederlagen aus den letzten zehn Begegnungen sind die Quote eines Kellerkindes und das sind die 98er tabellarisch derzeit, wenngleich der Rückstand zum ersten Tabellendrittel noch überschaubar ist. Jetzt geht es in den noch ausstehenden Partien in 2017 nach Aue und nach Fürth. Spiele, die tunlichst nicht verloren gehen sollten, denn sonst gehen Präsident Rüdiger Fritsch so langsam die Argumente aus, warum Torsten Frings nicht mehr zur Disposition stehen sollte. Wie die Stimmung beim nächsten Gegner und Tabellennachbarn Erzgebirge Aue ist, das weiß Jens.


Der Kontrahent hat das Wort:

Jens zählt zu den eingefleischten Fans von Erzgebirge Aue und begleitet seinen Klub bei Twitter.

Jens, lassen wir die jüngste Niederlage in Dresden einmal außen vor: Ich kann mir vorstellen, dass Du mit 19 Punkten aus dem bisherigen Saisonverlauf durchaus zufrieden bist, oder?
19 Punkte aus 16 Spielen hätte ich vor der Saison natürlich gerne unterschrieben. Die magische Grenze von 20 Punkten zur Halbserie ist in greifbarer Nähe. Wenn man jedoch bedenkt, dass wir diese Marke bereits am 13. Spieltag mit einem Sieg gegen Bielefeld hätten knacken können, sieht es schon wieder etwas anders aus.

Nach dem Remis im vorletzten Spiel gegen Bochum gab es erste Pfiffe. Wie ist die Stimmung unter den Aue-Fans nun nach der 0:4-Klatsche im Sachsen-Duell in Dresden?
Meine Antwort zur vorherigen Frage zeigt schon, dass durch eine gute Serie die Ansprüche steigen können. Zwischen den Spieltagen vier und zwölf erreichten wir 16 Punkte, betrachtet man nur diesen Zeitraum bedeutet das Platz vier. Mit wenigen Ausnahmen haben wir in dieser Zeit durchaus gute Spiele abgeliefert.
Leider konnte die Mannschaft in den letzten Partien nicht an die guten Leistungen anknüpfen, das stieß teilweise auf Unmut. Der Trend setzte sich dann leider in Dresden fort. Gerade dort hat man sich eine deutliche Steigerung erhofft. Vielmehr gab es aber eine Demütigung und man wurde regelrecht demontiert. So kann man kein Derby bestreiten, nicht gegen Dresden. Saisonübergreifend war das die zweite Derby-Klatsche infolge, das gab es zuletzt 1988/89. Der sportliche Trend der letzten Wochen spiegelt sich damit in der aktuellen Stimmung der Fans wieder.

Bei Dynamo zeigte sich das Team vor allem nach Standards anfällig. Ist das einer der wunden Punkte der Mannschaft, oder war das eher die Ausnahme?
Das war in der letzten Saison eine große Schwäche. Höhepunkt waren drei Gegentore nach Standards zuhause im Derby gegen Dresden am 22. Spieltag. Nach dem Trainerwechsel hatte Tedesco an dieser Stelle angesetzt und das Verhalten bei ruhenden Bällen deutlich verbessert. Man muss auch anmerken, dass Dresden bei Standards enorm gefährlich und effektiv ist. Auch Darmstadt hat laut Liga2-online.de (LINK) bereits zwölf Tore nach Standards erzielt. Aue muss also gewarnt sein.

Du hast eben die letzte Rückrunde angesprochen. Wie hast Du die letzten elf Spieltage unter Domenico Tedesco erlebt? Von außen sah es so aus, als ob die Mannschaft den Klassenerhalt weniger erkämpft, sondern regelrecht erspielt hat. Reichlich ungewöhnlich!
“Domenico wer?” hab ich vermutlich nicht als Einziger gedacht, als Tedesco bei uns vorgestellt wurde. Wieder ein Trainer den niemand auf dem Zettel hatte. Einer, der den wenigsten vorher überhaupt bekannt war.
Tedesco hat die Mannschaft nach dem 23. Spieltag auf Platz 18 übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir fünf Punkte Rückstand auf Platz 15 und noch elf Spieltage Zeit. Neuer Trainer, neue Impulse, war in erster Linie meine Hoffnung. Mit einer neuen taktischen Grundordnung, verbessertem Abwehrverhalten bei Standards und einer ganz anderen Körpersprache konnte man bereits im ersten Spiel unter seiner Leitung einen Dreier einfahren. Plötzlich stand man auf dem Relegationsplatz, nur noch zwei Punkte hinter St. Pauli. Es folgten bis Saisonende fünf Siege und zwei Unentschieden.
Auch wenn man noch nicht rechnerisch durch war, war der Sieg gegen die Würzburger Kickers am 31. Spieltag der gefühlte Klassenerhalt, zumindest bei mir. Das musste einfach reichen. Auch wenn nicht alles Gold war was glänzte und man stellenweise etwas Glück hatte, schwamm man auf einer Euphoriewelle. Tedesco hat die Stärken der Spieler erkannt und danach aufgestellt. So rückte zum Beispiel Samson als defensiver Mittelfeldspieler ins Zentrum der neuen Fünfer-Abwehrkette. Tedesco sah, dass er dort seine Stärken am Besten ausspielen kann.

Wundertäter Tedesco wurde prompt weggekauft, sein Nachfolger Thomas Letsch durfte nur drei Spieltage bleiben, dann kam mit Hannes Drews ein neuer Trainer aus der Nachwuchsabteilung von Holstein Kiel. Eigentlich nicht die beste Ausgangssituation für die aktuelle Spielzeit!
Thomas Letsch hat hier versucht nach seiner RB-Philosophie spielen zu lassen. Der Erfolg war überschaubar. Präsident Helge Leonhardt musste reagieren und zauberte dann Hannes Drews aus dem Hut. Wieder ein junger unbekannter Trainer, der bisher hauptsächlich im Nachwuchs aktiv war. Der Sprung in die Zweite Liga ist sicherlich groß, ist aber eine ebenso gewaltige Chance. Tedesco hat das gezeigt.

Wie würdest Du die Spielidee von Drews beschreiben?
Da gibt es Parallelen zu Tedesco. Beide haben ja bekanntermaßen denselben Trainerlehrgang besucht, waren Zimmergenossen, spielen ähnliche Systeme. Eine wichtige Rolle in Drews‘ System spielen auf jeden Fall die beiden hoch stehenden Außenverteidiger. Über diese sollen schnelle Vorstöße über die Seiten erfolgen. Funktioniert hat das zuletzt eher weniger. Zudem soll Christian Tiffert aus dem Zentrum heraus die Offensivreihe mit Pässen versorgen, das wiederum war zuletzt gegen Bochum beim Tor von Fandrich erfolgreich.

Wer sind für dich die Stützen im Spiel von Wismut?
In erster Linie natürlich Martin Männel. Ohne ihn hätten wir in Dresden bereits zur Halbzeit 4:0 hinten gelegen. Im Mittelfeld ist Tiffert für uns momentan unverzichtbar. Er bringt seine ganze Routine ein, versucht Ruhe auszustrahlen und das Spiel zu leiten. Zudem muss man hoffen, dass Pascal Köpke wieder in die Spur findet.

Wie tritt Aue in der Regel vor eigenem Publikum auf?
Leider sind wir momentan nicht die Heimmacht, die wir einmal waren. Ich hoffe natürlich, dass es nicht am neuen Stadion liegt. Immerhin konnte man Nürnberg und Sandhausen daheim bezwingen, zudem sind wir seit drei Heimspielen ungeschlagen.

Ich bin gespannt, was die Lilien erwartet. Jens, herzlichen Dank für Deine Erläuterungen.


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

Wir mussten reden! Kai, Mike, Daniel, Christian und ich waren ob der gegen Regensburg gezeigten Leistung not amused. So darf es nicht verwundern, dass immer mehr von uns Torsten Frings kritisch hinterfragen: LINK


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Spieltag 2014/15

Quelle: kicker

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