28. Spieltag (#d98f95): „Die Lilien müssen nerven. Einfach nerven. 90 Minuten lang.“

Wenn Fortuna Düsseldorf auf Darmstadt 98 trifft, dann gab es für den SVD zuletzt wenig zu holen. Selbst in der Aufstiegssaison 2014/15 verloren die 98er beide Duelle gegen die Rheinländer. Auch in der Hinrunde war der Käse schnell gegessen. Bereits in der 2. Minute fiel der Siegtreffer für Fortuna. Das sind nicht gerade ermutigende Aussichten, wo es für die Lilien doch darum geht, dreifach zu punkten. Bei nur noch sieben Partien und fünf Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz heißt es inzwischen: Nichts kann, alles muss!

So sieht’s aus:

Aktionismus kann man den Verantwortlichen der 98er nun wirklich nicht vorwerfen. Sie bleiben ruhig, obwohl der tabellarische und punktetechnische Niedergang nicht deutlicher ausfallen könnte. Aus den letzten 21 Partien holte der SVD nur zwei Zähler mehr als aus den ersten sechs. Coach Dirk Schuster zeigte sich gegenüber dem Darmstädter Echo unbeirrt optimistisch, mit dem schwächsten Rückrundenteam den Abstieg abwenden zu können. Blöd nur, wenn die Konkurrenz weiterhin munter punktet und selbst 38 Punkte nicht zum Klassenerhalt reichen dürften. Das heißt im Umkehrschluss, der SVD benötigt noch mindestens elf Punkte und damit drei, besser noch vier Siege. Die jüngsten Unentschieden haben die Lilien jedenfalls nicht nach vorne gebracht, sondern ins Hintertreffen geraten lassen.

Schuster äußert sich im Echo zudem verwundert, dass so mancher Fan das 1:1 in Nürnberg als zu wenig empfand. Nun, wenn wir in zwei Monaten dankbar über den Punktgewinn in Franken sein sollen, dann muss das Offensivspiel bis dahin überzeugender ausfallen. Nur darauf zu setzen, vorne einen Standard zu verwerten, und ansonsten den Abwehrkampf zu üben, das ist ein bisschen wenig. Klar, Nürnberg will aufsteigen und steht nicht von ungefähr da oben. Der Glubb ging aber auch nicht mit der breitesten Brust ins Duell, hatte er doch eine längere Punktflaute zu verdauen. Wo blieben bitte die von Schuster gerne geforderten offensiven Nadelstiche? Klar, es macht keinen Sinn, mit eigener Führung kopflos ins Verderben zu stürmen. Aber wer nicht ansatzweise Entlastung schafft, der braucht sich nicht zu wundern, wenn irgendwann ein Ball (hochverdient) den Weg ins eigene Tor findet.

Angesichts der anstehenden Duelle gegen den unangefochtenen Klassenprimus aus Düsseldorf und den Tabellendritten aus Kiel, bleibt mehr Hoffnung als Überzeugung, dass der Knopf noch aufgeht. Vielleicht gibt es ja ein Revival der letztjährigen Bundesligasaison, als am Ostermontag plötzlich das Spielglück einen Last-Minute-Sieg gegen Schalke herbeiführte und sich zwei weitere (überzeugende) Erfolge gegen den HSV und Freiburg anschlossen. Ja, so ein unverhoffter Lauf, der wäre was … und er wäre bitter notwendig!


Der Kontrahent hat das Wort:

Thomas ist Redakteur beim Sport-Informations-Dienst (sid) und bei Twitter als @Dagobert95 bekannt. Die Ziffern in seinem Handle signalisieren, für wen sein Herz schlägt: Für die einzig wahre Fortuna aus Düsseldorf!

Thomas, Fortuna Düsseldorf und die Lilien teilen die Erfahrung, es aus unteren Ligen zurück in die Bundesliga zu schaffen und sich dort nicht halten zu können. Ihr habt euch in der 2. Liga etabliert. Da fragen sich alle Lilienfans, was habt ihr richtig gemacht?
Fortuna hat einfach den hanebüchenen Unfug weggelassen. Ewig war der Verein hoch verschuldet, er hatte wie viele versunkene Traditionsklubs seine Rechte an Kölmel verkauft – inzwischen liegen aber sogar ein paar Millionen auf der hohen Kante, es wird ein Nachwuchsleistungszentrum gebaut. Das neue Stadion half selbstverständlich auch.

Die letzten drei Spielzeiten beendete Fortuna in der zweiten Tabellenhälfte. Hättest Du vor der Saison gedacht, dass Düsseldorf ein Wort um den Aufstieg mitspricht?
Nein. Aber Fortunas Aufschwung sagt viel über diese Liga aus. Zwei, drei, gute Transfers, plötzlich bist Du schon oben dran, und hinter Dir gewinnt niemand in Serie.

Wie alle anderen Teams hatte auch Fortuna seine Schwächephase. Ende der Hinrunde gab es aus sechs Partien nur drei Punkte. Kamen Dir damals Zweifel, ob da wirklich ein Aufstiegsaspirant auf dem Rasen steht?
Jedes Fortunaspiel ist eng. Jedes. Diese Mannschaft ist nicht gut genug, andere abzuschießen. Selbst, wenn sie in Serie gewinnt, dann stets nur mit einem Tor Unterschied. Das geringste Nachlassen, und es sieht andersherum aus. Das musste sie in den von Dir erwähnten Spielen vorgeführt bekommen.

Wer sind für dich die Fortuna-Spieler, die den Unterschied ausmachen?
Benito Raman ist einer der besten Spieler der Liga. Sauschnell, technisch stark. Haraguchi ist eigentlich zu gut für die 2. Liga, Hennings trifft regelmäßig. Neuhaus und Sobottka sind enorm stark im Mittelfeld. So übel ist diese Mannschaft nicht.

Wenn ich nicht komplett falsch liege, dann dürfte Friedhelm Funkel mit inzwischen 64 Jahren der älteste Coach werden, der je ein Team in die Bundesliga führte. Sogar Otto Rehhagel war damals in Kaiserslautern noch keine 60. Und dass, wo die Trainer gefühlt immer jünger werden. Was zeichnet Funkels Arbeit aus?
Ruhe an der Grenze zur Penetranz. Da können auch mal zwei Partien verloren gehen, er würde nicht hektisch alles über den Haufen werfen. Die Stimmung im Team scheint zudem hervorragend zu sein.

Bei den 98ern hat es ewig schon kein Eigengewächs mehr in die Profielf geschafft. Und nun kommt ausgerechnet Fortuna mit einer ehemaligen Junglilie ans Bölle. Robin Bormuth kam bislang auf 15 Saisoneinsätze und wird am Montag in der Startelf stehen. Was kannst Du über ihn sagen?
Er ist großartig. Zuverlässig und wirklich häufig derjenige, der in der 94. Minute noch mit einer Monstergrätsche den Ausgleich verhindert. Ich würde ihn gerne noch häufiger sehen.

Wie bewertest Du aus der Ferne die Spielzeit sowie den Kader der Lilien?
Tja. Klassiker. Du kommst mit einer ordentlichen Mannschaft runter und denkst, das läuft schon. Und dann das. Ich nehme an, ihr selbst könnt euch das nicht so recht erklären. Mir geht es ähnlich. Der Kader scheint ja ganz gut besetzt.

Was sind Deines Erachtens die Knackpunkte für die verfahrene Situation am Bölle?
Zurück zur Mentalität, das hörte sich für mich aus der Ferne gut an. Allerdings war Dirk Schuster zwischendurch in Augsburg gescheitert. Er kam angekratzt zurück. Und zuletzt Nürnberg und nun Düsseldorf sowie Kiel direkt nacheinander. Puh. Vielleicht sollten mal die anderen unten aufhören, zu gewinnen. Das ist ein bisschen der Fluch der Ausgeglichenheit: Bist Du hintendran, kommst Du nur sehr mühsam wieder vorwärts. Ich tippe aber dennoch auf Rettung in der Relegation.

Gekauft! Nun sind am Montag Routinier Adam Bodzek und der vor der Saison aus Fürth gekommene Niko Gießelmann gesperrt. Sind das Personalien, die den Lilien etwas Hoffnung machen könnten?
Bodzeks Ausfall ist für mich kein Problem, jener von Gießelmann schon eher. Er spielt höchst solide, das war ein wirklich guter Transfer.

Abschlussfrage: Die Lilien müssen gewinnen. Das könnte Fortuna entgegenkommen. Dennoch: Welcher Matchplan schmeckt Fortuna so gar nicht?
Nerven. Einfach nerven. 90 Minuten lang. Und früh zeigen, dass man die nicht allzu sichere Abwehr ins Schwimmen bringen kann. Da kommt keine Übermannschaft. Das ist immer noch Fortuna Düsseldorf, allzeit bereit zur Aufbauhilfe.

Dirk Schuster, bitte übernehmen Sie. Thomas, besten Dank für Deine Antworten.


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

Nach dem Remis beim Glubb war das Glas in unserer trauten Rund halb leer. Und dann machte sich während der Aufnahme auch noch Aue daran, das Montagsspiel gegen Fürth zu gewinnen. Die Stimmung aufhellen konnten da nur Daniels Ausführungen über seine Kettensägen-Challenge gegen Lilien-Profi Markus Steinhöfer: KLICK.


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Saison 2014/15

Quelle: kicker

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