19. Spieltag (#d98fck): „Von dem Spiel am Böllenfalltor hängt viel ab.“

Vier Monate stehen uns noch ins Haus, dann ist die Saison 2017/18 Geschichte. In diesen vier Monaten heißt es für die Lilien den Worst Case Zweitligaabstieg zu verhindern. Zum Aufgalopp der zweiten Saisonhälfte kommen die einstmals so ruhmreichen Pfälzer aus Kaiserslautern ans Bölle. Der Tabellenletzte ist ebenfalls zum Punkten verdonnert. Das riecht nach mächtig Abstiegskampf unter Flutlicht!

So sieht’s aus:

Alles auf Null heißt es beim SVD. Rückkehrer Dirk Schuster darf Anlauf zum nächsten Kraftakt mit den Lilien nehmen. Sollen die ebenso schönen wie wundersamen Erst- und Zweitligazeiten nicht jäh enden, dann muss der ehemalige Vater des 98er-Märchens mit seinem Team Boden gut machen. Der Punkt vor der Winterpause in Fürth war da ein Anfang, er kam aber reichlich glücklich mit dem Schlusspfiff zustande. Noch hecheln die Lilien vor dem zweiten Saisonabschnitt der Musik etwas hinterher. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf Rang 15. Dennoch hat die Personalie Schuster im Umfeld wieder die Zuversicht geweckt, dass die Wende zum Besseren gelingt. Und auch die Mannschaft macht den Eindruck, dass sie das auf Disziplin und Fitness basierende System des neuen, alten Trainers annimmt. Die Köpfe sind nach einer nicht enden wollenden Sieglosserie ein wenig freier geworden und auch der Kader wurde nachjustiert.

Ex-Lautrer Baris Atik – von Hoffenheim geliehen – soll die Optionen in der Offensive vergrößern, MLS-Import Joevin Jones das Flügelspiel beleben, Ingolstadt-Leihgabe Romain Brégerie mit Aytac Sulu wieder ein Bollwerk vor dem Tor bilden und Slobodan Medojevic das defensive Mittelfeld stabilisieren. Angreifer Jamie Maclaren verließ derweil die 98er für sechs Monate nach Schottland, um seine WM-Chancen zu erhöhen. Überraschender kam der Abschied von Hamit Altintop. Der Routinier weckte mit seiner Vertragsverlängerung im Sommer große Erwartungen, musste jedoch wie der Rest des Kaders feststellen, dass die 2. Liga auch mal ein pain in the ass sein kann. So verlässt der aufgrund seiner individuellen Qualität beste Lilienspieler der jüngeren Vereinsgeschichte nach einer insgesamt enttäuschenden Halbserie den SVD, um mit seiner Familie in die Türkei überzusiedeln. Sehr schade, aber sportlich doch kein so großer Verlust, wie es noch zu Saisonbeginn bedauert worden wäre.

Aktuell liegt der ganze Fokus auf dem Spiel gegen den FCK. Auch die Gäste wollen alles in die Rückrunde reinpacken. Mit Ruben Jenssen und Jan-Ingwer Callsen-Bracker haben sie in der Winterpause zwei erfahrene Spieler hinzugewonnen. Ob das reicht, um zehn Punkte Rückstand auf Rang 15 wettzumachen, wird sich zeigen. Ein Feuerwerk der Fußballkunst ist am Mittwochabend jedenfalls nicht zu erwarten. Die Roten Teufel (18.) und die Lilien (16.) sind die Teams mit den wenigsten Siegen (zwei bzw. vier), die bis zur Winterpause auch noch durch ihre verwundbaren Abwehrreihen auffielen (30 bzw. 31 Gegentore). Für beide gilt in jedem Fall: Verlieren verboten, gewinnen geboten!


Der Kontrahent hat das Wort:

Flo war schon vor dem 2. Spieltag mein Gesprächspartner. Flo schreibt für Der Betze brennt und ist ein Teil von BetzeGebabbel. Als ob das nicht schon genug wäre, wirkt er auch noch beim kürzlich ins Leben gerufenen Eishockey-Podcast Eiszeit FM mit.

Flo, als wir vor dem Hinspiel miteinander sprachen, da sagtest Du: „Mit Baris Atik haben wir endlich wieder einen Spielmacher.“ Jetzt dürfte er am Mittwoch im Lilienkader stehen. Was lief da schief und welchen Spielertyp haben wir uns da eigentlich geangelt?
Da muss ich jetzt selbst mal schmunzeln. Baris Atik konnte wie viele andere FCK-Neuzugänge die Erwartungen nicht erfüllen. Nach dem Trainerwechsel von Norbert Meier zu Jeff Strasser war er dann vollständig außen vor, nur im Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart durfte er noch einmal in der Startelf ran. Anfang Dezember gab es wohl beim Spiel in Heidenheim einen Vorfall, als sich Atik nicht sonderlich erfreut über seine Nicht-Einwechslung zeigte. Das scheint das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. Nachdem er nicht mit ins Trainingslager nach Spanien reiste, war eigentlich klar, was passiert.
Zum Fußballer Atik kann ich so viel gar nicht sagen, da er in Kaiserslautern schlichtweg nicht viel gezeigt hat.

Lautern gab zu Jahresbeginn das Ziel aus, drei bis vier Neuzugänge zu verpflichten. Bislang sind es mit Jenssen und Callsen-Bracker zwei. An Brégerie war der FCK angeblich dran. Schmiedebach aus Hannover sagte ab. Es gestaltet sich also zäh. Wo herrscht noch Bedarf und wie schätzt Du Jenssen und Callsen-Bracker ein?
…und auch der bisher aktuellste Darmstädter Neuzugang Slobodan Medojevic wurde anscheinend dem FCK angeboten. Warum es sich so zäh gestaltet, ist eine gute Frage. Meiner Meinung nach braucht der FCK noch mindestens zwei Spieler. Bedarf sehe ich noch im offensiven Mittelfeld und auch im Sturm. Neben Sebastian Andersson bräuchte der FCK noch einen zweiten Knipser, auch um unberechenbarer zu werden. Callsen-Bracker strahlte im letzten Testspiel schon eine gewisse Ruhe aus und sollte mit Marcel Correia das Innenverteidigerduo bilden. Ruben Jenssen kann dem FCK mit seiner Erfahrung helfen. Er brauchte keine lange Eingewöhnung, außerdem erhoffe ich mir durch ihn mehr Torgefahr aus der zweiten Reihe.

Der FCK steht aktuell bei zwölf Punkten. Bei noch 16 ausstehenden Partien müsstet ihr schon doppelt so viele Punkte holen wie bisher, um halbwegs vom Klassenerhalt träumen zu können. Wie sollen plötzlich acht Siege oder maximal vier Niederlagen zustandekommen?
Nächste gute Frage. Klar, die Vorrunde macht wenig Hoffnung, auch wenn der FCK am Ende gegen Aufstiegsfavoriten wie Ingolstadt und Nürnberg mithalten konnte. Eins ist klar: Zauberfußball ist in dieser Saison nicht mehr zu erwarten, aber mit ein bisschen mehr Spielglück und ein bisschen mehr Einstellung in manchen Spielen ist schon was machbar. Die englische Woche zu Beginn des Jahres erachte ich als extrem wichtig. Da müssen meiner Meinung nach mindestens vier Punkte her und vielleicht gibt es ja dann doch nochmal einen Lauf. Positivbeispiele, dass ein Klassenerhalt trotz miserabler Vorrunde doch noch gelingen kann, gab es ja in der Vergangenheit genug.

Wie ist die Stimmung in der Fanszene und was ist von den hartnäckigen Äußerungen zu halten, die 3. Liga wäre für den FCK nicht zu finanzieren?
Die 3. Liga zu stemmen, wäre sicherlich eine Herkulesaufgabe. Dass das Fernsehgeld abrupt sinkt, ist allseits bekannt. Dann hat der FCK noch diesen Klotz namens Stadion am Bein. Die Stimmung bei den Fans kann ich schwer einschätzen, zwischen Träumern und Realisten ist da sicher alles dabei. Nochmal: Es hängt viel von dem Spiel am Mittwoch am Böllenfalltor ab.

Erinnern wir uns noch kurz an wesentlich bessere Zeiten: Das letzte Gastspiel am Bölle war ein Aufstiegsduell. Am 31. Spieltag 2014/15 kamen die Lautrer als Zweiter zu den viertplatzierten Lilien. Ein Sieg und ihr hättet bei noch drei Spielen fünf Punkte Vorsprung auf Platz 3 gehabt. Stattdessen siegten die 98er nach 0:1-Rückstand mit 3:2 gegen aus heutiger Sicht namhafte Rote Teufel. Der Rest ist aus Liliensicht Legende. Kann man sagen, dass es seitdem mit dem FCK nur noch bergab ging?
Dieses Spiel ist mir in dieser Woche auch nochmal durch den Kopf gegangen. Das war sicher nicht der Auslöser der jetzigen Situation, schließlich hatte man nach dieser schmerzhaften Niederlage in Darmstadt noch drei Spiele, davon hätte man eins gewinnen müssen. In der Saison hätte der FCK aufsteigen müssen! Warum sieht man jetzt. In den letzten drei Spielzeiten wurde der Verein in der Tabelle kontinuierlich durchgereicht. Auch die ständigen Führungs- und Trainerwechsel sprechen nicht für den FCK, von den vielen Transfers ganz abgesehen. Sollte das Wunder vom Betzenberg doch noch gelingen, muss sich der 1. FC Kaiserslautern im Sommer völlig neu aufstellen.

Besten Dank, Flo.


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

Nach der kurzen Winterpause gab es reichlich Gesprächsbedarf. Kai, Mike, Daniel, Christian und ich sprachen über unsere Gefühlslage, unerwartete Abgänge, die Entwürfe für das neugestaltete Bölle und einen Neuzugang der bei seinem vorletzten Klub als „Edelzangler“ und „Dribblanski“ galt. KLICK


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Saison 2014/15

Quelle: kicker

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