30. Spieltag (#d98ebs): „Ich rechne mit einem furchtbaren Spiel“

Vor der Partie gegen Eintracht Braunschweig werden ganz bittere Erinnerungen an die Hinrundenbegegnung wach. Der SVD hatte das Spiel im Griff und steuerte gegen harm- wie ideenlose Niedersachsen auf einen Dreier zu. Bis, ja bis Ersatztorwart Joël Mall einen einfachen Flankenball in der Nachspielzeit vor die Füße eines Braunschweigers fallen ließ. Ein Sieg damals hätte womöglich vieles in der aktuellen Spielzeit in andere Bahnen gelenkt. So heißt es am Samstag am Böllenfalltor weiter Abstiegskampf pur.

So sieht’s aus:

Die Formtabelle aus den letzten sechs Begegnungen sieht die 98er weiterhin in der Spitzengruppe. In jeder dieser Partien konnten die Lilien zumindest einen Punkt ergattern. Gegen die Top 3 der Liga gab es zuletzt fünf Punkte bei nur einem Gegentor. Okay, wenn man ehrlich ist, dann stand in allen drei Spielen auch ein wenig das Glück Pate, doch die Mannschaft von Dirk Schuster zeigte sich im Abwehrverhalten verbessert. Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten scheint wieder da zu sein. Zwei Partien ohne Gegentor nacheinander hat es in dieser Saison jedenfalls noch nicht gegeben.

Nach vorne könnte nach wie vor mehr gehen, und in den kommenden Spielen auch müssen. Heimspiele gegen Eintracht Braunschweig, Union Berlin und Erzgebirge Aue. Auswärtspartien in Sandhausen und Regensburg. Klingt alles machbar. Doch wenn die Saison bislang eines gezeigt hat, dann: Es gibt in dieser Spielzeit für die Lilien keine Selbstläufer. 32 Punkte bedeuten zwei Punkte Rückstand auf den Relegationsrang und nach wie vor fünf auf einen direkten Nichtabstiegsplatz. Mehr als 40 Punkte sind damit Pflicht. Das heißt im Umkehrschluss drei Siege. Um gegen Braunschweig damit anzufangen, ist eine hochkonzentrierte Leistung vonnöten. Offensiv etwas mehr Ideen und Wucht als zuletzt sowie ein Einsatzwille, wie beim Heimspiel gegen Düsseldorf. Leider wird Marvin Mehlem am Sonntag keine Variabilität ins Angriffsspiel bringen. Der lange Zeit von Dirk Schuster übersehene Techniker, bekam gegen Kiel endlich wieder seine Chance und wusste durchaus zu gefallen, holte sich aber zugleich seine fünfte Gelbe Karte ab. Braunschweig selbst will und wird am Sonntag natürlich gegenhalten. Denn auch sie haben eine schwere Spielzeit hinter sich und wollen das Abstiegsgespenst von sich fernhalten.


Der Kontrahent hat das Wort:

Wie bereits in der Hinrunde, steht mir Anna (KLICK) Rede und Antwort zur Situation und Stimmung bei der Eintracht aus Braunschweig.

Anna, fünf Spieltage vor Saisonende müssen sich noch mehr als die Hälfte aller Teams mit dem Abstiegskampf befassen. Wie bewertest Du die aktuelle Zweitligasaison?
Ich hatte letzte Saison schon damit gerechnet, dass die magische Marke von 40 Punkten fällt. Diese Saison wird es allem Anschein nach soweit sein, dass ein Team mit vielleicht sogar mehr als 40 Punkten absteigt. Das ist schon ziemlich happig: Wenn sich eine Mannschaft so viele Punkte erspielt, dann ist das normalerweise kein Grund zur Euphorie, aber auch kein Grund für Panik und Verzweiflung. Die Leistung war dann in der Regel solide und in der kommenden Spielzeit sollte folglich alles besser werden. Letztlich steigen am Ende aber die beiden punktschlechtesten Teams ab und natürlich ist das unterm Strich fair. Selbst wenn die Saison nun rein nach Punkten vielleicht gar nicht so schlecht gewesen sein wird. Aue hat letzte Saison mit 39 Punkten die Klasse gehalten, dieses Jahr steigt man damit ab.

Letztes Jahr noch Aufstiegsrelegation, in dieser Saison könnte für euch die Abstiegsrelegation herausspringen. Wie ist die Stimmung in der Fanszene?
Seltsam. Im Stadion ist alles erstaunlich okay, die Auslastung spiegelt überhaupt nicht die zum Teil erbarmungswürdigen und kläglichen Heimauftritte der Profis wider. Es wird nicht gedroht und relativ wenig gepfiffen. In den Kommentarspalten bei Facebook sieht das anders aus: Ich habe den Eindruck, die absehbare Spaltung der Fangemeinde nimmt zusehends Gestalt an. Schon in der letzten und vorletzten Saison ist die hartnäckige Konstanz der Führungsriege des Vereins immer wieder kritisiert worden. Diese Stimmen werden nun lauter. Auf der anderen Seite stehen aber nach wie vor etliche Fans, die den Kurs verteidigen, den Trainer in Schutz nehmen und daran erinnern, dass hier nicht allzu hohe Ansprüche gehegt werden sollten. Vor Ort stehen die Fans während des Spiels hinter der Mannschaft. Ich hatte im letzten Heimspiel fast den Eindruck, dass es schon für Euphorie sorgt, wenn der Ball in für uns nicht gefährlichen Regionen herumrollt.

Vor der letzten Begegnung unserer beiden Teams sprachst Du davon, dass die Eintracht eine Wundertüte sei. Wie sieht es 17 Begegnungen später aus?
Erst wollte ich antworten: „Genau so.“ Und irgendwie stimmt das auch. Jeder hier hat schon gesehen, was die Spieler können bzw. was sie als Team zusammen könnten. Etwas in mir hegt immer noch die naive Hoffnung, dass uns zwei Sahnewochen bevorstehen, an deren Ende wir uns über zwei gute Leistungen und den Klassenerhalt freuen. Der andere Teil bewertet die letzten beiden Spiele allerdings als negatives Vorzeichen für den Saisonendspurt. Vor der Länderspielpause haben wir einen akzeptablen 3:2-Heimsieg gegen Duisburg erspielt. Der hat mich sehr beruhigt, denn ich dachte: So weiter machen und wir holen unsere Punkte. Dann kam der nächste Kollaps in Bochum und eine verhältnismäßige Heimkatastrophe gegen Dresden. Ich fürchte also, wir sind keine Wundertüte mehr, sondern eher ein Säckchen mit Losen, von denen überproportional viele Nieten sind.

Im November hast Du mit der Offensive gehadert, mit der Defensive warst Du ganz zufrieden. Wie habt ihr euch in beiden Bereichen zuletzt präsentiert?
Der Offensive fehlt es immer wieder an unserem besten Spieler, Christoffer Nyman. Er fiel regelmäßig länger verletzt aus, so auch zuletzt. Bei ihm habe ich das Gefühl, dass er so autark ist, dass er auch mit schwächelnden Flügeln und einem mal mehr mal weniger geordneten Mittelfeld für ein Tor gut ist. Ganz einfach, weil er sich von der Labilität der Mannschaft nicht anstecken lässt. Suleiman Abdullahi ist ein hervorragender Einzelspieler, aber noch recht jung und nicht in konstanter Form. Gegen Dresden musste er leider verletzt ausgewechelt werden – das Glück ist uns nicht hold in diesem Jahr.
Unsere Innenverteidigung ist auch vom Verletzungspech betroffen, was allerdings nicht weiter auffällt. Der Mannschaftsteil, der aktuell aus dem Dänen Frederik Tingagar und dem Norwerger Gustav Valsvik besteht, ist der stabilste und harmoniert meist gut mit unserem Torwart. Ken Reichel, Kapitän und linker Außenverteidiger, fehlte zuletzt ebenfalls verletzt, wurde aber gut vertreten von Niko Kijewski. Ewiges Sorgenkind ist die rechte Seite, die sich in den letzten Spielen als gefährliche Schwachstelle erwies.
„Zufrieden“ ist ohnehin ein großes Wort, das ich im Kontext mit meiner Eintracht aktuell leider viel zu wenig benutzen kann.

Da hoffe ich doch glatt, dass Joevin Jones eure Schwächen rechts hinten gnadenlos ausnutzt. Wer macht für dich aktuell im Spiel der Blau-Gelben den Unterschied aus?
Wenn ich das wüsste. Ich dachte, Mirko Boland täte das nach seiner langen Verletzung. Die Hoffnung hat sich zunächst auch bestätigt. Dann kam die Länderspielpause, danach Bochum und alle Hoffnung war wieder dahin. Nichtsdestotrotz: Boland, Jan Hochscheidt und Torwart Jasmin Fejciz sind die Säulen der Mannschaft und diejenigen, die die Hoffnung an den Klassenerhalt immer wieder beleben.

Mit welchem Matchplan rechnest Du am Sonntag?
Ich rechne damit, dass wir versuchen werden, uns auf Stabilität in der Defensive zu konzentrieren. Da Darmstadt das meines Wissens auch tut, rechne ich mit einem furchtbaren Spiel und wenigen Toren. Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Abstiegsränge durch ein Remis auf Abstand zu halten. Die Krux an der aktuellen Situation ist es, dass der einzelne Punkt zu wichtig, die Lage noch nicht so aussichtslos ist, als dass für drei Punkte alles in die Waagschale geworfen werden sollte. Ein Saisonendspurt auf des Messers Schneide.

Vielen Dank, Anna.


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

In voller Mannschaftsstärke setzten wir uns am Montagabend mit dem Punktgewinn in Kiel auseinander. Dabei hatten wir einiges an Hoffnung im Gepäck. Daneben thematisierten wir die Dauerkartenregelung während der anstehenden Umbauphase am Böllenfalltor, und sprachen über die Fusion eines ehemaligen Kontrahenten aus Hessenligazeiten, Borussia Fulda, mit einem Lokalrivalen: KLICK.


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Saison 2014/15

Quelle: kicker

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