33. Spieltag (#ssvd98): „Der Wille und die Mentalität sind großartig“

Es gibt sie tatsächlich noch, die ungefährdeten Siege des SVD! Der 3:1-Erfolg am vergangenen Wochenende gegen Union Berlin, fühlte sich an wie eine Wellnesskur nach verdammt zähen Wochen und Monaten. Doch Zurücklehnen ist nicht angesagt, nicht im Saisonendspurt und erst recht nicht auf einem Abstiegsplatz liegend! Jetzt kommt die Crunchtime der Saison, in der es am Sonntag zunächst zu den Überperformern aus Regensburger geht, die sich im Saisonverlauf früh aus dem Tabellenkeller verabschiedet hatten.

So sieht’s aus:

Es musste ein Dreier sein und es wurde ein Dreier. Ein einigermaßen glanzvoller sogar. Drei Tore vor der Halbzeit stellten gegen Union Berlin die Zeichen frühzeitig auf einen SVD-Sieg. Nach der Pause versuchten die Hauptstädter nur halbherzig das Spiel noch zu drehen, so dass es ein überaus angenehmer und entspannter Nachmittag am Bölle wurde. Ein Tor aus dem Spiel herauskombiniert herausgekämpft (danke Fabian Holland), ein Tor nach einem Freistoß und eines nach einer Ecke, schon war der Erfolg eingetütet. Endlich agierten die 98er mit einer gewissen Leichtigkeit, natürlich befeuert durch die frühen Tore. Und hier liegt auch schon der große Unterschied zu den vorangegangenen Spielen. TorE! Erst das zweite Mal in 2018 erzielten die Blau-Weißen mehr als einen Treffer in einer Partie, das erste Mal seit 17 Spielen gar drei … Union scheint Darmstadt zu liegen. Da spielte es sich doch gleich viel befreiter. Auch die Konzentration ging mit zunehmender Spielzeit nicht flöten, selbst wenn der Anschlusstreffer kurz vor Schluss insbesondere Daniel Heuer Fernandes mächtig auf den Zeiger ging.

Der Keeper hatte in Hälfte 1 seinerseits zum Erfolg beigetragen. Zweimal war er gefordert und zweimal parierte er prächtig. Er war, ist und bleibt einer der besten Keeper der Liga. Mit nun neun nicht verlorenen Spielen am Stück hat sich der SVD gegen die Hälfte der Konkurrenz schadlos gehalten und an die anderen Kellerkinder herangepirscht. Die zwischenzeitlich etwas enteilten Teams aus Fürth und Aue sind wieder in Schlagdistanz. Vier Punkte in den verbleibenden beiden Partien könnten mit dann 41 Punkten genügen, das Durchreichen in Liga 3 auf den letzten Drücker zu vermeiden.

Die Mannschaft vermittelte am Samstag jedenfalls den Eindruck, an die eigene Chance zu glauben und sie auch vehement beim Schopfe zu packen. Dirk Schusters nach außen zur Schau gestellte Unerschütterlichkeit scheint auch beim Team zu verfangen. Der Coach selbst wird im Abstiegsfall übrigens bleiben. Am Donnerstag wurde Schusters Kontrakt ligaunabhängig bis 2020 verlängert.

Nun heißt es gegen den durch die Saison stürmenden Jahn aus Regensburg erneut alles abzurufen. Die Abwehrarbeit stimmt, allzu oft lassen sich die Lilien in den letzten Wochen nicht mehr einfach so übertölpeln. Und im Offensivspiel hat das Spiel gegen Union vielleicht die Blockade entscheidend gelöst. Damit es am letzten Spieltag gegen Aue zu einem wahren Abstiegskrimi am Bölle kommt, heißt es wieder alles abzurufen.


Der Kontrahent hat das Wort:

Wie das Twitterhandle von @munichpassion nahelegt, ist er zwar Bayernfan, er kann dem Jahn aus Regensburg aber ebenfalls einiges abgewinnen. Schließlich stammt er aus der Gegend und verbuchte dort seinen allerersten Stadionbesuch im damals noch alten Ground.

Der Jahn hat seine solide Form aus der Hinrunde  sogar noch gesteigert. Nur Aufsteiger Fortuna Düsseldorf holte in der Rückrunde mehr Punkte. Warum erlebte das Team, das vor zwei Jahren noch viertklassig war, keinen Einbruch?
Dafür gibt es viele simple Gründe. Normalerweise verfolgt die Regensburger das Verletzungspech, in dieser Saison hielt sich das jedoch zum Glück eher in Grenzen. Regensburg ist zudem eine fitte Mannschaft mit großem Kämpferherz, die nie aufgibt. Wie beim Düsseldorf-Spiel, als sie aus einem 0:3 noch ein 4:3 machte. Der Wille und die Mentalität sind großartig. Und wir haben viele junge Spieler, die Potenzial für mehr haben. Beim Jahn können sie sich in einem ruhigen Umfeld weiterentwickeln.

Regensburg hat außer dem Dänen Asger Sörensen ausschließlich Spieler im Kader, die aus Deutschland kommen oder hier aufgewachsen sind. Das erinnert an Dirk Schusters früheren Ansatz, der Wert darauf legte, dass seine Spieler die deutsche Sprache beherrschen. Genauso erinnert es an die Lilien von vor drei Jahren, dass keine Überspieler beim Jahn spielen, sondern eher Kicker von Drittligaformat. Hat sich daraus eine verschworene Gemeinschaft entwickelt, die über sich hinauswachsen konnte?
Ja, das denke ich schon. Der Teamgedanke wird in Regensburg großgeschrieben, anders geht’s ja auch nicht. Viele sind anderswo gescheitert, beim Jahn beweisen sie, dass sie doch was können. Und die vielen jungen Spieler sind hungrig auf den Erfolg und natürlich auf ihre persönliche sportliche Entwicklung. Das alles, gepaart mit einem tollen Trainer, ergibt den verdienten Erfolg, den der Jahn momentan hat. Dafür arbeiten alle hart.

In der Hinrundenbegegnung am Bölle fiel mir Marvin Knoll als unheimlich präsenter Spieler auf. Auch Marco Grüttner, den wir noch als Drittligaspieler für andere Teams erlebt haben, hat auf seine alten Tage in der 2. Bundesliga aufhorchen lassen. Sind die beiden die Unterschiedspieler beim SSV und wer ist für dich noch unverzichtbar?
Der Jahn funktioniert vor allem als Team, dennoch sind diese beiden Spieler extrem wichtig und nicht wegzudenken. Das hat man vor allem im letzten Spiel in Duisburg gesehen. Da musste Knoll wegen seiner Gelbsperre passen. Er ist ein Mentalitätsspieler. Wenn es nicht läuft, dann ist er derjenige, der die anderen nochmal heiß macht. Und Grüttner hat so viele Erfahrungen in seiner Karriere gesammelt, auch er geht voran. Zudem ist er ein unglaublich großer Sportsmann, weshalb er sehr geschätzt wird. Ohne diese beiden Spieler stünde der Jahn nicht da, wo er heute steht. Dazu gesellen sich Pentke, Gimber, Nachreiner, Nandzig, Lais und Geipl, sie alle gehören zum Stammpersonal.

Achim Beierlorzer hat durch seine Arbeit beim Jahn sicher auch andere Klubs auf sich aufmerksam gemacht. Könnte es der SSV verkraften, wenn nach Heiko Herrlich ein zweites Mal der Architekt des Erfolgs abhanden käme? Oder ist der Klub mit ausreichend Expertise gesegnet, die auch dann wieder eine Lösung finden würde?
Ich hoffe, dass uns der Trainer lange erhalten bleibt, denn ein erfolgreicher Trainer ist in der Regel am schwierigsten zu ersetzen. Nach Heiko Herrlich ist Geschäftführer Christian Keller ein weiterer Coup gelungen, ob das ein drittes Mal in Folge gelingen kann?! Nach Herrlichs Abgang war ich schon eher skeptisch gewesen. Fakt ist jedoch, dass Keller nur die Leute zum Jahn verpflichtet, von denen er zu 110% überzeugt ist. Für den Fall der Fälle, dass uns Achim verlässt, sehe ich uns durchaus gerüstet.

Durch das 1:4 in Duisburg dürfte der 3. Platz außer Reichweite sein. Was machst Du für die doch überraschend hohe Niederlage verantwortlich?
Wir haben tatsächlich nie ins Spiel gefunden, Duisburg war einfach besser an dem Tag. Zudem mussten wir unsere Innenverteidigung neu besetzten, da Knoll wie gesagt gelbgesperrt fehlte. Palionis ersetzte ihn, war aber lange verletzt und kam bisher kaum zum Zug. Der Jahn spielt auswärts außerdem eh schon schwächer als daheim in dieser Saison. Die Niederlage war für mich deshalb nicht überraschend, die Höhe allerdings schon ein wenig. Aber, wie gesagt, es war einfach nicht unser Tag. So etwas kann vorkommen. Die Bundesliga wäre natürlich eine Sensation gewesen, dass dieser Traum damit beendet wurde, tut mir aber jedenfalls nicht weh. Wir haben unsere Ziele in dieser Saison deutlich übertroffen und damit sind wir sehr zufrieden.

Der Jahn ist zuhause bärenstark, gewann zehn Partien, verlor aber auch sechs. Mit welchem Matchplan dürfte Beierlorzer am Sonntag gegen den SVD ins Spiel gehen?
Offensiv draufgehend, pressend – also wie immer – und sich zum Ende der Saison mit attraktiven Fußball bei den Fans bedanken, das könnte der „Matchplan“ sein. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass auch mal die Spieler ran dürfen, die zuletzt eher weniger gespielt haben. Da wären zum Beispiel Marcel Hofrath auf der linken defensiven Außenbahn und Stolze / Vrenezi auf den offensiven Außenbahnen zu nennen. Außerdem wird am Sonntag das neue Heimtrikot vorgestellt, das aktuelle ist schon zwei Saisons alt, da will man sicher eine gelungene Generalprobe für die nächste Saison feiern.

Besten Dank für Deine Antworten.
Euch Darmstädtern wünsche ich viel Erfolg im Abstiegskampf; ich hoffe, dass ihr der Liga erhalten bleibt. Aber die Punkte bleiben am Sonntag in Regensburg. Auf ein faires Spiel und möge der Bessere gewinnen.


Auf die Ohren: Der Lilien-Podcast

Am Dienstag war die Stimmung bei Kai, Mike, Christian und mir gut. Ach was? Jahaaa! Denn das ist gar nicht so selbstverständlich, wenn man nur alle paar Wochen einen Sieg eingestreut bekommt und seit drei Monaten auf einem Abstiegsplatz festklebt. Kai war sogar so euphorisiert, dass er Union Berlin, das vier Punkte vor dem SVD rangiert, immer noch in höchster Abstiegsgefahr sieht. Aber hört selbst rein: KLICK.


Gleiche Liga, gleicher Spieltag: Saison 2014/15

Quelle: kicker

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2 Gedanken zu “33. Spieltag (#ssvd98): „Der Wille und die Mentalität sind großartig“

  1. Kann mich der Regensburger Seite anschließen, einzige Ausnahme der Einsatz Vrenezi/Hofrath, Beierlorzer wird die Spieler aufstellen, die es sich in der Trainingswoche verdient haben (sollten die beiden also trotzdem auflaufen, sind sie 100% heiß). Stolze auf jeden fall für den gesperrten (und aktuell sehr formstarken) Jann George; ich erwarte aber in den letzten 20 min für ihn die Einwechslung von Uwe (Süd-)Hesse. Ihr habt ihn doch sicher auch nicht vergessen, Sein Vertrag wird höchstwrsl. nicht verlängert weils für die zwote Liege einfach nicht reicht. Er hat aber trotzdem noch ein paar Minuten zwote Liga verdient; er hat den Abstieg in die Regionalliga mitgemacht, Auftieg in Liga 3, Relegationsspiele gegen Sechzig und diese Saison Aufstieg mit der zwoten Mannschaft. Wär ein Moment, der unabhängig vom Spielausgang beide Parteien im Stadion erfreuen würde (Noch einmal die UWE,UWE,UWE-Schlachtrufe!!!).

    Die Punkte bleiben natürlich in Rengschburg.
    Ich hoffe, dass der Stadionbesuch für euch nicht ganz so schlimm wird, wie im letzten Lilienpodcast befürchtet (abgesehen vom Spielausgang), die Continental-Arena wird das alte Stadion an der Prüfeninger vom Flair her nie toppen, finde sie trotzdem gut. Hat was von erfolgreicher Zukunft weg von Liga 3. Alternative zum Neubau an anderer Stelle war halt technisch nicht möglich.

    Ich drück euch die Daumen, dass ihr am Schluss gegen Aue die Klasse hält. Ein spannendes Ende der Saison mit Happy-End für die Lilien (ich hoffe ihr habt keine Herzprobleme).

    mfg S-R

    [falls doch Worst case-Szenario: Uwe ist ablösefrei und macht den Kempe 2.0 in Liga 3.!]

    • Wer könnte Uwe (Süd)Hesse als Lilienfan je vergessen? Das wäre wirklich ein Gänsehautmoment, wenn er noch auf ein paar Minuten käme. Besten Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und hoffentlich auf ein Wiedersehen in der kommenden Saison!

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